Niemals aufgeben!

Helmut Ehnes

Keiner kann sich ihnen entziehen – den schlechten Nachrichten. Mal sind uns die Unglücke ganz nah und die Dimension macht uns betroffen, wie das verheerende Flugzeugunglück in Frankreich. Mal sind sie weit entfernt, wie das Grubenunglück im türkischen Soma oder der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im April vor zwei Jahren, bei dem 1127 Menschen getötet wurden. Live-Berichterstattung rund um die Uhr konfrontiert uns mit den menschlichen Schicksalen solcher Tragödien.

Doch nicht immer sind es Rückschläge dieser Dimension, die uns die Grenzen verantwortlichen präventiven Handelns aufzeigen. Letztlich ist jeder Arbeitsunfall ein solcher Rückschlag, auch wenn er nicht in den Medien auftaucht. Je nach Informationsstand, Sachlage und Betroffenheit kommt es zu unterschiedlichsten Bewertungen. Entweder wird schnell die Frage nach dem Schuldigen und nach Versäumnissen gestellt. Ein anderes Extrem liegt in dem Urteil, dass das Geschehene wohl nicht zu verhindern war. Gepaart mit der Wahrnehmung, dass die verantwortlichen Führungskräfte und Präventionsexperten im Vorfeld doch konsequent das Notwendige und Mögliche zur Verhinderung des Unfalls getan haben, kann sich schnell ein Gefühl der Ohnmacht einstellen: Man bemüht sich mit großem Ernst, die Sicherheit zu gewährleisten, und trotzdem gibt es solch fatale Ereignisse immer wieder.

Ich möchte Ihnen als Unternehmer, Ihnen als Führungskraft, aber auch Ihnen als Sicherheitsfachkraft oder Betriebsarzt Mut machen, niemals aufzugeben! Lassen wir uns von Rückschlägen nicht entmutigen. Hundertprozentige Sicherheit scheint es nicht zu geben. Und dennoch kann das einzig wahre Ziel in unserem Bemühen um die Sicherheit und das persönliche Wohlergehen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur lauten „Vision Zero: Null Unfälle – gesund arbeiten“!

Aus Fehlschlägen müssen wir lernen! Mindestens das sind wir den Betroffenen schuldig. Und wenn wir den Ursachen ernsthaft auf den Grund gehen wollen, werden wir bei sachlicher Analyse immer Ansatzpunkte finden, die man hätte anders machen können, um die Katastrophe zu verhindern. Diese können so vielfältig sein wie Prävention an sich. Sie reichen von konsequenter Wahrnehmung der Verantwortung, über Veränderung in den Organisationsstrukturen, neue sicherheitstechnische Lösungen, höhere Qualifikation und Information bis hin zur Einbindung der Beschäftigten.

Insofern ist das Wichtigste nach Unfallereignissen, die wir nicht ungeschehen machen können, dass wir weder verzweifelt aufgeben noch einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern den täglichen Kampf um die Sicherheit am Arbeitsplatz neu aufnehmen. Lassen Sie uns wieder aufstehen, wie man es auch Sportlern nach einer Niederlage empfiehlt. Lassen Sie uns unser Thema immer wieder neu auf die Agenda in den Betrieben setzen – im Interesse der uns anvertrauten Menschen. Hierfür möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken.

Herzlichst Ihr
Helmut Ehnes