Unternehmensführung

Weißbuch Arbeiten 4.0

Noch ohne großen Mut

Das kürzlich in Berlin vorgestellte Weißbuch „Arbeiten 4.0“ fasst den bisherigen Dialogprozess zum Thema zusammen, ist bei zahlreichen Ideen und Umsetzungsvorschlägen jedoch ausgesprochen zögerlich. Bei der Gestaltung einer digitalen Arbeitswelt sind Personalmanagement und Unternehmen in der Praxis oftmals weiter. Um die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können, sind an zentralen Punkten wie Arbeitszeitregelung, Weiterbildung und Beschäftigtendatenschutz zeitnah die richtigen Weichenstellungen erforderlich.

Nach einjährigem Dialogprozess wurde das lang erwartete Weißbuch „Arbeiten 4.0“ durch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vorgestellt. Die aktive Einbeziehung verschiedener Akteure bei der Erstellung des Dokuments wurde dabei von allen Seiten positiv bewertet. Die Diskussion um die geeigneten gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine digital geprägte Arbeitswelt muss nun auf dieser Grundlage zügig weitergeführt werden. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) kommt es dabei darauf an, der (digitalen) Unternehmensrealität ebenso wie den Anforderungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer künftig besser gerecht zu werden. An vielen Stellen – Stichwort mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort – liegen die Vorstellungen von Unternehmensführung und Belegschaft oftmals nicht weit auseinander. Ziel sollte es sein, die Möglichkeiten der Digitalisierung für alle Seiten optimal zu nutzen. Hier wäre bei den nächsten gesetzgeberischen Schritten mehr Mut wünschenswert. Dabei sind die vorgeschlagenen Experimentierräume mit Blick auf ein geplantes „Wahlarbeitszeitgesetz“ grundsätzlich zu begrüßen. Warum jedoch eine flexiblere Arbeitszeitregelung auf tarifgebundene Unternehmen beschränkt bleiben soll, erschließt sich nicht. Hier ist die Praxis bereits an vielen Stellen weiter und erprobt – soweit es der bisherige starre gesetzliche Rahmen zulässt – neue Arbeitsformen und -modelle. Dies wird nicht zuletzt auch eingefordert von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mehr Flexibilität und damit persönliche Gestaltungsfreiheit wünschen.

Eigenverantwortung gefragt

Beim Thema Weiterbildung wiederum ist – auch das zeigen die Erfahrungen aus der Praxis – vor allem die Eigenverantwortung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst stärker gefragt. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, eine Weiterbildung in Anspruch zu nehmen. Somit braucht es aus Sicht des Personalmanagements weniger ein „Recht auf Weiterbildung“ als die Förderung einer echten Weiterbildungskultur. Lebenslanges Lernen muss im digitalen Zeitalter mehr als je zuvor zum Selbstverständnis werden. Der besondere Fokus auf Bildungsthemen in der Debatte um Arbeiten 4.0 ist daher in jedem Fall richtig. Dennoch bleiben viele offene Fragen. Beispielsweise wäre zu diskutieren, ob die Einschätzung und Beratung zu zusätzlichen beruflichen Qualifikationen künftig stärker in den Händen der Bundesagentur für Arbeit liegen sollte oder ob Unternehmen und wiederum die Beschäftigten selbst die Bedarfe und Optionen am besten einschätzen können.

Das Weißbuch „Arbeiten 4.0“ ist unter www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a883-weissbuch.html abrufbar.

Andrea Nahles
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles blieb nach Ansicht der DGFP mit dem Weißbuch „Arbeiten 4.0“ wichtige Antworten schuldig. // Foto: BMAS / Werner Schuering
 
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