Arbeitssicherheit

BG RCI vergibt Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit 2012

„Sicherheit trifft Discoveranstaltung“ gewinnt

In Zeiten einer „biologischen und medizinischen Veränderung einer Gesellschaft“, wie es Frank Schirrmacher formulierte, wird auch der kürzlich vergebene Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit der BG RCI immer wichtiger. Der mit 100.000 Euro höchst dotierte Arbeitsschutzpreis Deutschlands wurde Ende März in der Alten Oper in Frankfurt/Main verliehen.

Preisträger
Die Preisträger des gemeinsamen BG RCI-Förderpreises „Neu im Betrieb”: Norbert Mülhaupt, Rolf Herzog, Dr. Eberhard Rohbock (Laudator), Sherina Baumgartner, Hermann Becker von der Evonik Industries, Rheinfelden (von links). // Fotos (2): Plöger, BG RCI

Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler und Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, begleiteten als Gastredner die Übergabe der 18 Förder- und Sonderpreise. Der demografische Wandel der Arbeitswelt gab einigen der 42 Preisträgern den Anstoß zu ihren Ideen für eine sichere und gesunde Arbeitswelt und war  auch Thema der Pressekonferenz.

Insgesamt nahmen am 15. Wettbewerb 913 Frauen und Männer mit 370 Beiträgen teil.

So ging der branchenübergreifende Förderpreis für die innovativste betriebliche Umsetzung des Themas „Neu im Betrieb“  an Beschäftigte der Evonik Industries AG für ihren „Safety Dance – Sicherheit trifft Discoveranstaltung“. Bei einer betrieblichen Discoveranstaltung werden die Auszubildenden und jungen Erwachsenen spielerisch an das Thema Arbeitsschutz herangeführt.

Mitarbeiter der Wintershall Holding GmbH überzeugten die Jury mit ihrem „Ein-Mann-Transportsystem“ für Gasflaschen. Diese kombinierte Halte-, Verlade- und Transporteinrichtung für Druckgasflaschen auf Kraftfahrzeugen erleichtert das Auf- und Abladen. Gerade auch für ältere Mitarbeiter. Dafür wurde der Förderpreis der Branche Baustoffe - Steine - Erden verliehen.

Optimierte Arbeitssicherheit sorgt für eine Imageverbesserung der Firmen in der Öffentlichkeit, steigert die Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten, die Betriebskultur. Sie sorgt für die Reduzierung von Ausfallzeiten und Betriebsstörungen. „In einem knapper werdenden Arbeitsmarkt werden sich die Menschen die Betriebe aussuchen, die nicht mit negativen Schlagzeilen über Unfälle in den Medien stehen“, sagte Hans Paul Frey, Vorsitzender des Vorstands der BG RCI, vor Journalisten in Frankfurt. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie man den Arbeitsablauf auch für 62- bis 67-jährige unfallfrei gestalten kann.“ Es müssten konkrete, neue Bedürfnisse befriedigt werden.

Frank Schirrmacher pflichtete in seiner Rede dieser Neuorientierung bei: „Wir behandeln unsere ältere Generation wie zu Zeiten Bismarcks; wer alt ist, taugt nichts mehr.“ Dabei habe Deutschland in ein paar Jahren mit den Jahrgängen des Babybooms um 1964 die „bestausgebildeten Alten, die wir je hatten“.

Dr. Frank Schirrmacher
Der Förderpreis ist „gelebte Basisdemokratie“: Dr. Frank Schirrmacher, Journalist und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dieses Potenzial zu verschleudern, wäre eine Sünde. Arbeitssicherheit kann nicht verordnet werden, sondern Menschen entscheiden über Erfolg oder Nichterfolg. Das ist seit langem ein Credo der Prävention in der BG RCI. „In modernen, innovativen Unternehmen wird wieder der Mensch im Mittelpunkt stehen“, bestätigte Ministerin Dorothea Henzler in ihrer Rede diesen Ansatz. Die Ausschreibung habe gezeigt, dass die Beiträge zwar branchenbezogen eingereicht wurden, aber in sehr vielen Unternehmen eingesetzt werden könnten, sagte Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI, während der Pressekonferenz. Das sei die Idee des Förderpreises – und die eines am Gemeinwohl orientierten Denkens.

Frank Schirrmacher knüpfte an diesen Gedanken an. Zum Begriff der Liquid Democracy, der Idee, die Entscheidungsfindung in einem demokratischen Gemeinwesen flüssiger, transparenter und flexibler zu gestalten, zog er einen für die BG RCI schmeichelhaften Vergleich: „Sie waren damit früher da als die Piratenpartei, Ihr Preis ist ein Beispiel.“

Durchlässigkeit in der Anwendung forderte Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI, auch für die Ideen zum Arbeitssicherheitsmanagement und Gesundheitsschutz, die in finanz- und personalstarken großen Mitgliedsunternehmen entwickelt wurden: „Sie müssen nur auf die betrieblichen Voraussetzungen adaptiert werden – das Prinzip kann dann ebenso dem Mittelstand bei der Problemlösung helfen. Denn wir sind ja eine große Solidargemeinschaft.“

Zusammenfassend kommentierte Publizist Frank Schirrmacher mit einem Augenzwinkern die Kooperation von Alt und Jung, von etablierten Sicherungssystemen und im Aufbau befindlichen: „Hier ist mit Deutschland der demografisch älteste Staat Europas im Saal und einer der jüngsten und produktivsten Südostasiens, und wir arbeiten zusammen“, sagte er. „Ich finde es für die Zukunft beruhigend, dass zu so einem Anlass eine Delegation aus Vietnam anwesend ist.“

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Gespräch
Der stellvertrenden Direktor der Behörde für Arbeitssicherheit und Gesundheitschutz Vietnams, Vu Nhu Van, Theodor Bülhoff, Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI, die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler, Hans Paul Frey, Vorsitzender des Vorstands der BG RCI, Dolmetscher Hoang Tuan Anh und Matthias Stenzel, BG RCI, im Gespräch vor der Preisverleihung (von links). // Foto: Nierzwicki, BG RCI
 
Weitere Informationen

Förderpreis-Logo

Alle zur Nachahmung empfohlenen Beiträge und Fotos von der Verleihung sind sofort abrufbar unter www.bgrci-foerderpreis.de

Im BG RCI-Magazin und in der Steine+Erden werden die zur Nachahmung empfohlenen Lösungen demnächst ausführlich vorgestellt.