Arbeitssicherheit

8. International Mine Rescue Body Conference 2017 in Russland

„Ich habe einen Traum“

Unter dem Namen International Mines Rescue Body (IMRB) wurde im Jahr 1998 eine gemeinnützige Organisation ins Leben gerufen, die sich seither global um die Bereitstellung von Informationen zur allgemeinen Verbesserung der Sicherheit im Grubenrettungswesen bemüht. Bislang sind 24 Nationen und vier Verbände innerhalb der Organisation tätig. Die 8. IMRB Conference wurde im September 2017 vom Katastrophenschutzministerium der Russischen Föderation als Gastgeber durchgeführt.

Eröffnungsfeier im russischen Novokuznetsk
Eröffnungsfeier im russischen Novokuznetsk. // Fotos: (© IMRB Russia 2017)

Noch während der 7. International Mines Rescue Body (IMRB) Conference in Deutschland wurde der Gastgeber der nächsten Konferenz ausgewählt. Alexander Sin, Chef der Grubenwehreinheiten des russischen Katastrophenschutzministeriums, nahm die Fahne des IMRB entgegen. In seiner Rede berichtete er von seiner Vision für die Zukunft: „Ich habe eine Vision. Und nicht nur ich, nein, diese Vision steckt in jedem, der sich mit Sicherheitsfragen im Bergbau beschäftigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eines Tages zu keinen Unfällen mehr in Bergwerken kommen wird. Die Bergleute werden immer unversehrt und gesund nach Hause gehen können. Wenn wir heute beginnen, alle unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, so werden wir diesem Ziel Schritt für Schritt näherkommen und die Vision wird sich erfüllen. Die Konferenz in Russland wird einer dieser Schritte sein.“

An der 8. IMRB Conference nahmen über 200 Teilnehmer aus 22 verschiedenen Ländern teil. Bereits die Anreise zur Konferenz zeigte den Teilnehmern, welchen besonderen Herausforderungen das russische Grubenrettungswesen gewachsen sein muss, um in einem solch weitläufigen Land handlungsfähig zu bleiben.

Nationales Zentrum für das Grubenrettungswesen im russischen Novokuznetsk (Gebäude)
Nationales Zentrum für das Grubenrettungswesen im russischen Novokuznetsk.

Modernisierung des russischen Rettungswesens

Dem Grubenrettungswesen gehören in Russland etwa 4.500 Personen an. Alle sind in Vollzeit beschäftigt und dem Katastrophenschutzministerium unterstellt. In den Aufgabenbereich des Ministers, dessen Amt derzeit von Vladimir Puchkov bekleidet wird, fallen alle Belange des Zivilschutzes im Katastrophenfall, also sowohl der Katastrophenschutz selbst als auch die Beseitigung der Folgen von Katastrophen jeder Art. Puchkov untersteht direkt dem russischen Präsidenten, was die Handlungsfähigkeit des Ministeriums stärkt und die Mobilisierung von Ausrüstung und Personal im Bedarfsfall erleichtert. Im Zug einer grundlegenden Modernisierung des russischen Rettungswesens im Bergbau wurde auch das Nationale Zentrum für das Grubenrettungswesen in Novokuznetsk eingerichtet.

Das neu erbaute, ganz im Stil unserer Zeit entworfene Gebäude ist für verschiedenste Themenbereiche des Grubenrettungswesens ausgestattet worden. Es wurden Bereiche für Training, Simulation, Forschung (Labore), Gesundheit, Akklimatisierung und zu Auswertungszwecken eingerichtet. Selbst Wohnraum ist für die Teilnehmer von Trainingseinheiten etc. vorhanden, die aus anderen Regionen des Landes anreisen.

Exemplarische Rettungsaktion

Das Motto der Konferenz in Russland war „Wissen erweitern… Sicherheit verbessern“, was durch das Konzept des Kompetenzzentrums in Novokuznetsk bereits deutlich vermittelt wurde. Das Katastrophenministerium begrüßte die angereisten Teilnehmer mit Live-Musik ihrer eigenen Band und bot anschließend Führungen durch das einzigartige Gebäude an. Während des Rundgangs konnten die Teilnehmer sämtliches Equipment begutachten, wie es der Grubenwehr in Russland zur Verfügung steht. Über Simulationen konnte gezeigt werden, welchen Belastungen die Mitglieder der Grubenwehr ausgesetzt sind, wenn sie mit Gerät im Einsatz sind. Ärzte erläuterten die damit verbundenen möglichen physischen und psychischen Folgen und die damit hohe Bedeutung von Präventivmaßnahmen im Einsatz auf der einen, und der Möglichkeit zur Erholung nach einem Einsatz auf der anderen Seite. Inwieweit die neue Einrichtung der Grubenwehr durch gezielte Vorbereitung auf Ernstfälle nützlich ist, wurde in einer eigens dafür inszenierten Rettungsaktion gezeigt, wie sie im Grunde jederzeit bei einem Grubenunglück notwendig werden könnte.

Als Folge der Explosion simulierten einige Bergleute schwere Verletzungen und brachen in einer für die Übung nachgebauten Strecke zusammen. Zahlreiche bemannte Rettungsfahrzeuge der Grubenwehr trafen kurz darauf ein. Einige der Verletzten konnten schnell über Schleifkörbe oder gestützt aus dem Gefahrenbereich gerettet werden, während am anderen Ende ein Feuer durch die Grubenwehr bekämpft wurde. Allerdings führte hier der eingesetzte Schwerschaum nicht zum gewünschten Erfolg, sodass schließlich eine Inertisierung mit mobil vorgehaltenen Ressourcen durchgeführt wurde, die das Feuer löschte. Während der gesamten Darbietung der Rettungsarbeiten flogen Drohnen über das Gebiet, die mit Messgeräten die Zusammensetzung der Luft analysierten. Zuletzt landete noch ein Hubschrauber des Katastrophenschutzes zur weiteren Unterstützung auf dem Gelände. Auch wenn der Rettungseinsatz nur geprobt war, so zeigte die Übung dennoch sehr eindrucksvoll, wie vorbildlich die russische Grubenwehr ausgebildet ist und welche Vielfalt an Ausrüstung für den Ernstfall zur Verfügung steht.

Kohleaufbereitungsanlage Matyushinskaya
Kohleaufbereitungsanlage Matyushinskaya

Zahlreiche Themenfelder angesprochen

Darüber hinaus bot die Konferenz auch wissenschaftliche Informationen. Nach einer Vollversammlung wurden in 31 Vorträgen zeitgleich in vier Sälen verschiedenste Aspekte der folgenden Themenbereiche angesprochen:

Kolumbien: IMRB-Gastgeber 2019

In der Zeit vom 07. bis 14. September 2019 wird die nächste IMRB Conference im kolumbianischen Bogotá als zentralem Veranstaltungsort stattfinden. Bogotá, die Hauptstadt des südamerikanischen Staats, ist mit ihren rund 8 Mio. Einwohnern die fünftgrößte Stadt auf dem gesamten amerikanischen Kontinent und liegt auf einem Hochplateau, umgeben von Gipfeln der Anden.

Alex Gryska

Die Grubenwehr des Katastrophenschutzministeriums bei der Demonstration eines beispielhaften Rettungseinsatzes.
Die Grubenwehr des Katastrophenschutzministeriums bei der Demonstration eines beispielhaften Rettungseinsatzes.
 
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