Technik

Beim Bau im Allgäu kommen Helikopter zum Einsatz

Beton im Anflug

Der Beton für die Fundamente entlegener Strommasten wird im Allgäu per Helikopter transportiert. Aktuell baut die Allgäuer Überlandwerk GmbH 102 neue Masten und kommt damit ihrem Ziel, bereits bis 2020 fast die Hälfte der 100.000 Kunden mit „grünem“ Strom zu versorgen, wieder ein Stück näher.

Der umfassende Ausbau der Infrastruktur für die Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Strom muss etwa von Windanlagen im Norden bis ins Alpenvorland gelangen. Für den Bau erdverlegter Starkstromtrassen oder die dauerhafte Verfüllung von Erdsonden für Geothermie hat die HeidelbergCement AG mit PowerCrete, ThermoCem und CableCem hochwärmeleitfähige Spezialbaustoffe entwickelt, mit denen die Verlegung effizienter und damit auch wirtschaftlicher wird. Auch das Allgäuer Überlandwerk, AÜW, baut den Einsatz regenerativer Energien wie Wind- und Wasserkraft aus.

Beim Ausbau der Netze muss der Strom im Allgäu oft durch unzugängliche Bergtäler geführt werden. In der Ebene nutzt das Unternehmen bereits eine Trasse von Kempten bis ins Kleinwalsertal. Für einen Abzweig ins Westallgäu werden nun bis 2014 insgesamt 102 neue Strommasten gesetzt.

Mann auf Baustelle, oben ein Hubschrauber mit hängendem Kübel
An der sogenannten festen Baustelle wird mit zwei Kübeln gearbeitet, die abwechselnd befüllt werden. So bleibt der Hubschrauber kontinuierlich im Einsatz. // Bildquelle: HeidelbergCement/Fuchs

Keine alltägliche Aufgabe

Am Steigbach zwischen Immenstadt und Oberstaufen beispielsweise ist der Bau der Masten eine besondere Herausforderung. Rund 30 der für dieses Jahr geplanten 53 Strommasten stehen an für Lastwagen unerreichbaren Standorten. Die Anlieferung aller Baumaterialien muss hier auf abenteuerliche Weise über den Luftweg erfolgen.  Den Beton für die massiven 10 bis 30 Kubikmeter großen Fundamente von insgesamt 102 Strommasten produziert Wolfgang Schwarz, Mischmeister vom Betonwerk TB Jörg/Kutter in Immenstadt, mit Zement vom Lieferwerk Schelklingen der HeidelbergCement AG.

Er koordiniert alle Abläufe, bevor er seinen Beton für den schwierigen Einbau auf die Flugreise schickt. Beton zu mischen ist das tägliche Geschäft von Wolfgang Schwarz.

Der Hubschrauber bringt den leeren Betonkübel zum Fahrmischer und holt einen bereits gefüllten Kübel wieder ab.
Der Hubschrauber bringt den leeren Betonkübel zum Fahrmischer und holt einen bereits gefüllten Kübel wieder ab.

Präzision und Konzentration sind gefragt

Der Einbau via Hubschrauber erfordert von allen Beteiligten  

erhöhte Aufmerksamkeit und erfolgt immer unter höchster Anspannung. Denn die Arbeit, das Wechseln und Befüllen der Kübel, die Anlieferung und der Einbau am jeweiligen Standort erfolgt bei laufenden Rotorenblättern - eine nicht ungefährliche Sache. Der Pilot vom österreichischen Unternehmen Wucherer Helikopter muss den Hubschrauber über dem Fahrmischer ruhig in der Luft halten, wenn die Mannschaft unten 350 Liter oder 0,35 Kubikmeter Beton in den Kübel fließen lässt. Dieser baumelt an einem 40 Meter langen Seil unter dem Hubschrauber. Am Ausgangsort, der sogenannten festen Baustelle, wird mit zwei Fahrmischern und zwei Kübeln abwechselnd gearbeitet. „Fliegt ein Betonkübel davon, wird der nächste gefüllt, immer kontinuierlich, sodass der Beton schnellstmöglich an seinen Einbauort gelangt“, schildert Wolfgang Schwarz den genau abgestimmten Ablauf. Pro Fundament werden rund zehn Kubikmeter Beton gebraucht. Der Pilot muss also den schwer zugänglichen Standort im Wald, Tal oder am Berg rund 30 Mal anfliegen.

Vor Ort das gleiche Spiel: Höchste Aufmerksamkeit der drei bis vier Mitarbeiter des Familienunternehmens Albin Schmitt, die im Auftrag der LTB Leitungsbau Süd die Erd- und Betonarbeiten ausführen. Wenn der gefüllte Kübel angeflogen kommt und entsprechend platziert ist, muss es mit dem Entleeren schnell gehen, damit der Pilot wieder an Höhe gewinnen kann.

Beim Befüllen am Fahrmischer koordiniert ein Mitarbeiter des Helikopter-Unternehmens den Abflug und die Menge des Materials, das der Hubschrauber jeweils transportieren kann.

53 Masten wurden 2013 erstellt, im neuen Jahr geht es weiter Richtung Westen, es stehen weitere 49 auf dem Programm. 

Der gefüllte Betonkübel wird vom Piloten punktgenau über die Einbaustelle geflogen.
Der gefüllte Betonkübel wird vom Piloten punktgenau über die Einbaustelle geflogen.
 
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