Arbeitssicherheit

Wie machen es die Besten im Arbeitsschutz? Kanadisches Institut untersucht Erfolgsfaktoren

Was wurde geändert, wer hat es initiiert, wer treibt den Fortschritt voran? Das kanadische „Institute for Work & Health“ (IWH) untersucht derzeit Unternehmen, die besonders gute Ergebnisse im Arbeitsschutz aufweisen und ihre Prozesse, die den „breakthrough change“, den durchbrechenden Wandel, bewirkt haben.

Eines der ersten Ergebnisse zeigt, dass große Verbesserungen in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz durch engagierte Arbeitsschützer und Gremien innerhalb von Unternehmen nennenswert vorangetrieben werden können – wie Fachkräften für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutzausschüssen, die sich aus der Belegschaft zusammensetzen.

“Während die Unterstützung des Managements durchaus wichtig ist, zeigen unsere Erkenntnisse, dass große Verbesserungen häufig nicht ‘von oben nach unten’ initiiert werden“, sagt die IWH-Wissenschaftlerin Lynda Robson, leitende Forscherin in dieser Studie. „Ein unternehmensinterner Verfechter aus der Belegschaft kann die treibende Kraft sein. Das ist eine spannende Erkenntnis, denn es erweitert die Möglichkeiten, welche Akteure den Wandel in Organisationen voranbringen können.“

Klare Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr im Werk
Klare Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr im Werk: Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsschutzausschüsse haben nach den Erkenntnissen der kanadischen Forscher den größten Einfluss auf sichere Arbeitsplätze.

Studie untersucht Wandel in Arbeitsschutzleistung

Die bisherige Forschung identifizierte nach Ansicht des IWH die Charakteristika von Unternehmen, die besonders schlecht oder besonders gut in der Prävention von Arbeitsunfällen und Gesundheitsgefahren aufgestellt sind – nicht aber die Faktoren, die den Wandel vom einen Extrem zum anderen ermöglichen. „Wir wollten diese Lücke erforschen und auf den Veränderungsprozess fokussieren“, berichtet Robson.

Im ersten Schritt ermittelte das Institut Arbeitsplätze, die den „breakthrough change” durchlaufen haben – diesen definiert die Studie als große und beabsichtigte Fortschritte in der Unfall- und Erkrankungsprävention auf Unternehmensebene. Mit Hilfe von zwei kanadischen Arbeitsschutzinstitutionen, den Workplace Safety and Prevention Services und der Public Services Health and Safety Association, erhielten die Forscher Zugang zu zwölf Unternehmen, denen zwischen 1998 und 2008 eine positive Veränderung im Sinne der Studiendefinition gelang.

Bisher identifizierten die Forscher die folgenden Erfolgsfaktoren in der Charakteristik dieser Unternehmen: Mehrfache Intervention ist notwendig. Alle untersuchten Unternehmen führten zwischen sechs und zwölf klare Veränderungen parallel ein, die zum Wandel beitrugen.

Dies bestätigt, so Robson, dass es nicht das eine pauschale Instrument gibt, das universell erfolgreich ist: „Im Hinblick auf die komplexe Natur der Arbeitsumgebung ist dies nicht überraschend. Arbeitsplätze sind in Systeme eingebunden. Sie können nicht erwarten, ein einzelnes Element zu ändern und damit systemweite Veränderungen zu erreichen.“

Unter den Veränderungen, die bei den untersuchten Unternehmen vorgenommen wurden, traten diese am häufigsten auf:

Das Präventionssystem kann Veränderungen anregen. Zum Auslöser der Veränderungen befragt, wurde am häufig­sten (von einem Drittel der Befragten) die Intervention des kanadischen Präventionssystems genannt: die Überwachungsbehörde des Arbeitsministeriums (Ministry of Labour enforcement), Audits des Unfallversicherers (Workplace Safety and Insurance Board Workwell audit) und weiterer Arbeitsschutzinstitutionen.

Unterstützer im mittleren Management können Veränderungen intern vorantreiben. Nach den Initiatoren der Veränderungen innerhalb des Unternehmens befragt, nannte lediglich ein Sechstel das Topmanagement. Die Mehrheit, ein Drittel der Befragten, nannte interne Akteure wie Sicherheitsfachkräfte oder Mitglieder des Arbeitsschutzausschusses.

“Das Management sollte den Mitarbeitern ausreichende Zeit einräumen, um sich mit dem Arbeitsschutz zu befassen”, erläutert Robson. „Aber es sieht nicht danach aus, dass die Unternehmensleitung den Wandel vorantreiben muss. Allem Anschein nach kann das mittlere Management große Schritte bewirken.“

Nächster Schritt: das „Wie”

Im nächsten Schritt der Studie untersuchen Robson und ihr Team vier Unternehmen intensiv um herauszufinden, wie positive Veränderungen herbeigeführt wurden. Die Ergebnisse der zweiten Studienphase werden für 2013 erwartet.

Quelle: At Work, Issue 70, Fall 2012: Institute for Work & Health, Toronto

Anlage
Unternehmen mit besonders großen Fortschritten im Arbeitsschutz investieren auch in sichere und ergonomische Maschinen und Anlagen, erkannte das kanadische Institut IWH.
 
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