Technik

BetonTage 2014

Nähe ist gut fürs Geschäft

Vom 18. bis 20. Februar fanden in Neu-Ulm die Betontage 2014 statt. Auf der Messe der Betonfertigteilbranche herrschte nach Jahren der Flaute endlich wieder gute Stimmung. Für die meisten Aussteller war die Messe wie  jedes Jahr ein Pflichttermin zur Kontaktpflege.

„Die Betontage sind ein Fixpunkt im Jahr, man muss einfach hier sein“, sagte Günter Adler, Chef der Firma bauBIT aus Österreich, und verteilte munter Mozartkugeln unter den Besuchern. „Es geht hier ums Sehen und Gesehenwerden.“  Die jährliche Messe der Betonfertigteilbranche in Neu-Ulm fand vom 18. bis 20. Februar statt. Wie Adler waren etwa 160 Aussteller aus 23 Nationen an die Donau gekommen, um ihre Produkte zu präsentieren – und vor allem auch, um Kontakte zu pflegen.

„Wir kommen immer wieder her, um unsere Bestandskunden zu treffen“, sagte Yvonne Günther aus dem Vertrieb von Form & Test. „Das ist eine gute Gelegenheit, die Leute einmal persönlich kennen zu lernen.“ Heribert Smitz von MAX freute sich sogar über ganz gezieltes Kundenfeedback für seine Bindegeräte. Es gebe viel Lob – aber besonders interessant seien für ihn die Kunden, die etwas zu bemängeln hätten: „Ich will dann wissen, warum. Nur so können wir die Unzufriedenheit abstellen.“  Diese Nähe zum Endkunden sei für die Firma enorm wichtig.

Es geht wieder aufwärts

Im Edwin-Scharff-Haus mit Blick über die Donau auf die Ulmer Altstadt herrschte gute Stimmung. Die Konjunkturkrise der Baubranche der letzten Jahre scheint sich 2014 zumindest abzumildern. So rechnet der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) für 2014 mit einem Anstieg der Baustoffproduktion um etwa drei Prozent. Geschäftsführer Dr. Matthias Frederichs begründete diese positiven Aussichten mit den güns­tigen Kreditmarktzinsen, gestiegener Zuwanderung und einem hohen Interesse von Kapitalanlegern, das den privaten Wohnungsbau ankurbelt.  Auch im öffentlichen Bereich sieht der Verband Zuwächse. Während der Wirtschaftsbau von der erholten Konjunktur profitiere, könne auch der Straßenbau laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung mit Investitionen rechnen.

Und das kommt auch bei den Ausstellern an. „Wir haben gut zu tun“, sagte Mathias Biermann, Geschäftsführer von  RWEV. Die Firma stellt Verschleißteile für Mischtechnik her. Wenn es hier gut läuft, kann das nur ein gutes Zeichen sein – denn „wenn nichts produziert wird, verschleißt ja auch nichts“, sagte Biermann mit einem Augenzwinkern.

Beim Baumaschinenhersteller Liebherr sei die Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre deutlich spürbar gewesen, sagte Verkaufsingenieur Karl-Anton Köberle. „Das war ein echter Umsatzeinbruch, den wir auch noch nicht ganz kompensiert haben.“ Dass es langsam besser wird, hänge auch mit der internationalen Ausrichtung des Unternehmens zusammen. „Wir versuchen, vom weltweiten Kuchen etwas mitzunehmen“, sagte Köberle. Das große Interesse an seinem Stand zeigte aber, dass auch der deutsche Markt wieder anzieht.

Viele Highlights im Rahmenprogramm

Neben der Kontaktpflege konnten die knapp 2.000 Besucher der Messe auch viel über neue Technologien, Richtlinien und Produkte lernen.  Auf 13 Podien sprachen 90 Referenten über Themen wie Forschung, Recht und Anwendungsbeispiele. So referierte etwa Dietmar Ulonska vom Betonverband Straße, Landschaft, Garten über die Probleme der Marktüberwachung mit oftmals fehlenden Leistungserklärungen. Antonio Caballero González vom ECSPA (European Calcium Silicate Producers Association) warb daraufhin für das neue System DOP CAP, mit dem Leistungserklärungen online zur Verfügung gestellt werden können.  Je breiter die Nutzung des neuen Systems, desto breiter auch die Akzeptanz, so hoffte Gonzáles. Vorteile: Durch die Digitalisierung könnten keine Papiere mehr auf dem Transportweg verloren gehen, eine eindeutige DOP CAP-Nummer ersetze zudem die verschiedenen Serien- und Chargennummern. Insgesamt müssten Hersteller sich um weniger Formalitäten kümmern.

Im neu aufgestellten Podium „Energiegewinnung und Klimaschutz“ erläuterte Professor Harald Garrecht von der Universität Stuttgart eine komplett thermisch aktivierte Maschinenhalle, die derzeit zu Forschungszwecken konstruiert wird. Alle Wand- und Deckenbauteile seien mit Kapillarrohrmatten versehen. Damit hofft man, sowohl beim Kühlen im Sommer als auch beim Heizen im Winter auf fossile Brennstoffe weitgehend verzichten zu können. Erste Ergebnisse der Studie werden im Sommer erwartet.

Christof Karlstetter vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik stellte eine neue Methode vor, mit der Altbeton durch elektrische Impulse so exakt aufgetrennt werden kann, dass der Zuschlag von Zementresten völlig befreit werden und somit wiederverwendet werden kann. Energieverbrauch und Verarbeitungsgeschwindigkeit sind dabei schon auf einem praktisch einsetzbaren Niveau.

Auch der Praktiker-Workshop war stark gefragt. Mehr als 140 Teilnehmer habe man leider nicht unterbringen können, bedauerte Dr. Ulrich Lotz, Geschäftsführer der FBF Betondienst GmbH. Und das Fachpublikum schaute auch gern mal über den Tellerrand: Im „besonderen Beitrag“ sprach Professor Markus Hengstschläger von der Universität Wien über Innovation durch Normabweichung am Beispiel der Genetik vor einem vollbesetzten großen Saal.

Und was tagsüber nicht besprochen werden konnte, ließ sich sicherlich bei einer der Abendveranstaltungen im lockeren Rahmen regeln. „Nach gestern Abend kann die Stimmung doch nur gut sein!“, scherzte jedenfalls Juhani Aittola vom finnischen Unternehmen Elematic.

Er hatte auch einen ganz praktischen Indikator für die gut laufende Baubranche. „Schauen Sie sich doch mal hier in Neu-Ulm um: Überall Baustellen!“

Die nächsten Betontage finden statt vom 24. bis 26. Februar 2015.

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Redaktion STEINE+ERDEN

Heribert Smitz
„Man muss einfach hier sein“: So sahen das Heribert Smitz von MAX, …
Juhani Aittola
… Elematic-Mann Juhani Aittola, ...
Karl-Anton Köberle
… Karl-Anton Köberle von Liebherr ...
Mathias Biermann
… und RWEV-Chef Mathias Biermann.
Yvonne Günther
„Eine gute Gelegenheit, Kunden persönlich zu treffen“, fand Vertriebsexpertin Yvonne Günther. // Alle Fotos dieses Beitrags: Wendt Garmin