Arbeitssicherheit

Experten warnen vor Ablenkung am Steuer

So gefährlich ist ein Blick aufs Handy!

Egal ob es das schreiende Kind auf dem Rücksitz oder das klingelnde Handy ist – im Auto gibt es viele Möglichkeiten, abgelenkt zu werden. Wer allerdings den Blick von der Straße nimmt, geht ein hohes Risiko ein, denn in nur wenigen Sekunden der Unachtsamkeit legt ein Fahrzeug eine enorme Strecke zurück. So sind immer mehr Unfälle – und Todesopfer – die Folge von Ablenkung am Steuer.

Im Jahr 2016 starben etwa 350 Personen bei Verkehrsunfällen, die durch technische Ablenkungen des Fahrers entstanden. Nur 250 Menschen dagegen wurden Opfer bei Unfällen aufgrund von Alkohol am Steuer. Schuld ist häufig das Smartphone. Viele Autofahrer überschätzen sich und ihre Fähigkeiten und tippen trotz hoher Geschwindigkeiten im Stadtverkehr oder auf der Autobahn Nachrichten. Dadurch werden sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer eine große Gefahr, denn bereits in wenigen Sekunden der Ablenkung legt das Fahrzeug eine große Distanz zurück.

Berechnung: Ablenkung beeinflusst den Reaktionsweg

Mithilfe von einfachen Formeln kann berechnet werden, wie viele Meter ein Kfz ungefähr zurücklegt, bevor der Fahrer reagieren und bremsen kann. Dabei spricht man vom Reaktionsweg:

Reaktionsweg in Metern ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (3 x Reaktionszeit in Sekunden)

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ein aufmerksamer Fahrer nicht länger als eine Sekunde braucht, um auf unerwartete Vorfälle zu reagieren, z.B. um eine Vollbremsung durchzuführen, wenn ein Kind auf die Straße läuft. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h fährt das Auto laut dieser Formel noch rund 15 Meter weiter, bevor die Gefahrenbremsung erfolgt. Diese nimmt abermals einen Weg von etwa 12 Metern ein, der mithilfe dieser Formel berechnet werden kann:

Gefahrenbremsweg in Metern ≈ [(Geschwindigkeit ÷ 10) x (Geschwindigkeit ÷ 10)] ÷ 2

Für einen aufmerksamen Fahrer ist also ein Auffahrunfall oder Ähnliches nur mit genügend Sicherheitsabstand zu verhindern. Wer jedoch durch die Bedienung seines Smartphones abgelenkt ist und somit beispielsweise drei Sekunden benötigt, um zu reagieren, verlängert den Reaktionsweg und damit die Gesamtstrecke erheblich. In diesem Fall fährt das Auto noch 45 Meter völlig ungebremst weiter. Selbst mit der Durchführung einer Gefahrenbremsung sind die insgesamt 57 Meter bis zum Stillstand des Wagens in der Regel zu viel, um einen Unfall rechtzeitig zu verhindern.

Gesetz: Hohe Gefahr erfordert hohe Bußgelder

Im Jahr 2017 wurde auf die große Gefahr, die von der Ablenkung am Steuer durch das Handy ausgeht, reagiert, indem die Bußgelder deutlich erhöht wurden. So wird die Nutzung des Telefons beim Führen eines Kfz mit einer Strafzahlung von 100 Euro sowie einem Punkt in Flensburg sanktioniert. Wenn mit der Handynutzung am Steuer sogar eine Personengefährdung und Sachbeschädigung einhergegangen ist, wird ein Bußgeld ab 200 Euro erhoben. Außerdem erhält der Fahrer hierbei zwei Punkte im Fahreignungsregister und mindestens einen Monat Fahrverbot.

Mann steuert Pkw und blickt dabei auf das Smartphone
Extrem gefährlich – für den Fahrer selbst und die anderen Verkehrsteilnehmer: der kurze Blick aufs Smartphone. // Foto: (© stockasso/Shotshop.com)
 
Weitere Informationen