Unternehmensführung

Professor Stefan Diestel von der ISM über Kulturwandel in Unternehmen

Digitalisierung ist der Januskopf der Unternehmenskultur

Strukturelle Veränderungen, neue Arbeitsprozesse und Wertewandel - die digitale Transformation hat sich auf die Kultur vieler Unternehmen ausgewirkt. Doch bis zu welchem Punkt sollte sich ein Unternehmen verändern? Wie viel Wandel ist erforderlich, um mit dem digitalen Fortschritt mitzuhalten? Wie die Digitalisierung die Unternehmenskultur verändern könnte, versucht Prof. Dr. Stefan Diestel von der International School of Management (ISM) zu beantworten.

Als akademischer Leiter des Kienbaum Institutes @ ISM und Studiengangsleiter des M.Sc. Organizational Psychology & Human Resources Management an der ISM Dortmund forscht er regelmäßig zum Thema. „Die Frage ist, ob die Digitalisierung eine Unternehmenskultur beeinflusst oder ob eine Unternehmenskultur Digitalisierung erst möglich macht. Man kann eher von einer Wechselwirkung ausgehen“, erklärt Diestel. „Was Unternehmen hier im Blick behalten sollten, ist nicht nur die Digitalisierung, sondern vor allem die digitale Transformation - also die Veränderung von Unternehmensstrukturen, Prozessen und ganzen Geschäftsstrategien.“

Komplexe Aufgabe

Insbesondere für Traditionsunternehmen mit vielen Mitarbeitern ist ein Kulturwandel komplex und mit Hindernissen verbunden. Daher empfiehlt Diestel Firmen, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren, individuell das Unternehmen zu beurteilen und sich nicht mit innovativen Start-ups zu vergleichen: „Ein Unternehmen muss nicht zwanghaft alles tun, um digitale Technologie in den Arbeitsalltag zu integrieren. Gerade traditionelle Unternehmen sollten sich fragen, welche Dienstleistungen oder Produkte sie anbieten können, die nicht durch die Digitalisierung ersetzt werden.“ Allerdings sollten sie auch ihren Standpunkt prüfen: „Manche Unternehmen wissen nicht eindeutig, was der Kern ihrer Dienstleistungen oder Produkte ist. Arbeits- und Kommunikationsprozesse laufen automatisch ab, ohne dass sie hinterfragt werden.“

Tieferes Verständnis notwendig

Damit Unternehmen die digitale Transformation zu ihrem Vorteil nutzen können, ist daher auch ein tiefergehendes Verständnis der eigenen Unternehmenskultur notwendig: „Die Digitalisierung ist ein fortschreitender Prozess. Deswegen ist es für Unternehmen wichtig, sich kontinuierlich mit der Frage zu beschäftigen, ob sie gut aufgestellt sind. Es genügt nicht, sich einmal zu wandeln. Digitale Transformation ist grundsätzlich nie komplett abgeschlossen“, sagt Diestel. Durch die Komplexität und Unvorhersehbarkeit des digitalen Wandels sind viele Unternehmen jedoch weiterhin skeptisch und vorsichtig, bisweilen sogar verängstigt. „Die Digitalisierung ist der Januskopf der Unternehmenskultur. Auf der einen Seite bietet sie enorme Chancen, andererseits aber auch Gefahrenpotenziale. Sie ist per se nicht gut oder schlecht. Die Frage ist, wie man sie nutzt und in welchen Anwendungsfeldern sie am besten ihre Wirkung zeigt.“

Monitor mit der Textanzeige 'Business Update' and Balkendiagramm
// Foto: (© Rawpixel/Shotshop.com)
 
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