Die wichtigsten 2 m2 deines Lebens

Abschlussbericht der Hautkampagne von BBG und StBG

Kampagnenlogo Haut

In den meisten Mitgliedsbetrieben der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG), egal ob im Steinbruch oder im Zementwerk, ob in der Natursteinbearbeitung oder in der Beton-Industrie, sind nach wie vor überwiegend Männer tätig. Gleiches gilt für den Zuständigkeitsbereich der Bergbau-Berufsgenossenschaft (BBG). Egal ob im Tagebau oder untertage, ob in der Gewinnung oder in den Werkstätten. Trotzdem sind Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege auch bei diesen typischen Männerberufen kein ganz neues Thema. Vorbei sind die Zeiten, als viele Männer nur Rasierwasser kannten und das Alphabet der Herrenpflegeprodukte bei A wie Aftershave endete. Und in den meisten Betrieben gibt es auch Produkte zum Schutz, zur Reinigung und zur Pflege der Haut.

Deine Haut. Die wichtigsten 2 m² deines Lebens.

Die Haut ist mit etwa 2 m² das größte menschliche Organ. Mit einer Dicke von 1 bis 4 mm hat sie einen Anteil von etwa 12 % am Körpergewicht. Sie bildet Haare, Finger- und Zehennägel aus und erneuert sich in einem etwa vierwöchigen Rhythmus. Ihre Funktionen sind vielfältig. Die Haut verhindert das Eindringen von Mikroorganismen, schützt vor ultravioletten Sonnenstrahlen und ist ein Schutz für Muskeln, Knochen und innere Organe. Die Haut isoliert vor Feuchtigkeit und Kälte. Sie wirkt mit bei der Atmung und dient der Wärmeregulierung. Sie beugt Wärmeverlusten vor, indem sie die Durchblutung vermindert. Durch Gefäßerweiterung und Schweißabsonderung verhindert sie eine Überhitzung. Daneben ist die Haut auch noch Sinnesorgan. Sie ist der Sitz des Tastsinns.

Die Bedeutung der Haut wurde in den Jahren 2007 und 2008 durch die DGUV-Kampagne „DEINE HAUT. Die wichtigsten 2 m² deines Lebens“ ins Blickfeld gerückt. Die Dachkampagne, getragen von Verbänden und Trägern der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung, wurde ergänzt von branchen- und zielgruppenspezifischen Kampagnen einzelner Kranken- und Unfallversicherungen.

Wie wichtig Hautschutz auch in den typischen Branchen der Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist, zeigen an dieser Stelle weniger die berufsgenossenschaftlichen Statistiken über angezeigte bzw. anerkannte Berufskrankheiten (BK 5101) als die Zahlen der Krankenkassen. So waren in den letzten Jahren allein bei der in der Steine und Erden-Industrie präsenten BKK und der in der Bergbaubranche traditionellen Knappschaft Bahn See jährlich über 4.500 Fälle von Hauterkrankungen zu verzeichnen, die mit etwa 75.000 Ausfalltagen verbunden waren. Angezeigt wurden im gleichen Zeitraum dagegen sowohl bei der BBG als auch bei der StBG jeweils ca. 50 BK-Verdachtsfälle. Anerkannt wurden in beiden Branchen etwa 5 Erkrankungsfälle pro Jahr.

Auf die geeigneten Produkte und die richtige Anwendung kommt es an

Typische Stoffe an den Arbeitsplätzen der Versicherten von BBG und StBG, die die Haut schädigen können, sind z.B. zementhaltige Baustoffe, Öle sowie Reinigungs- und Lösemittel. Aber auch scharfe Ecken und Kanten oder Späne an Werkstücken können die Haut verletzen. Und nicht zuletzt gilt für alle Beschäftigten, die überwiegend im Freien arbeiten, die Wirkung der UV-Strahlung der Sonne nicht zu unterschätzen.

