Hallo Raser, wir warten…

Wolfgang Pichl

Können Sie sich noch an das Plakat erinnern, auf dem dieser Satz stand? Die älteren Verkehrsteilnehmer unter Ihnen vielleicht. Dieser Satz stand auf einem, wie ich finde, eindrucksvollen Autobahnplakat des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V. (DVR) aus dem Jahr 2000, das die Verkehrsteilnehmer auf eindringliche Weise zur angepassten Geschwindigkeit im Straßenverkehr anhalten sollte. Eindringlich deswegen, weil das Plakatmotiv große Aufmerksamkeit weckte. Es zeigte vier Geier, die auf einem Ast sitzen und interessiert und voller Erwartung aus dem Plakat herausschauen. Ihre Aufmerksamkeit galt nämlich den am Plakat vorbeifahrenden „potenziellen Opfern“, den Verkehrsteilnehmern. Über die Wirkung und Nachhaltigkeit solcher drastischen Darstellungen auf Plakaten kann man trefflich streiten. Bei mir hat sich die durch dieses Plakat ausgelöste Botschaft ins Gedächtnis eingebrannt.

Doch zurück zu den aktuellen Fakten. Im Jahr 2016 verloren in Deutschland 3.214 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ihr Leben. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das 245 Getötete weniger als 2015. Die Zahl der Verkehrstoten erreichte damit den niedrigsten Stand seit mehr als 60 Jahren. Das ist die positive Seite dieser Nachricht. Gleichzeitig war 2016 aber das unfallreichste Jahr seit der Wiedervereinigung. Die Polizei nahm rund 2,6 Millionen Unfälle auf, 2,8% mehr als 2015. Die Zahl der dabei Verletzten stieg 2016 gegenüber dem Vorjahr um 0,8% auf rund 396.700 Personen.

Nicht angepasste Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Ablenkung zählen zu den häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen in Deutschland. Ich denke, für alle unter uns, die sich tagtäglich im Straßenverkehr bewegen, sind das wahrlich keine überraschenden Neuigkeiten. Wie aber das Verhalten ändern? Ganz einfach: Langsamer fahren, mehr Abstand einhalten und sich nicht durch Smartphone und/oder die Benutzung im Fahrzeug verbauter Technik ablenken lassen. Leichter gesagt als getan, werden Sie sagen. In der Tat: Über Jahre entwickeltes Verhalten zu ändern, ist schwierig. Hier hilft oftmals ein Impuls von außen. Das war letztlich ein Grund dafür, dass die BG RCI die Teilnahme an den vom DVR entwickelten „Eco Safety Trainings“ finanziell unterstützt. Zur Vermittlung sicherer und wirtschaftlicher Fahrtechniken wird die Coaching Methode angewendet. Ein erfahrener Trainer begleitet den Fahrer über eine gewisse Zeit bei einer Fahrt im öffentlichen Verkehrsraum und gibt entsprechende Hinweise und Impulse. Nähere Details zu den Möglichkeiten der Teilnahme an diesen Trainings finden Sie auf der BG RCI-Homepage unter http://seminare.bgrci.de/shop/fahrsicherheitstraining.

Eine Nachricht hat mich im Zusammenhang mit der Unfallstatistik auch noch nachdenklich gemacht: Über ein Fünftel (21,2 %) der bei den Straßenverkehrsunfällen in Deutschland getöteten PKW-Insassen war 2015 nicht angeschnallt. Ein, wie ich finde, erstaunlich hoher Prozentsatz, gibt es doch seit dem 1. August 1984 die Anschnallpflicht. Aus dieser Zeit ist mir ein Satz gut in Erinnerung geblieben: Erst, als das Fahren ohne Gurt mit einem Bußgeld von 40 DM geahndet wurde, stieg die Anschnallquote auf über 90%. Vorher kostete es nur das Leben.