Arbeitssicherheit

Neue Arbeitsschutzkampagne im Steinkohlenbergbau

Für einen hohen Sicherheitsstandard bis zum letzten Tag

Die RAG Aktiengesellschaft macht den Mitarbeiter zum Sicherheits-Protagonisten. Ende 2018 wird der Steinkohlenbergbau in Deutschland die Förderung einstellen. Mit einer weit unterdurchschnittlichen Unfallquote haben die Beschäftigten der RAG Aktiengesellschaft trotz ihrer besonderen Arbeitsbedingungen keinen Grund, den Vergleich mit anderen Branchen zu scheuen. Wie aber lässt sich das hohe Niveau im Arbeits- und Gesundheitsschutz auch in den verbleibenden Jahren bis zum Ende des Bergbaus aufrechterhalten? Und was ist zu tun, um die Motivation für sicheres Arbeiten gerade in dieser Phase zu stabilisieren oder gar auszubauen?

Um das Thema weiter voranzutreiben und gerade im Auslauf eine besondere Bedeutung zu geben, rief die RAG ein unternehmensweites Projekt ins Leben. In diesem Rahmen startete ein interdisziplinäres Team aus Arbeitsschützern und Kommunikationsexperten eine neue Arbeitsschutzkampagne, die den Mitarbeiter auch visuell ins Zentrum stellt. Denn, so verkündet ein Kumpel auf einem der neuen Kampagnenmotive: „Sicherheit beginnt in meinem Kopf!“ Aber es gibt noch weitere Appelle an die Mannschaft. Der zentrale Slogan der Kampagne lautet „Sicherheit – denk daran, bevor Du loslegst“. Auch er zielt auf den Kopf, auf die Motivation, die Bereitschaft, noch immer dazuzulernen, auf Verhaltensoptimierung, auf die Bergmannsehre und die Verantwortung füreinander: „Schau hin, was Dein Kumpel macht!“

Auf verändertes Arbeitsumfeld reagieren

Werner Tubbesing und sein Team vom Zentralbereich Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz am Konzernsitz in Herne nutzen den Kampagnenstart, um den Mann vor Ort, aber auch die Kolleginnen und Kollegen der Verwaltungsstandorte auf eine Reihe aktueller Sicherheitsfragen aufmerksam zu machen: „Wenn ein Bergwerk auf die Stilllegung zugeht, reicht die bisher erworbene Routine vielfach nicht mehr aus, denn das gesamte Arbeitsumfeld ändert sich. Heute gibt es andere Verletzungsarten als noch vor ein paar Jahren, die Kollegen sind älter geworden, bringen manchmal auch mehr Gewicht auf die Waage. Stolpern, Rutschen, Stürzen sind seit geraumer Zeit Ursache für Verletzungen“, sagt Tubbesing.

Und ein weiterer Punkt: „Im Auslauf ist die Unterstützung von Partnerfirmen und ihren Mitarbeitern wichtig. Sie zeigen oft ein ganz anderes Sicherheitsverhalten als die routinierte Stammbelegschaft. Entsprechend disparat ist das Unfallgeschehen. Auch hier wollen wir verstärkt für Aufklärung sorgen.“

Arbeitsschutz umfassend integriert

Für die RAG ist die neue Kampagne Teil und Ausdruck der Unternehmensphilosophie. Einschließlich der Verwaltungen zählt das Unternehmen noch 6.350 Beschäftigte. Über 1.000 von ihnen sind Sicherheitsbeauftragte und damit wertvolle Multiplikatoren für die aktuellen Sicherheitsbotschaften. Auch die Mitglieder des Vorstands greifen bei den unterschiedlichsten Anlässen Themen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes auf. Hat sich trotz aller präventiven Bemühungen ein Unfall ereignet, lädt der Vorstand die verantwortlichen Werksleitungen ein, um sich über das Ereignis aus erster Hand zu informieren – auch dies Zeichen einer ausgeprägten Sicherheitskultur. Für die mediale Ausgestaltung der Kampagne stellte Tubbesing mit Unterstützung von Janine Simmann aus dem Zentralbereich Kommunikation/Vorstandsbüro einen umfangreichen Katalog zusammen, um für das Gespräch über Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz immer wieder Anlässe zu schaffen. Auf Plakaten und großformatigen Fahnen kommen die Kumpel selbst zu Wort – mit eindrucksvollen Portraits, jeweils mit dem Kampagnenmotto und persönlichen Botschaften. Im weiteren Verlauf der Aktion werden die Botschaften der jeweiligen Themenlage angepasst und kommen dann aktuell zur Verteilung. Es gibt Roll-ups und Ausstellungswände, Hinweise zur Bandfahrung, zur Benutzung von Handlauf und Ausstiegshilfen oder zum Ablauf der Rettungskette.

Umfassende Kommunikation

Simmann unterstreicht, dass Plakatmotive allein kein kommunikatives Allheilmittel sind. Insbesondere die Verzahnung von Führung, Kommunikationsmaßnahmen, Schulungen und Veranstaltungen trage zur nachhaltigen Wirkung bei. Deshalb ergänzen zahlreiche weitere Elemente das Kommunikationsangebot: Videosequenzen für Wartezonen, Weiterbildungsmaßnahmen, Podiumsdiskussionen, Commitment acts, Gesprächsrunden mit Sicherheitsverantwortlichen sowie spezielle Veranstaltungen wie die sogenannten AGU-Tage. Sie widmen sich den Themen Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umwelt und finden in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen statt – das nächste Mal am 1. Februar 2017. Auch auf lokaler Ebene wird es weitere AGU-Tage geben. Eine Besonderheit sind spezielle Rückantwortkarten, auf denen die Beschäftigten ihre „guten Sicherheitsvorsätze“ für die verbleibenden Jahre im Steinkohlenbergbau formulieren können. Die Karten werden mit der Mitarbeiterzeitung, die sich natürlich ebenfalls ausführlich der neuen Aktion widmet, verteilt. Hier gibt es bereits zahlreiche Rückläufe, die interessantesten werden prämiert. Tubbesing und seine Mannschaft wollen alles tun, um dem Arbeitsschutz auch angesichts der auslaufenden Kohleförderung ungeschmälert Geltung zu verschaffen: „Wir hoffen, einen neuen Schub zu bekommen, um auch im Auslauf unser Sicherheitsniveau zu halten.“

Norbert Ulitzka, BG RCI

Plakat
Mit dieser Plakatkampagne möchte RAG für mehr Achtsamkeit im Bereich Arbeitssicherheit sensibilisieren.
 
Weitere Informationen