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Auswahl hautfreundlicher Produkte, der Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung und geeigneter Hautschutzpräparate sind Ansatzpunkte, um die Belastung der Haut im Betrieb zu reduzieren. Das geht Hand in Hand mit den gesteckten Zielen von BBG und StBG, die das Bewusstsein für die Verhütung von Hautkrankheiten wecken bzw. schärfen wollen.

Damit unmittelbar verbunden sind auch die Verbesserung der Gefährdungsbeurteilung zu hautbelastenden Tätigkeiten und deren adäquate arbeitsplatzbezogene Umsetzung. Darüber hinaus soll die Bereitstellung von geeigneten Hautmitteln und Schutzhandschuhen speziell in den KMU-Betrieben erhöht und deren Benutzung vorangetrieben werden. Weniger berufsbedingte Hauterkrankungen durch Maßnahmen der Verhältnis- und Verhaltensprävention heißt die allgemeine Formel, die im Einklang mit den Mitgliedsbetrieben gelöst werden kann.

Das Angebot der Bergbau- und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

Auf der Grundlage der von der DGUV und einigen Dachorganisationen aus dem Bereich der Krankenversicherungen erarbeiteten Dachkampagne haben die Präventionsabteilungen von Bergbau-Berufsgenossenschaft und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit Fachleuten aus verschiedenen Mitgliedsbetrieben und Branchen der beiden Berufsgenossenschaften einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der während der zweijährigen Kampagnenlaufzeit umge-setzt werden soll. Ein den Bedürfnissen der kleinen, mittleren und großen Mitgliedsbetriebe aus den unterschiedlichen Branchen sowie der Bedeutung des Themas Hautschutz gerecht werdendes Konzept war somit von Beginn an sichergestellt. So wurde z.B. neben branchentypischen Motiven für Plakate und anderen Printmedien besonderer Wert auf ein mobiles und modulartig aufgebautes Ausstellungskonzept gelegt. Unabhängig von der Betriebsgröße und der Branche war es allen Gesprächspartnern ferner wichtig, dass neben grundsätzlichen Informationen zur Funktion und zum Aufbau der Haut die Aspekte der Hautreinigung und Hautpflege sowie des Hautschutzes angesprochen werden. Schließlich sollte das berufsgenossenschaftliche Angebot auch Hautbelastungen im privaten (Freizeit-) Bereich thematisieren.

Gefährungssituation bei der Betonherstellung
Gefährungssituation bei der Betonherstellung

Die Ausstellungskonzepte zur Hautkampagne von BBG und StBG

Entschließt sich ein Betrieb, z.B. anlässlich der Hautkampagne, das Thema Hand- und Hautschutz zum Schwerpunkt seiner aktuellen Präventionsarbeit zu machen, bieten BBG und StBG abgestimmt auf die Bedürfnisse von Groß-, Mittel- oder Kleinbetrieben Musterprogramme mit Einzelmaßnahmen und durchlaufenden Maßnahmen an.

Ein fester Bestandteil derartiger betrieblicher Aktionen während der gesamten Kampagnenlaufzeit und darüber hinaus waren bzw. sind die Ausstellung DEINE HAUT und das Hautmobil. Während die Ausstellung primär für mittlere und große Unternehmen gedacht ist, kommt das Hautmobil vor allem in die kleineren Betriebe. Das flexible Bausystem der Ausstellung gewährleistet dabei, dass eine Anpassung an nahezu alle örtlichen Gegebenheiten möglich ist. Egal wie die Entscheidung ausfällt, erfüllen beide Ausstellungskonzepte die mit den Mitgliedsbetrieben erörterten Anforderungen und bieten einen interessanten Überblick über das Thema.

