Lokomotive Bauma 2010

Wolfgang Pichl

Das Tal ist tief, durch das die Baumaschinenindustrie zur Zeit weltweit fährt. Zugegeben, das Umsatz- und Produktionsniveau vor Beginn der Weltwirtschaftskrise war hoch, sehr hoch. Jedoch war die Expressfahrt ins Tal in Bezug auf Schnelligkeit und Rückgang wichtiger wirtschaftlicher Kennzahlen in der rund 150-jährigen Geschichte der Baumaschinenindustrie einzigartig.

Der Umsatz der deutschen Bau- und Baustoffmaschinenhersteller ist 2009 um zirka 45 Prozent eingebrochen und die Auftragseingänge sanken um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weitere Zahlen machen die weltweite Krise der Bauwirtschaft deutlich: So schrumpfte dieser Markt in Russland um 8,4 Prozent, in den USA sogar um 12,7 Prozent. Der Euroraum wies einen vergleichsweise niedrigen Rückgang von 6,5 Prozent auf. Allerdings spiegelt diese Zahl noch nicht die Dramatik in einigen dieser Länder wieder. Die Bauwirtschaft musste in Großbritannien und Spanien ein Minus von rund 13  Prozent, in Irland sogar um die 32 Prozent hinnehmen. Der wenig dynamische deutsche Markt konnte sich mit einem Rückgang von nur 4 Prozent noch gut behaupten.

Alles in allem keine guten Vorzeichen für die Bauma? Ich meine, nicht!

Die Bauma sendet – allen Entwicklungen zum Trotz – ein positives Signal. Sie ist ausgebucht. Die 29. internationale Fachmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte hat nochmals an Ausstellungsfläche zugelegt. Sie wird nun 555.000 Quadratmeter belegen. Es werden 3.000 Aussteller aus 49 Ländern und mehr als 500.000 Besucher aus 191 Ländern erwartet. Die Prognosen liegen auf dem Niveau von vor drei Jahren, sogar leicht darüber.

Es wird interessant sein, zu beobachten, welche Antworten die Hersteller auf die Wirtschaftskrise haben. Fachleute erwarten viele Innovationen. Schließlich sagt der Volksmund nicht ohne Grund: Not macht erfinderisch. Ohne Zweifel wird die Bauma 2010 wie kaum eine andere Messe in ihrer 56-jährigen Geschichte ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung in der Branche sein.

Die Branchen Baustoffe – Steine – Erden und Bergbau der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie sind traditionell auf der Bauma vertreten. Gemeinsam mit zwei weiteren Berufsgenossenschaften und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat wird auf dem Stand 206/207 in Halle B5 unter anderem die unter dem Slogan „Risiko raus!“ zusammengefasste Kampagne zum sicheren Fahren und Transportieren vorgestellt.

Mit rund 230.000 Arbeitsunfällen – davon 150 tödlich – ist dies ein Unfallschwerpunkt bei der gesetzlichen Unfallversicherung. Welchen Beitrag zur Senkung dieser Unfallzahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Unterstützung der Berufsgenossenschaft leisten können, darüber informieren Exponate und Aktionen auf dem Gemeinschaftsstand.

Für wirtschaftlichen Erfolg und Erfolg im Arbeitsschutz ist neben harter Arbeit eine positive Stimmung unerlässlich. Ich bin davon überzeugt: Die Messe leistet hierzu ihren Beitrag. Die Lokomotive Bauma 2010 wird den am Talausgang stehenden Zug in Bewegung setzen. Sicherlich, noch weiß keiner, mit welcher Steigung die nächste Wegstrecke aufwartet und welches Niveau erreicht wird.

Hier darf man keine Wunder erwarten. Aber immerhin stehen die Signale auf Grün, der Zug setzt sich in Bewegung und nimmt Fahrt auf.

Ich wünsche Ihnen informative und erfolgreiche Tage auf der Bauma. Und das, wie bei den vorigen Veranstaltungen auch, unter einem strahlenden weiß-blauen Himmel.

 

Ihr
Dipl.-Ing. Wolfgang Pichl