2018 – das Jahr, um Weichen zu stellen

Helmut Ehnes

Die Wirtschaft steht glänzend da, der Absatz im Inland und auf den Auslandsmärkten boomt. Davon profitiert die deutsche, mittelständisch geprägte Maschinenbauindustrie. Auch die Bau- und Baustoffindustrie können zumindest mittelfristig in eine gute Zukunft blicken, weil der Investitionsbedarf für Infrastruktur, Wohnungsbau und Bildung immer weiter steigt und dank hoher Steuereinnahmen genug Geld da ist. 2018 verspricht also, ein gutes Jahr zu werden. Aber es gibt auch Risiken: Ein neuer Nationalismus könnte den Welthandel bremsen. Fachkräfte sind überall knapp. Und was bedeutet die 4.0-Revolution wirklich für die Unternehmen und für jeden Einzelnen von uns?

Lassen Sie mich heute einen Aspekt aufgreifen, der im engen Zusammenhang mit dem Präventionsauftrag der Berufsgenossenschaft steht. Wenn gute Fachkräfte kaum noch zu finden sind und der Wettbewerb um die Besten in vollem Gange ist, spielen neben der Honorierung auch weitere Faktoren eine immer wichtigere Rolle: eine gesunde Arbeitsumgebung, ein gutes Klima oder auch die Sicherheit am Arbeitsplatz. Wenn Fachkräfte entscheiden, wo sie ihre Zukunft sehen, beziehen das mehr und mehr ein.

Mit unserer VISION ZERO Initiative unterstützen wir jetzt im vierten Jahr Ihre Bemühungen in diesen Fragen. Und wir können inzwischen über Erfolge berichten: Laut Schadensbilanz 2017 haben wir zwar nur einen leichten Rückgang bei den Arbeitsunfällen, aber historisch niedrige Werte bei den schweren (–20 %) und tödlichen Arbeitsunfällen (–56 %). Schlechter sieht das Bild bei den Wegeunfällen aus. Auch, wenn dies wohl mit einer mangelhaften öffentlichen Infrastruktur zu tun hat, sollten die Betriebe 2018 hier neue Ideen entwickeln und investieren. Die BG RCI wird Ihnen in Kürze neue Angebote dazu machen. Positiv hingegen ist die Bilanz bei den Berufskrankheiten: Jene, die durch Rente kompensiert werden, sind um 26 % zurückgegangen. Alles in allem also ein erfreuliches Bild.

Aber es gibt auch die Schattenseite. Bereits in den ersten Wochen des neuen Jahres haben wir mehrere tödliche Arbeitsunfälle zu beklagen, die ich leider als Klassiker bezeichnen muss: Störungsbeseitigung an einer automatischen Anlage. Der Beschäftigte betritt den gefährlichen Bereich, obwohl die Anlage nicht vollständig vom Netz getrennt ist – jemand betätigt den Steuerimpuls … das Weitere können Sie sich denken. Ich frage: Warum gelingt es uns trotz Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Unterweisung nicht, dieses tödliche Risikoendlich in den Griff zu bekommen? Alle sind gefordert: Unternehmer und Führungskräfte müssen hinschauen und Arbeitsweisen hinterfragen. Maschinenhersteller müssen ihre Sicherheitskonzepte prüfen, Beschäftigte müssen STOP sagen, wenn sie nicht zu 100 % sicher sind, wie die Anlage reagiert. Einer muss auf den anderen aufpassen.

Als BG RCI sehen wir aufgrund der 4.0-Technologie Chancen, Wartungsarbeiten und Störungsbeseitigung sicherer zu machen – es muss uns gelingen, Informationen so punktgenau bereitzustellen, dass im entscheidenden Moment genau die richtige Frage gestellt wird. Meine Bitte an Sie für 2018: Lassen Sie uns Zeichen setzen und die Weichen stellen – für Sicherheit und Gesundheit in den Betrieben. Nutzen Sie unser neues Seminarangebot für Führungskräfte, damit wir unserer Verantwortung für die Menschen und die Familien gemeinsam gerecht werden.

Herzlichst Ihr
Helmut Ehnes