Unternehmensführung

Management der „Human Resources“ (HR) gewinnt an Bedeutung

Rekrutierung heute und morgen

Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus. Aktuellen Prognosen zufolge sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von heute rund 50 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 26,5 Millionen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Fachkräften immer weiter an. Doch was bedeutet das für die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern und welche Auswirkungen bringt es mit sich? Josef Günthner, Gründer und Geschäftsführer der IT-Personalberatung Paltron, gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Personalwesens und weiß, warum die Position des HR-Managers an Bedeutung gewinnt.

In Zeiten der Digitalisierung bleibt auch die Personalabteilung nicht vom Wandel verschont. Egal ob KMU oder Konzern: „Das Recruiting wird zukünftig deutlich strategischer“, so Josef Günthner. Dabei müsse die Rekrutierungsstrategie sich vor allem aus der Unternehmensstrategie ableiten und anpassen. „In den Unternehmen muss ein Umdenken und insbesondere ein Handeln stattfinden“, weiß Günthner. „Alte Prozesse müssen verstärkt hinterfragt und neue etabliert werden.“ Besonders wichtig sei hierbei, die Conversion Rate der bisher verwendeten Maßnahmen zu prüfen. Das heißt, wie effektiv sind Stellenanzeigen, Messen und Co. im Vergleich zu neuen Tools wie zum Beispiel Active Sourcing? Personaler und Geschäftsführung sollten sich genau überlegen, welche Maßnahmen sich rentieren und welche besser eingestampft werden sollten. Active Sourcing gewinnt als Tool zunehmend an Bedeutung und wird zukünftig eine immer größere Rolle im Recruiting einnehmen. Active Sourcing ist jedoch nicht gleich Active Sourcing: Es sollte vorab immer festgelegt werden, welche Zielgruppen durch welche Kanäle am besten erreicht werden. Active Sourcing muss nicht zwangsläufig nur über Social Media Plattformen stattfinden. Aber je nach Zielgruppe könnte es zukünftig verstärkt an Bedeutung gewinnen. Dadurch ist die HR-Abteilung also nicht länger nur operativ tätig und somit die ausführende Kraft, sondern muss eng mit der Unternehmensführung und dem Marketing zusammenarbeiten.

Grafik mit einer Hand am Notebook
Die Abteilung „HR“ wird in Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Sie hat die Aufgabe, die Neueinstellung von Fachkräften strategisch zu planen – auf prozessualer wie auf sozialer Ebene. // Foto: stock.adobe.com (© WrightStudio)

Das Stiefkind des Unternehmens?

„Das Problem, welches bislang oft in Unternehmen vorherrscht, ist, dass Personaler sich von der Geschäftsführung vernachlässigt fühlen“, führt Günthner an. „Vor allen in Prozessen der Digitalisierung hinkt die Personalabteilung hinterher und andere Abteilungen haben Vorrang. Das wird auf lange Sicht für kein Unternehmen funktionieren.“ Vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müsse die Geschäftsführung erkennen, dass die HR-Abteilung nicht das Stiefkind des Unternehmens, sondern eine wichtige Komponente für die Etablierung der Unternehmensstrategie und der Rekrutierung neuer Top-Talente ist.

Personaler sind nicht mehr nur die Wohlfühlmanager

Auch das Bild des klassischen HR-Managers wandelt sich: Denn in Zeiten des Wandels braucht es Experten, die diesen verstehen, treiben und strategisch für das eigene Unternehmen nutzen. „Ein Personaler ist nicht mehr länger nur ein ‚Feel-Good-Manager’, der sich um das Wohl der Mitarbeiter bemüht“, sagt Josef Günthner. „Er wird vielmehr zum strategischen und operativen ‚Vertriebler’, eine Art Key Account Manager, der in Richtung der gesuchten Talente agiert und zukünftig folgende Eigenschaften mitbringen muss: Know-how, Verkaufstalent und eine gute Portion Überzeugungsstärke.“ Denn insbesondere Personaler müssen hinter den Unternehmenswerten und der Philosophie stehen und sie entsprechend verkaufen können. Dies könne vor allem durch regelmäßige Weiterbildungen und Workshops gewährleistet werden. Unternehmen müssen verstärkt dafür sorgen, dass die Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, ihre Branchen- und Abteilungskenntnisse zu vertiefen, um mit einem Rundum-Blick ihrer Tätigkeit nachkommen zu können.

Dem Mangel begegnen und handeln!

Der Fachkräftemangel schreitet weiter voran und sorgt für den „War of Talents“, sodass sich Kandidaten oft ihre Positionen aussuchen können. „Unternehmen müssen aufwachen und insbesondere ihre HR-Strategie anpassen“, warnt Günthner. Die HR darf nicht länger das Stiefkind des Unternehmens sein und muss einen höheren Stellenwert zugeschrieben bekommen. Denn der Fachkräftemangel betrifft alle! Nur durch eine Umstrukturierung und Anpassung der unternehmensinternen Prozesse würde die Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden – also schnell handeln!

Menschen an einem Besprechungstisch
Insbesondere Personaler benötigen regelmäßige Weiterbildungen, um die Aufgabe „HR“ stemmen zu können. // Foto: stock.adobe.com (© Robert Kneschke)
 
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