In fünf Themenblöcken können sich die Besucher ein Bild von ihrer eigenen Haut machen und lernen, wie ihre Haut gesund bleibt. Im Einzelnen befassen sich die Besucher beim Rundgang unter der fachkundigen Führung eines Präventionsmitarbeiters zunächst mit dem Aufbau der Haut. Neben einem anschaulichen Hautmodell bietet sich an dieser Stelle die Gelegenheit, mit Hilfe einer speziellen Hautkamera die eigene Haut im Detail zu betrachten.

Anschließend stehen die Themen Handschutz und Hautschutz im Mittelpunkt des zweiten Themenblocks. Welche Handschuhtypen eignen sich bei welcher Belastung? Anhand ausgewählter Handschuhmodelle werden die unterschiedlichen Eigenschaften und Schutzmechanismen der marktüblichen Handschuhtypen gezeigt. Die im jeweiligen Unternehmen verfügbaren Modelle ergänzen die Ausstellung an dieser Stelle. Darüber hinaus steht die im Rahmen der Hautkampagne entworfene Handschuhdatenbank von BBG und StBG für weitere Informationen zur Verfügung (http://www.deinehaut-bg.de/hsd/03_handschuhdatenbank.asp). Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, wie die Mittel zum Schutz und zur Pflege der Haut richtig aufgetragen werden. Eine UVA-Lampe in Verbindung mit einem UVA-aktiven Hautmittel lässt die individuellen Gewohnheiten bei der Anwendung von Hautschutz-, Hautpflege- und Hautreinigungsmitteln sichtbar werden.

Waschen müssen wir uns alle. Trotzdem darf das Thema Hautreinigung weder in der großen noch in der kleineren Ausstellungsvariante fehlen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Auswahl des richtigen, d.h. in allen Fällen des möglichst hautschonenden Reinigungsmittels. Darüber hinaus widmet sich dieser Teil der Ausstellung dem Thema Prävention von Hautpilzerkrankungen, die insbesondere in Form von Fußpilzerkrankungen in vielen Mitgliedsbetrieben von BBG und StBG ein Problem darstellen. Das an fast allen Arbeitsplätzen obligatorische Tragen von Arbeitsschutzschuhen ist eine Ursache dafür.

„Pflegen Sie Ihr bestes Stück!“ heißt es schließlich im vierten Teil der Ausstellung. Und das ist auch bei den Beschäftigten im Bergbau und der Steine und Erden-Industrie nicht die Haut des eigenen Autos. Eine gesunde Haut braucht neben dem richtigen Schutz und einer sanften Reinigung auch die passende Pflege. Die Ausstellungsbetreuer geben auch hierzu detaillierte Informationen.

Anliegen der Ausstellung ist es aber auch, festzustellen, wie der jeweilige Betrieb mit dem Thema Hautschutz umgeht. Das Ausstellungskonzept ist so angelegt, dass stets ein Erfahrungsaustausch zwischen dem Ausstellungsmoderator und den Besuchern stattfindet. Eine ideale Station dafür ist das in die Ausstellung integrierte Zuordnungsspiel, in dem u.a. Fragen zur Gefährdungsbeurteilung, zu Betriebsanweisungen und Unterweisungen oder zur Rolle der Berufsgenossenschaften in der Prävention aufgegriffen werden.

„Pflegen Sie Ihr bestes Stück“ heißt es nicht allein am Arbeitsplatz. Dass der Hautschutz auch in der Freizeit eine Rolle spielt, wird zum Schluss der Ausstellung deutlich, wenn in einer kleinen Gartenlandschaft der Liegestuhl zum Ausruhen lockt.

Hautschutz ist auch in der Freizeit Thema
Hautschutz ist auch in der Freizeit Thema
Modell der menschlichen Haut
Modell der menschlichen Haut

Die Internetseite von BBG und StBG

Für weitergehende Informationen steht Interessierten eine Internetseite (www.deinehaut-bg.de) zur Verfügung, auf der BBG und StBG Informationen zu ihren Angeboten sowie Material z.B. zur Gefährdungsbeurteilung oder Hautschutzplänen eingestellt haben. Direkt über diese Webseite können dann Projektanfragen eingegeben sowie das Hautmobil, die Hautausstellung oder Schulungsunterlagen und Plakate angefordert werden.

