Termine

Rückschau: 61. BetonTage in Neu-Ulm

Buntes Meeting zu grauem Thema

Jedes Jahr im Februar trifft sich die Branche auf den BetonTagen in Neu-Ulm. Rund 2.100 Teilnehmer aus 20 Nationen besuchten vom 14. bis 16. Februar 2017 die Veranstaltung mit ihrem umfangreichen Programm. Unter dem Motto „Lebensräume schaffen“ zeigten die Aussteller und Vortragenden die innovativen Möglichkeiten des Werkstoffs Beton.

Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen in den Bereichen der Betontechnologie, der Herstellungsverfahren und der Normung. Einen Überblick über die Neuheiten in der Maschinen-, Software- und Zulieferindustrie lieferte die begleitende Ausstellung, die mit 160 Ständen wieder ausgebucht war. Viel Zeit blieb trotz umfangreichen Programms für Gespräche und gemeinsames Kaffeetrinken. Zudem boten die Abendveranstaltungen ausführlich Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen und neue zu schließen.

Edwin-Scharff-Haus
Die 61. BetonTage fanden wieder im Edwin-Scharff-Haus statt.

Blick über den Tellerrand

Zur Eröffnung hatten die Veranstalter einen besonders prominenten Gast eingeladen. Extrembergsteiger Reinhold Messner eröffnete die Veranstaltung. In seinem Vortrag zum Thema „Risikomanagement“ berichtete er über seine Grenzerfahrungen und zog interessante Parallelen zur Wirtschaft. Sein Fazit: Um große Ziele zu erreichen, zähle allein Überzeugungskraft, Mut und die Bereitschaft, an sein persönliches Limit zu gehen. Eine Botschaft, die auch für die Unternehmen der Betonfertigteilbranche von zentraler Bedeutung ist.

Im Zuge der internationalen Ausrichtung der Veranstaltung, die BetonTage asia finden im Herbst bereits zum 4. Mal in Shanghai statt, informierte Architekt Hua Zhang (Xian Dai Architectural Design Group) anschließend über die Anwendung von Fertigteilen in China. Gemäß dem Wirtschaftsplan der Regierung soll der Marktanteil für vorgefertigte Betonbauteile im Geschosswohnungsbau bis zum Jahr 2025 auf 50 Prozent gesteigert werden. Für die chinesischen Unternehmen sind die Aussichten damit mehr als gut.

Messebesucher
Viel Zeit blieb trotz umfangreichen Programms für intensive Fachgespräche. (Foto: BetonTage, © photodesign_buhl)

Wachsende Umsätze, stagnierende Preise

Auch der Markt in Deutschland zeigte eine erfreuliche Entwicklung. Dies wurde auf der Pressekonferenz anlässlich der 61. BetonTage verkündet. Der sich in den letzten zwei Jahren abzeichnende Aufwärtstrend bei der Produktion von vorgefertigten Betonbauteilen konnte im Jahr 2016 fortgesetzt werden. Dies nahm Friedrich Gebhard, Präsident des Fachverbands Beton- und Fertigteilwerke Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Gisoton-Wandsysteme Baustoffwerke, zum Anlass für einen positiven Ausblick. Die Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von etwa 5,75 Mrd. Euro, was einem Plus von 4 Prozent entspricht. Mit verantwortlich für diese Entwicklung waren die Stabilität der Gesamtwirtschaft sowie das milde Wetter im letzten Quartal 2016. Die Preisindizes der Betonbranche konnten jedoch mit der Steigerung der Umsatzzahlen nicht mithalten. Je nach Produktgruppe entwickelten sich die Preise durchaus unterschiedlich, von plus 2 Prozent bis minus 0,1 Prozent reicht dabei die Spanne. Im aktuellen Jahr wird eine weitere Steigerung des Umsatzes in Höhe von bis zu 3 Prozent erwartet. Verantwortlich wird dabei der anhaltende Boom des Wohnungsbaus sein. Hier bietet sich für die Betonbranche weiterhin ein großes Potenzial, da der Bau von bezahlbaren Wohnungen, die qualitativ hochwertig sind, eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist. Hier kommt der Betonfertigteilindustrie eine Schlüsselrolle zu.

Reinhold Messner im Vortrag
Reinhold Messner eröffnete mit seinem Vortrag die 61. BetonTage in Neu-Ulm. (Foto: BetonTage, © photodesign_buhl)

