54. BetonTage Ulm: Bessere Zusammenarbeit mit Universitäten gefordert

Vor dem Hintergrund eines Umsatzrückgangs von 10 Prozent im Jahr 2009 informierte sich die deutsche Beton- und Fertigteilindustrie während der 54. Ulmer BetonTage über neue Zukunftsperspektiven. Zu Europas größtem Fachkongress der Branche kamen mehr als 2000 Teilnehmer aus 23 Nationen. Ein Schwerpunkt war das Thema „Nachhaltig Bauen mit Beton“, das Gastland war in diesem Jahr Frankreich.

Wie der Bundesverband Betonbauteile Deutschland (BDB) mitteilte, sind die Erlöse im vergangenen Jahr von rund 4,6 auf 4,2 Milliarden Euro zurückgegangen. „Da die Konjunkturprogramme einseitig nur die energetische Sanierung von Bestandsbauten fördern, konnten die Hersteller von konstruktiven Betonbauteilen, deren Produkte vor allem für den Neu- und Erweiterungsbau eingesetzt werden, nur geringfügig von den aktuellen Konjunkturprogrammen profitieren“, sagte Eberhard Bauer, Präsident des BDB.

Zukunftsthema Nachhaltigkeit

Erstmals wurden in Ulm die Ergebnisse des Verbundforschungsvorhabens „Nachhaltig Bauen mit Beton“ des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) der Öffentlichkeit präsentiert. Prof. Carl-Alexander Graubner von der Technischen Universität Darmstadt stellte das  Projekt vor.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden auf vorhandenen Bewertungssystemen beruhende Kriterien für ein exemplarisches innerstädtisches Bürogebäude mit Tiefgarage ausgewertet, um den Anteil des Betonbaus an der Nachhaltigkeitsbeurteilung herauszuarbeiten. „60 bis 70 Prozent werden hier durch die Art der Betonbauweise beeinflusst“, sagte Graubner. Bei der Annahme eines 100-jährigen Lebenszyklus mit Umnutzung von Büros zu Wohnungen liegt beispielsweise eine flexible Gebäudestruktur gemessen an den Kohlendioxidemissionen deutlich unter der Standardkonstruktion. Auch über die Entwicklung neuartiger Betone müsste in diesem Zusammenhang nachgedacht werden, so der Professor.

Dr. Ulrich Lotz, BDB Vorstandsmitglied, machte in diesem Zusammenhang auf ein Nachholbedürfnis der Betonfertigteilindustrie aufmerksam: „Für die Forschung sollten sich mehr innovative Unternehmer  mit den Universitäten zusammentun.“

Wieder mehr Bauingenieure

Von den Universitäten und Fachhochschulen kommen erfreuliche Zahlen für die Branche: „Die Zahl der Studienanfänger im Bauingenieurwesen hat sich jetzt bundesweit wieder verdoppelt“, berichtete Prof. Carl-Alexander Graubner. Um Arbeitsplätze müssten sie sich trotz Krise keine Sorgen machen: „Sie ersetzen gerade mal die Abgänge.“ Weitere Podiumsthemen in Ulm waren innovative Lösungen für den konstruktiven Fertigteilbau sowie die Auswirkungen der neuen DIN EN 13670 und des Eurocodes 2 auf das Bauen mit Betonfertigteilen, „Straßen-, Landschafts- und Gartenbau“ für die Hersteller von Betonwaren sowie  „Wirtschaft und Recht“.

Innovationspreis verliehen

Ihre Hausaufgaben gemacht haben die Gewinner des Innovationspreises der Zulieferindustrie Betonbauteile. Die Prinzing GmbH und die Schöck Bauteile GmbH erhielten den Preis für ihre Neuentwicklungen. Schöck gewann den Preis in der Kategorie Bewehrungs- und Befestigungstechnik für den Combar Thermoanker. Dieser Bewehrungsstab aus glasfaserverstärktem Kunststoff bietet einzigartige Vorteile gegenüber Stahl. Er ist korrosionsbeständig, leicht zu schneiden und hat eine außerordentlich geringe Wärmeleitfähigkeit. Er ist damit eine wirtschaftliche, wärmebrückenfreie Alternative zu herkömmlichen Ankerlösungen für Hohl- und Sandwichwände.

Die Prinzig GmbH entwickelte die neue Fertigungsanlage Primuss, die monolithische Schachtunterteile herstellt. Sie erlaubt jedwede Gerinnegeometrie und Anschlussmöglichkeiten, weist gleichförmige Kreisbögen der Gerinne auf und bietet dadurch hervorragende Fließeigenschaften. Die gewünschten Parameter der Schachtunterteile werden bei der Bestellung erfasst und dem Fräsroboter übermittelt. Fehler in der Fertigung sind damit ausgeschlossen.

Einen Überblick über Neuentwicklungen im Bereich der Maschinen-, Software- und Zulieferindustrie bot die begleitende Ausstellung. Sie war mit 150 Ausstellern bereits im August vorigen Jahres ausgebucht.

www.betoninfo.de
www.betonservice.de

Alice Becke (links) und Anja Muschelknautz
Geschäftsführerwechsel beim BDB: Vom 1. April 2010 an stellen Alice Becke (links) und Anja Muschelknautz die neue hauptamtliche Geschäftsführung des Bundesverbands Betonbauteile Deutschland (BDB). Sie treten damit die Nachfolge von Hans-Jürgen Günther und Dr. Ulrich Lotz, (Geschäftsführende Vorstandsmitglieder) und Dietmar Ulonska an.
Der Informationsstand der BG RCI in Ulm.
Der Informationsstand der BG RCI in Ulm.