Weiterhin werden detaillierte Informationen zu Hautschutz, -Pflege und -Reinigung inklusive Herstellerinformationen zu entsprechenden Produkten zur Verfügung gestellt.

Informationen auf der website www.deinehaut-bg.de
Informationen auf der website „www.deinehaut-bg.de“

Die Handschuhdatenbank

Für die kleinen und mittleren Betriebe, in denen immer wieder die Frage nach dem richtigen Handschuh auftrat, haben BBG und StBG eine Handschuhdatenbank entwickelt, die im Internet und als CD-ROM zur Verfügung steht. Hier werden, ausgehend von verschiedenen Branchen und Tätigkeiten, die jeweils zu empfehlenden Handschuhe detailliert vorgestellt. Es müssen nur die Branche und die jeweilige Tätigkeit eingegeben werden; die passenden Handschuhe unterschiedlicher Hersteller werden dann angezeigt.

Schutzhandschuhe – auf die richtige Wahl kommt es an
Schutzhandschuhe – auf die richtige Wahl kommt es an

DVD-Gesundheitsmagazin „Fit für Job und Leben“

Ein weiteres Medium, das den Mitgliedsbetrieben zur Verfügung gestellt wird, ist das zweimal jährlich herausgegebene DVD-Gesundheitsmagazin „Fit für Job und Leben“. Vorgestellt werden „Good Practice“-Beispiele von Hautschutzprojekten aus Mitgliedsbetrieben, die sich intensiv mit der Problematik Haut und Hautschutz auseinandergesetzt haben und beispielhafte Lösungen vorstellen.

Ausschnitt der DVD
DVD-Gesundheitsmagazin zum Thema Haut

Seminare zum Thema Haut

Einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung von Informationen zum Thema Haut haben die von BBG und StBG durchgeführten Seminare. Seien es die Unternehmerseminare im Rahmen des Unternehmermodells der StBG, Seminare für Meister der Steine und Erden-Industrie oder für Sicherheitsbeauftragte: das Thema Haut hat einen festen Platz bei allen Veranstaltungen. Der Aufbau und die Funktion der Haut werden dabei ebenso erläutert wie die Möglichkeiten des Hautschutzes, der Hautpflege- und Reinigung. Als unverzichtbare Maßnahme wird die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung auch im Hinblick auf mögliche Hautbelastungen betont.

DEINE HAUT vor Ort! Mit dem Hautmobil unterwegs

Von Hamm über Dortmund nach Duisburg, von Cottbus nach Senftenberg, Ronneburg und Chemnitz, von West nach Ost, vom Norden in den Süden Deutschlands bis nach Bad Reichenhall. Das differenzierte Ausstellungskonzept von BBG und StBG für Groß- und KMU-Betriebe hat seine Flexibilität unter Beweis gestellt. Während der zweijährigen Kampagnenlaufzeit wurden so mehr als 10.000 Versicherte in etwa 200 Mitgliedsbetrieben unmittelbar erreicht und in persönlichen Gesprächen und Beratungen für das Thema Hautschutz sensibilisiert.

Darüber hinaus kamen sowohl die Hautausstellung als auch das Hautmobil, z.B. bei Veranstaltungen des VDSI oder verschiedener Branchenverbände und Innungen, zum Einsatz. Ein Großteil der Betriebe, die in der Regel dem Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zuzuordnen waren, wurde mit dem Hautmobil erreicht.

Christian van den Berg (BBG), Matthias Bradatsch (StBG)

Das Hautmobil besuchte einen Großteil der Betriebe der StBG
Das Hautmobil besuchte einen Großteil der Betriebe der StBG
Beratung im Hautmobil
Beratung im Hautmobil