Termine

62. BetonTage in Neu-Ulm

Rekordverdächtig und zukunftsweisend

Jedes Jahr im Februar wird das Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm für drei Tage zum Zentrum der Betonfertigteilbranche – nach Frühlingstemperaturen im letzten Jahr diesmal im Schnee. Das Interesse am Branchentreff war auch bei der 62. Auflage ungebrochen.

graue Winterlandschaft
Frost herrschte an der Donau, im Edwin-Scharff-Haus dafür bestes Arbeitsklima. // Fotos: © photodesign_buhl; BG RCI/Stefan Möller

Mit knapp 2.300 Teilnehmern wurde in diesem Jahr wieder ein neuer Besucherrekord aufgestellt. Mittelpunkt der BetonTage war das Veranstaltungsangebot. Mehr als 100 Fachbeiträge in 14 überwiegend parallelen Vortragssträngen deckten alle wichtigen Themengebiete der vorgefertigten Betonerzeugnisse ab. Es reichte von Vorträgen zum konstruktiven Betonfertigteilbau, zu Betonprodukten des Straßen-, Landschafts- und Gartenbaus, über den Rohrleitungsbau bis hin zu Leichtbeton und Kleinkläranlagen. Dabei wurde auch über die neuesten relevanten Normen, Richtlinien und Merkblätter in diesen Bereichen informiert.

Prof. Johann Plank von der Technischen Universität München beschäftigte sich in seinem Vortrag mit neuartigen Fließmitteln für thermisch aktivierte Tone. Die Herausforderung dabei ist, den hohen Wasseranspruch einiger calcinierter Tone zu senken bei gleichzeitiger Wechselwirkung mit den chemisch und ladungsmäßig unterschiedlichen Oberflächen von Zementklinker und Tonmineralien. Zwitterionische Fließmittel rücken in den Mittelpunkt des Interesses solcher Zemente.

Über Entwurfs- und Ausführungsplanung am Beispiel eines Leichtbetondachs vor dem Berliner Hauptbahnhof referierte Prof. Mike Schlaich von der Technischen Universität Berlin. Das Dach besteht aus zwei langgestreckten, geschwungenen Betonschalen, die jeweils ein Straßenbahngleis überspannen. Durch das Zusammenspiel von Form, Konstruktion und Material waren weit auskragende Betonbauteile bei sehr geringer statischer Bauhöhe möglich. Die Bauweise zeigt zudem eine ressourcenschonende, effiziente Art des Bauens auf.

Messestand, im Hintergrund ein großes Display mit dem Text 'VISION ZERO'
Die Ausstellung war gut besucht. Ein Infostand der BG RCI zur Präventionsstrategie VISION ZERO durfte da natürlich nicht fehlen.

Schwerpunkt Cyberkriminalität

Aber nicht nur reine Betonthemen standen auf der Agenda. Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Themen Digitalisierung und Datenschutz. Prof. Felix Buchmann informierte in seinem Vortrag über die Herausforderungen, vor denen Unternehmen im Bereich Cyberkriminalität stehen. Nicht nur die technische Abwehr ist dabei ein Aufgabenfeld, sondern auch die Qualifizierung der Mitarbeiter im Unternehmen und die Sensibilisierung für dieses Thema. Dabei sei es für Unternehmen enorm wichtig, Prozesse zu definieren und deren Einhaltung sicherzustellen. Auch Christoph Decker, Heitec, und Harald Walter, SEC, demonstrierten den Risikofaktor Mensch, zeigten, mit welch einfachen Mitteln sich Mitarbeiter überlisten lassen können und mit welchen Möglichkeiten dies zu verhindern ist.

Nachwuchs ausgezeichnet

Im Rahmen der Abendveranstaltung der BetonTage im Hotel Maritim in Ulm wurde der Nachwuchspreis Betonbauteile 2017 verliehen. Der Preis ging an sechs Auszubildende der Betonfertigteilindustrie für ihre hervorragenden Leistungen bei der Abschlussprüfung in den branchenspezifischen Berufen Betonfertigteilbauer und Verfahrensmechaniker in der Steine-Erden-Industrie Fachrichtung vorgefertigte Betonerzeugnisse. Die Ehrung wurde vom Berufsförderungswerk für die Beton- und Fertigteilhersteller e.V. (BBF) und der Eberhard-Schöck-Stiftung (ESSt) vorgenommen.

Messebesucher

Und noch ein Gewinner

Der Betonwerksteinpreis für Gestaltung 2017 ging an René Hartmann aus Ulm von der Harsch Bau. Die Jury war von seinem modularen „Lichtregal“ begeistert, einer stilvollen Materialkombination aus selbstverdichtendem Beton auf Basis Flowstone und geschliffenem Glas. Vier Module können beliebig auf- und nebeneinander gestellt werden. Die Form wurde durch eine Schalung gefertigt, die Rundungen aus Betoplan wurden mit der Wasserschneidmaschine geschnitten. Betoniert wurde mit Flowstone, wobei als Gesteinskörnungen Cris Carb und Granit-silbergrau zum Einsatz kamen. Die Oberflächen wurden außen gebürstet und innen schalungsglatt gestaltet. Die Jury würdigte bei dem Meisterstück besonders seine besonders elegant geschwungenen Formen und die dazu korrelierende Wirkung der installierten LED-Beleuchtung.

René Hartmann neben einem Lichtregal
René Hartmann mit seinem Lichtregal, das ihm den Betonwerksteinpreis für Gestaltung eingebracht hat.

Ausstellung ausgebucht

Ein fester Bestandteil der BetonTage ist die begleitende Ausstellung, die mit 160 Ständen wieder ausgebucht war. Unternehmen aus der Zuliefer-, Maschinen- und Softwareindustrie präsentierten ihre Dienstleistungen und Produkte - das Spektrum war wieder weit gefasst. Selbstverständlich war auch in diesem Jahr die BG RCI mit einem eigenen Stand vor Ort, um interessierte Besucher über die Vision Zero zu informieren.

Die besten Neuentwicklungen wurden mit dem Innovationspreis der Zulieferindustrie prämiert. Sieger in diesem Jahr ist die Solidian aus Albstadt. Das Unternehmen erhielt die Auszeichnung für die Entwicklung einer Sandwich-Fassadenwand aus Textilbeton, durch deren Einsatz die Betonüberdeckung von Betonstahl von 8 – 10 Zentimeter dicken Vorsatzschalen auf 10 – 15 Millimeter reduziert wird. Der zweite Preis ging an CPC aus Andelfingen für ihre mit Carbon vorgespannten, großformatigen Betonplatten. Die neuartigen Platten verfügen über die Tragfähigkeit von herkömmlichen Platten, sind aber bis zu 80 Prozent dünner.

Auch im nächsten Jahr wird sich die Betonfertigteilbranche wieder nach Neu-Ulm begeben, die 63. BetonTage finden vom 19. bis 21. Februar 2019 statt.

Messebesucher im Gespräch
Fachlicher Austausch unter den Besuchern.
 
Weitere Informationen