Technik

Rückblick auf die 59. BetonTage in Neu-Ulm

Betone der Zukunft

Die BetonTage scheinen dem Besucher wie ein kleines Familientreffen. Man kennt sich, man grüßt sich, man spricht miteinander, man trinkt zusammen Kaffee. Viele Aussteller und Besucher kommen seit vielen Jahren nach Neu-Ulm, zum großen Branchentreffen auf kleinem Raum. Auch 2015 kamen wieder mehr als 2000 Besucher zur mittlerweile zum 59. Mal stattfindenden Veranstaltung ins Edwin-Scharff-Haus. Auch das Wetter zeigte sich freundlich, der Sonnenschein schien die Stimmung zusätzlich zu beflügeln.

Betone der Zukunft – so lautete das Motto. Auf zahlreichen Panels informierten Experten über neue Entwicklungen in der Betonbranche. So stellten Martin Möllmann und Klaus Droll vom Wilhelm Dyckerhoff Institut den CSA-Zement vor, einen CO2-reduzierten Hochleistungszement, der durch seine kurzen Erhärtungszeiten als Schnellzement zum Einsatz kommt. Als weitere umweltfreundliche Entwicklung erläuterten sie, wie Betonoberflächen mittels Photokatalyse zur Reduzierung von Verschmutzungen und den Abbau von Umweltschadstoffen eingesetzt werden können. Photokatalyse findet durch das Weißpigment Anatas Titanoxid statt und bewirkt unter anderem die Oxidation von Stickoxiden, die in unschädlichere Nitrate umgewandelt werden.

Ausstellung
Die Ausstellung bot viele Anlässe für Gespräche und Information.

Entwicklung CO2-reduzierter Betone

Wissenschaftler der Universität Hannover und der Technischen Universität Braunschweig beschäftigten sich ebenfalls mit der Frage, wie das CO2 bei der Herstellung von Beton verringert werden kann. Zementklinker gilt als Hauptverursacher, da bei der Herstellung viel CO2 anfällt. Ohne Zementklinker verringern sich aber oftmals die Eigenschaften und die Dauerhaftigkeit. Die Wissenschaftler stellten dazu ein Konzept vor, mit dem neuentwickelte Betone anhand von Referenzbetonen unterschiedlichen Leistungsklassen zugeordnet werden. Aus diesem Konzept entwickelten sie einen performancebasierten Ansatz für die Entwicklung umweltfreundlicher Betone. Dabei werden verschiedene Bindemittelkombinationen mit geringer werdendem Klinkeranteil optimiert. Effiziente Wassernutzung auf der Grundlage hoher Fließmittelkonzentration sowie die granulometrische Abstimmung des Sand-Bindemittelverhältnisses liefern die Basis für die Optimierung.

Fallstricke im Kontakt mit Wettbewerbern

Juristische Aspekte für die Betonbranche standen auf einem weiteren Panel im Blickpunkt. Rechtsanwalt Dr. Ralf Müller-Feldhammer unterrichtete die Teilnehmer über die Chancen und Risiken beim Kontakt mit Wettbewerbern. Müller-Feldhammer führte an, welche Grundsätze beachtet werden müssen, wenn Wettbewerber miteinander in Kontakt kommen. So sollte bei Verbandstagungen darauf geachtet werden, dass eine Tagesordnung vorliegt, ein Verbandsvertreter anwesend ist und Protokoll geführt wird.

Der persönliche Kontakt zählt

Für die Aussteller stand auf den BetonTagen die Pflege von Kundenkontakten und die Anbahnung neuer Geschäfte im Mittelpunkt. Der Rahmen im Edwin-Scharff-Haus bietet dazu die richtigen Bedingungen, nicht zu groß, aber doch groß genug, so war immer wieder zu hören. Testing Baustoffprüfgeräte stellte unter anderem seine Rütteltische mit Magnetspannvorrichtung aus. Die Rütteltische sind gleichzeitig ein Beitrag für gesünderes Arbeiten, vor allem durch ihren lärmreduzierten Betrieb – so konnten sie auch am Ausstellungsstand eingeschaltet werden. Neu im Programm ist auch ein Laborcontainer, der als erster überhaupt sämtlichen Vorschriften für einen dauerhaften Arbeitsplatz entspricht. Hans-Heinrich Reuter und Uwe P. Zimmer zeigten sich mit Blick in die Zukunft äußerst positiv gestimmt, das Unternehmen konnte seine Marktanteile ausbauen.

Werne & Thiel präsentierte Sensortechnik, mit deren Hilfe Feuchtigkeits- und Dichtemessungen einfach und präzise durchgeführt werden. Für Felix Maier, der noch recht neu im Unternehmen ist, sind die BetonTage auch eine gute Gelegenheit, Kunden und Kollegen von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen.

Gespräch am Stand
Auf den BetonTagen kamen Anbieter und Anwender in direkten Kontakt.

Auch Heribert Smitz von MAX Europe betonte den persönlichen Kontakt als wichtiges Element der Veranstaltung. „Hier bekommen wir Feedback von Unternehmen, in denen unsere Geräte zum Einsatz kommen. Daraus nehmen wir viel mit.“ Die Bindegeräte konnten direkt am Stand ausprobiert werden, dies ließen sich viele Besucher nicht nehmen.

Matthias Biermann von RWEV aus Hannover kam trotz Schnee auf der Hinfahrt in den Kasseler Bergen mit seinem Stand gut in Neu-Ulm an. Es war nicht die Süßigkeitenbox, die an den Stand lockte. Die Besucher informierten sich über die Möglichkeit, mit Kacheln aus Polyurethan, Gummi und Keramik einen wirksamen Verschleißschutz an Materialübergabestellen herzustellen.

Vortrag
Zahlreiche Experten stellten neueste Entwicklungen in der Betonindustrie vor.

Auch die BG RCI war mit einem eigenen Stand vertreten. Das Team um Martin Böttcher und Ulrich Kretschmer nutzte die Veranstaltung, um auf branchenspezifische Arbeitsschutzaspekte hinzuweisen. Für die BG RCI sind die BetonTage eine wichtige Veranstaltung im jährlichen Kalender, hier trifft man die Unternehmen, mit deren Produkten die BG-Mitglieder arbeiten.

Gute Stimmung prägte die Veranstaltung, ein deutliches Zeichen für die positive wirtschaftliche Entwicklung. Das Jahr 2014 hat die schon optimistischen Prognosen noch übertroffen, bundesweit stieg der Umsatz der Betonbranche auf 5,6 Mrd. Euro, was ein Plus von neun Prozent bedeutet. Auch für das Jahr 2015 fallen die Prognosen eher optimistisch aus. Für die Teilnehmer Grund genug, auf der Abendveranstaltung zu feiern. Zum 60. Jubiläum im nächsten Jahr trifft man sich wieder.

Die nächsten BetonTage finden vom 23. bis 26. Februar 2016 statt.

Stefan Möller
Redaktion Steine + Erden

Ulrich Kretschmer von der BG RCI informiert einen Besucher über das Angebot der Berufsgenossenschaft.
Ulrich Kretschmer von der BG RCI informiert einen Besucher über das Angebot der Berufsgenossenschaft.

Credit: BG RCI (4)