Unternehmensführung

Business-to-Business-Kommunikation 2018

Sechs Trends dominieren

Für B2B-Marketer ist es wichtig, relevante Trendthemen frühzeitig zu erkennen, um am Puls der Zeit zu bleiben. Die Vorstände des Bundesverband Industrie Kommunikation e.V. (bvik) zeigen auf, welche Trends und Themen aus ihrer Sicht bei Geschäftsführern und Entscheidern der Industrie im Jahr 2018 ganz oben auf der Agenda stehen sollten.

Agile, bereichsübergreifende Kommunikationsteams statt Silo-Kultur

Kai Halter

(bvik- Vorstandsvorsitzender und Director Marketing, ebm-papst Mulfingen):

„Ich bin davon überzeugt, dass digitale Kanäle und deren richtige Anwendung und Steuerung für die Zukunft richtungsweisend und elementar sein werden. Infolgedessen müssen B2B-Marketingverantwortliche dafür sorgen, dass ihre Marketingteams agil aufgestellt sind, um jederzeit auf die neuen Entwicklungen, die sich durch die digitale Transformation ergeben, reagieren zu können. Es gilt deshalb, nicht in Kommunikations- und Marketing-Silos zu denken, sondern bereichsübergreifende Kommunikationsteams zusammenzustellen, um die richtigen Kommunikationsthemen in passender Weise zu adressieren.“

IT-Kompetenzen und Produkt-Know-how in den Marketingabteilungen

Dr. Andreas Bauer

(bvik-Vorstand und Vice President Marketing KUKA Roboter):

„Die IT-Abteilungen und die Produktentwicklungsabteilungen sind dabei, dem Marketing seine Stellung streitig zu machen. Wir müssen daher im Marketing massiv IT-Kompetenz und Produkt-Know-how aufbauen und unsere Stärken besser ausspielen – im interdisziplinären Arbeiten innerhalb der Unternehmen sowie im Verständnis für Kunden und Märkte. Marketing muss endlich die Bedeutung erlangen, die es der Lehre nach eigentlich haben müsste. Durch die Digitalisierung werden zahlreiche neue digitale Services und Produkte in B2B-Unternehmen entstehen, die agil entwickelt und sehr früh am Markt getestet werden. Hier kann Marketingabteilungen eine komplett neue Rolle als Steuerungs- und Analytics-Instanz zukommen, da die digitalen Kanäle bereits eine Domäne des Marketings sind. Damit kann Marketing maßgeblich Einfluss sowohl auf die Features des digitalen Produkts selbst als auch auf die Preisgestaltung nehmen.“

Datenschutz und Datenanalyse als „must-do“

Silke Lang

(bvik-Vorstand und Leitung Marketing Verkaufsgebiet Europa Mitte von Bosch Rexroth):

„Ein ganz wichtiger Aspekt, den Marketingverantwortliche 2018 unbedingt auf der Agenda haben sollten – ja sogar müssen – ist die Einhaltung der Global Data Protection Regulation (GDPR), der Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Mit dieser tritt eine europaweite Verordnung in Kraft, die besonders B2B-Marketer vor eine große Herausforderung stellt. Dadurch werden Inbound Marketing Kampagnen immer wichtiger, da hier der Kunde selbst entscheidet, was er wann und in welcher Form vom Unternehmen erhalten möchte. Infolgedessen kommt dem Thema Data Analytics eine enorm wichtige Rolle zu, denn es ist klar, dass das reine Sammeln von Daten nicht viel bringt. Ein echter Mehrwert lässt sich erst durch die intelligente Verknüpfung vieler Daten generieren, da dadurch das Verhalten des Kunden vorhersehbar wird.“

Bewusstsein für Digitalisierung in den Führungsetagen als Erfolgskriterium

Rainer Pfeil

(bvik-Vorstand und Geschäftsführer der bluepool | messen & events):

„Professionelle B2B-Kommunikation erhält einen höheren Stellenwert in Industrieunternehmen. Immer mehr Firmen zeigen sich durch die globale Expansion – ihrer eigenen und der des Wettbewerbs – und durch zunehmende Vergleichbarkeit ihrer (bis dato) herausragenden Produkteigenschaften aufgeschlossen für neue Kommunikationsstrategien. Sowohl der gezielte Auf- und Ausbau als auch die Stärkung der Marke als Erfolgskriterium rücken in das Bewusstsein der Führungsetagen – auch in kleineren und mittleren Unternehmen. Dies ist eine Chance, aber auch eine anspruchsvolle Aufgabe für die Marketingverantwortlichen. Es hat zur Folge, dass Marketingmanager und ihre Dienstleister die Digitalisierung als Herausforderung annehmen. Business-to-Customer, also B2C, macht es vor. Algorithmen finden Zielgruppen und Zielpersonen, steuern die Ansprache derselben, definieren Aktionen und führen zum Abschluss.“

Ein Mann zeigt auf eienn Monitor
Erfolgreiche Führungskräfte schaffen ein Bewusstsein für die Digitalisierung. // Foto: kasto - stock.adobe.com

Dauerhafter Mehrwert durch innovative Strategien – Virtual Reality gestaltet die Gegenwart

Ramona Kaden

(bvik-Vorstand und Geschäftsführerin Star Publishing):

„Mit Marketing Automation, Customer Journey und Lead Management sind wir auf dem besten Weg, die Potenziale, die uns diese Maßnahmen bieten, voll auszuschöpfen. Wer es während der heutigen schnelllebigen Zeit schafft, fortschrittlich zu denken, kann seinen Kunden mit innovativen Strategien dauerhaften Mehrwert bieten. Klar ist, dass Augmented und Virtual Reality keine Zukunftsmusik mehr sind, sondern unsere Gegenwart gestalten. Den Einsatzmöglichkeiten sind hierbei kaum mehr Grenzen gesetzt. Produkte oder Anforderungen können den Kunden live dargestellt werden. Vor allem im B2B-Bereich bieten sich durch Virtual Reality Möglichkeiten, die Aufwendungen in der Produktion und im Entwicklungsprozess auf ein Minimum zu senken.“

Machen statt reden

Jens Fleischer

(bvik-Vorstand und Geschäftsleiter Strategie und Beratung der medienformer):

„Im Trend liegt das „Machen“. In der immer kürzeren Zeit, die den Unternehmen für Entwicklungen und Entscheidungen bleibt, ist schnelles, unternehmerisches Denken auf allen Ebenen essenziell. Und darin sind wir auf unserer satten Insel der Glückseligen nicht immer vorne dabei. Für die Marketingverantwortlichen in der Industrie bedeutet das, sie müssen sich emanzipieren und in die Führungs-

ebene vordringen. Sie müssen dort ernst genommen und schnell das Image der „Exoten mit den bunten Bildchen“ loswerden. Der Wettbewerbsvorteil durch den Produktvorteil ist in Kürze gänzlich aufgebraucht. Nur die Unternehmen, die dann Marke und Marketing verinnerlicht haben, werden weiterhin mitspielen. Für Kommunikationsdienstleister, insbesondere für die Agenturen, heißt das: Nur wer auf Vorstandsebene mitreden kann und in der Lage ist, alte und neue Geschäftsmodelle sogar noch einen Schritt weiter zu denken als die Unternehmen selbst, ist ein Asset für die Industrie. In diesem Sinne: Machen.“

Mann vor einer Kreisetafel; auf der Tafel sind muskulöse Arme eingezeichnet
Anpacken – nicht nur schlau plappern: einer der neuen Trends im Marketing. // Foto: lassedesignen - stock.adobe.com
 
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