AV ade?

Wolfgang Pichl

Hinter dieser etwas merkwürdigen Überschrift verbirgt sich die Frage, wie arbeitsmedizinische Vorsorge in der betrieblichen Praxis künftig umgesetzt wird. Zum 01. November 2013 ist nämlich eine neue Fassung der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbmedVV) in Kraft getreten, die in den Unternehmen, bei den Betriebsärzten und den Berufsgenossenschaften zu intensiven Diskussionen geführt hat. Über wichtige Neuerungen dieser Verordnung werden wir Sie in einer unserer kommenden Ausgaben ausführlich informieren.

Auch wenn es sich bei dem im Herbst letzten Jahres verabschiedeten neuen Verordnungstext auf den ersten Blick nur um Klarstellungen handelt, hat sich doch sein Tenor deutlich verändert. Auffälligste Neuerung ist der Ersatz des Begriffes „Vorsorgeuntersuchung“ durch den Begriff „Vorsorge“: Zur arbeitsmedizinischen Vorsorge gehört also nicht mehr zwingend eine Untersuchung, die Beschäftigte im Übrigen auch ohne weiteres ablehnen können. Auch wird es bei der für Unternehmen verbindlichen Pflichtvorsorge keine an den Unternehmer gerichtete Mitteilung im Sinne von „gesundheitliche Bedenken“, oder „keine gesundheitlichen Bedenken“ mehr geben.

Die jetzt erstellte Bescheinigung zu Pflicht-, Angebots- oder Wunschvorsorge enthält nur noch die Information, dass, wann und aus welchem Anlass eine Vorsorge stattgefunden hat sowie das Datum der nächsten Vorsorge. Damit will der Verordnungsgeber deutlich machen, dass sich die arbeitsmedizinische Vorsorge grundsätzlich von den Untersuchungen zu unterscheiden hat, die prüfen, ob sich eine Person für ihren Beruf gesundheitlich eignet. Eine klare Trennung, die in der betrieblichen Praxis häufig Kopfschütteln auslöst – als einer von derzeit viel diskutierten Punkten.

In der Prävention unserer Branche spielt die arbeitsmedizinische Vorsorge seit jeher eine wichtige Rolle. Und das aus gutem Grund: Beispielsweise Lärm oder quarzhaltiger Staub belasten die Gesundheit und verursachen eben auch oft  Berufskrankheiten. Bei der Prävention unterstützen wir die Mitgliedsunternehmen mit mobilen Untersuchungseinheiten (Audiomobil und Röntgenmobil), aber auch organisatorisch und finanziell. Eine besondere Dienstleistung – innerhalb der BG RCI wie auch unter allen Unfallversicherungsträgern. Die wir allerdings überarbeiten und den neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen, um eine gute Balance zwischen Anforderungen und Interessen beizubehalten.

Im Laufe des Jahres wird die BG RCI in enger Abstimmung mit den Selbstverwaltungsgremien ein Konzept dazu entwickeln. Dabei wird es sicher nicht darum gehen, sich von der arbeitsmedizinischen Vorsorge zu verabschieden. Die Herausforderung wird vielmehr darin bestehen, die Vorgaben des Verordnungsgebers so in die Praxis umzusetzen, dass die arbeitsmedizinische Vorsorge auch künftig einen wichtigen Beitrag für erfolgreichen Arbeitsschutz in den Unternehmen leistet.

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