Von Forschung und Praxis

Schwerpunkt des Fachprogramms waren die produktspezifischen Podien, auf denen die Thematik Betonbauteile in ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten intensiv beleuchtet wurde. Dazu gehörten Beiträge über den konstruktiven Betonfertigteilbau, Leichtbeton und Betonwerkstein bis hin zu Betonprodukten des Straßen-, Landschafts- und Gartenbaus, des Rohrleitungsbaus und zu Kleinkläranlagen. Es blieb dabei nicht theoretisch, die Anwendbarkeit in der Praxis war immer wieder Thema. Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Produktionstechnik und der Betontechnologie machen es möglich, Beton noch leistungsfähiger zu entwickeln und seine Anwendungsmöglichkeiten zu erhöhen. Hiervon konnten sich die Fachbesucher überzeugen. Vorträge zu multifunktionalen Fertigteilen aus Carbonbeton und UHPC, zu ressourcenschonende Betone, zu einem 3-D-Drucker mit Beton, energetisch vernetzten Gebäuden und Brücken aus UHPFRC-Fertigteilen sind nur einige Beispiele hierfür. So stellten Dr. Vincent Oettel und Prof. Dr. Martin Empelmann von der TU Braunschweig beispielhaft erste Anwendungen von ultrahochfestem Faserbeton wie den Einsatz beim Bau der Fußgängerbrücke Sakata Mirai in Japan vor. Aber auch aktuelle praxisrelevante Fragestellungen wie die Konsequenzen aus dem EuGH-Urteil auf die Verwendung von konstruktiven Fertigteilen in Deutschland wurden erörtert. Problemstellungen aus dem betrieblichen Alltag griffen zudem die beiden Praxis-Workshops auf.

Banner der Betontage mit mehreren farbigen Rechtecken
So bunt wie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Werkstoffs Beton war auch das Logo der BetonTage. // Foto: Stefan Möller/BG RCI

Innovationspreis verliehen

Der Innovationspreis der Zulieferindustrie Betonbauteile verdeutlicht die Innovationskraft der Betonbranche. Gewinner in diesem Jahr ist das Institut für Tragwerksentwurf der Technischen Universität Braunschweig. Den Preis bekam es für die Entwicklung einer neuartigen Präzisionsschalung, die zu 100 Prozent aus recycelbaren Industriewachsen besteht.

Bei dieser „Non-Waste-Wachsschalung“ ist Industriewachs der formgebende Werkstoff. Duch eine CNC gesteuerte Fräsbearbeitung lässt sich dieser sehr präzise, schnell und mit großer Formfreiheit bearbeiten. Betonbauteile können dadurch wirtschaftlich und in nahezu jeder geometrisch komplexen Form mit maximaler Präzision hergestellt werden. Das Wachs wird anschließend geschmolzen und in den Materialkreislauf zurückgeführt, wodurch Abfallprodukte vermieden werden.

Zwei Männer im Gespräch
In vielen Gesprächen wurde interessierten Fachbesuchern das Ziel „null Arbeitsunfälle” nahegebracht. // Foto: Stefan Möller/BG RCI

Unendlicher Tisch

Am Rande der BetonTage wurde der Betonwerksteinpreis für Gestaltung 2016 verliehen. Christian Völker aus Zwickau (R. Bayer Betonsteinwerk) erhielt für seinen „Unendlichen Tisch“, einer gelungenen Vereinigung aus weißem, glattem Betonwerkstein auf Basis Flowstone und kreativer Spiegeltechnik, von der Fachjury den ersten Preis. Die Spiegeltechnik besteht aus zwei Spiegeln, einem voll reflektierenden Spiegel und einem Einwegspiegel. Die Spiegel sind so ausgerichtet, dass der Einwegspiegel ein Bild zurück auf den voll reflektierenden Spiegel wirft. In einer rekursiven Weise werden somit jeweils immer kleinere Spiegelungen geschaffen, die dem Betrachter den Blick in einen unendlichen, leuchtenden Abgrund bieten (Spiegeltunneleffekt).

Messebesucher vor einem Tisch aus Beton
Für seinen Unendlichen Tisch erhielt Christian Völker den ersten Preis des Betonwerksteinpreises für Gestaltung 2016. (Foto: BetonTage, © photodesign_buhl)

Der zweite Preis wurde Andreas Humer aus dem österreichischen Sölden (Systembau Eder) zuerkannt, dessen „Betonleuchte“ sowohl in ihrer Form als auch in ihrer Materialität überzeugte. Dieses Stück ist ein Beispiel für einen schönen Materialmix, in diesem Fall von Beton, Holz und Edelstahl. Auch hier wird verdeutlicht, wie vielfältig einsetzbar Betonwerkstein ist. Das Meisterstück von Ferdinand Stebel aus Rastatt (Kronimus) wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Der Designertisch hat eine schwungvolle Formensprache und ist zugleich handwerklich perfekt gearbeitet. Davon zeugen die glatten Sichtbetonoberflächen.

Vision Zero

Natürlich war auch die BG RCI in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Stand vertreten. Inhaltlicher Schwerpunkt des Auftritts war die Vision Zero mit ihren sieben Erfolgsfaktoren zur Verhinderung von Arbeitsunfällen. In vielen Gesprächen wurden das Ziel „null Unfälle“ und die Möglichkeiten, dies zu erreichen, interessierten Standbesuchern nahegebracht. Wie in den vergangenen Jahren auch waren die 61. BetonTage eine perfekte Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch.

Stefan Möller
Redaktion STEINE+ERDEN

Messestand mit großer Rückwand, Aufschrift VISION ZERO
Der Stand der BG RCI stand ganz im Zeichen der VISION ZERO. // Foto: Stefan Möller/BG RCI
Infomaterialien liegen an einem Messestand aus
Infomaterialien und die aktuelle Ausgabe der Steine+Erden. // Foto: Stefan Möller/BG RCI