Arbeitssicherheit

UV-Schutz bei ExxonMobil

Was muss, das muss

UV-Schutz: für Unternehmen der Gewinnungsindustrie ein Hauptthema der Arbeitssicherheit, da dort viele Tätigkeiten unter freiem Himmel stattfinden. Auch in Rekordsommern wie dem letzten. Wie gehen solche Unternehmen damit um, welche Maßnahmen haben sich bewährt? Ortstermin bei unserem Mitgliedsbetrieb ExxonMobil in Voigtei zwischen Hannover und Bremen.

Ohne kommt hier keiner aufs Gelände. Selbst, wenn er nur reden und schauen will wie der STEINE+ERDEN Redakteur. Auch er muss eine Sicherheitsunterweisung durchlaufen, bevor er zum Interview mit der Sicherheitsfachkraft darf. Er sitzt zusammen mit Beschäftigten von ExxonMobil und – mehrheitlich – von Fremdfirmen. Alle erlernen oder frischen ihr Wissen auf, wie sie sich bei Gas- und Explosionsgefahr verhalten und mit der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) umgehen müssen. Nach knapp anderthalb Stunden absolvieren sie noch einen abschließenden Test, ohne den niemand einen Besucherausweis bekommt.

Christian Hahn, Sicherheitsfachkraft bei ExxonMobil, im Magazin vor dem Regal mit den UV-Schutzmitteln
Christian Hahn, Sicherheitsfachkraft bei ExxonMobil, im Magazin vor dem Regal mit den UV-Schutzmitteln. Jeder darf sich hier bedienen, auch Mitarbeiter von Fremdfirmen.

Die Sonne blitzt ab

An diesem Vormittag im August 2018 strahlt die Sonne. Nichts jedoch im Vergleich zu den letzten Wochen, als Hitze von weit über 30 Grad und extreme Trockenheit das Land ausgedörrt haben. Rund 100 Menschen arbeiten hier für ExxonMobil, mehr als die Hälfte davon regelmäßig auf den „Lokationen“, den Förderstellen für Öl und Gas in der Umgegend. Dort sind sie der Witterung ausgesetzt, auch der UV-Strahlung. Aber nicht schutzlos. „Auch wenn’s 35 Grad hat“, sagt Christian Hahn, Sicherheitsfachkraft in Voigtei, „tragen wir Helm, lange Arbeitskleidung, Schutzbrille, Handschuhe, knöchelhohe Sicherheitsschuhe. Unsere vorgeschriebene Ausrüstung, die beim Betreten der Lokationen nun mal sein muss. Da wird‘s schwierig für die Sonne.“

Trotzdem: Um UV-Schutz geht es regelmäßig bei verschiedenen Gesundheitsaktionen wie den monatlichen Sicherheitstagen, die ExxonMobil für die eigenen Mitarbeiter und für Vertreter von Fremdfirmen ausrichtet. „An diesen Tagen ruht das Alltagsgeschäft, Arbeits- und Gesundheitsschutz haben Priorität“, erläutert Hahn.

Kern der Sicherheitstage sind meist selbst entwickelte Präsentationen zu wechselnden Arbeitsschutzthemen. Vor kurzem hat Hahn einen Vortrag mit dem Titel „Sommer, Sonne, Urlaubszeit“ gehalten. Dabei kommen nicht nur Aspekte aus der Arbeitswelt zur Sprache, sondern auch aus der Freizeit. Grillunfälle etwa. Und die verschiedenen Hauttypen und ihre UV-Empfindlichkeit. Das sorgt dafür, dass die Beschäftigten auch in ihrem Privatbereich präventiv handeln. „Denn was nützt es, wenn die Leute ihre Vorsicht am Werkstor abgeben, zuhause leichtsinnig werden und dann erkranken“, sagt Christian Hahn. Er selbst werde von seiner Familie auch schon mal belächelt wegen seines Sicherheitsfimmels, etwa, wenn er darauf hinweist, beim Treppensteigen immer den Handlauf zu benutzen. Aber im Grunde funktioniert diese Aufklärungsarbeit: Niemand stellt die Wichtigkeit solcher Präventionsmaßnahmen ernsthaft in Frage.

Arbeiten an rohrleitungen.
Beschäftigte dürfen nur in vollständig bedeckender, per Vorschrift definierter Schutzkleidung und PSA auf die Förderstellen. Auch bei Hitze gibt es da keine Ausnahme – wohl aber sehr häufige Trink- und Erholungspausen.

Alle ziehen mit

Auch ihre zahlreichen „Kollegen auf Zeit“, die Mitarbeiter von Auftragnehmern, nehmen die ExxonMobil-Leute genau unter die Lupe. Christian Hahn besucht oft die Lokationen und prüft, ob die Bekleidungs- und PSA-Vorschriften sowie die verschriftlichten Arbeitsanweisungen eingehalten werden. Insgesamt ist er zufrieden: „Die Firmen, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten, sind mitgezogen. Andere Betriebe, gerade kleinere, haben manchmal leichte Startschwierigkeiten, weil sie dieses hohe Sicherheitsniveau nicht kennen. Aber das gibt sich schnell.“

Und schummelt auch wirklich niemand? „Garantieren kann man das nie“, sagt Hahn. „Aber allen ist eben auch klar: Bei Fahrlässigkeiten ziehen wir Konsequenzen.“ Dazu zählt ExxonMobil sogar lapidar Wirkendes wie das unerlaubte Aufkrempeln der Hemdsärmel. Es gibt eine Aufkrempel-Erlaubnis? „Bei Außentemperaturen über 26 Grad können wir die in der Gefährdungsbeurteilung, unserer Job-Sicherheits-Analyse JSA, für den jeweiligen Einsatzort niederschreiben“, erläutert Hahn. Bei ExxonMobil nimmt man sowas ganz genau – und kommuniziert das auch: „Wer bei uns anfängt, erklärt sich mit unseren Sicherheitsvorschriften einverstanden. Will jemand unser Auftragnehmer werden, muss er einschlägige Sicherheitszertifikate vorweisen und sicherstellen, dass er seinen Mitarbeitern unsere Richtlinien vermittelt. Wir suchen immer den Austausch.“ Bei allen Pflichten, ohne die eine gelingende Präventionsarbeit nicht auskommt, beweist ExxonMobil stets auch Verständnis und Entgegenkommen. Im Sommer 2018 etwa durften die Beschäftigten auf den Lokationen besonders viele Pausen machen; außerhalb des Geländes wurde Wasser zur Erfrischung ausgeteilt. Viel trinken ist nun mal der beste Schutz vor Dehydrierung und Überhitzung. Dass alle Mitarbeiter – die eigenen und die von Fremdfirmen – sich an den überall griffbereiten Spezial-Sonnencremes mit höchsten UV-Schutzfaktoren bedienen können, ist obligatorisch.

Medizinische Versorgung als Teil der Präventionsarbeit

Sensibilität für Risiken sowie Verantwortungsbewusstsein für sich und andere sind im Handeln der Mitarbeiter von ExxonMobil mittlerweile fest verankert. Darum markiere hier auch niemand den „harten Kerl“, der Prävention nicht braucht, sagt Hahn. Die Beschäftigten nehmen z.B. gern die Vorsorgeuntersuchungen wahr, für die das Unternehmen regelmäßig Betriebsärzte an seine Standorte holt. Außerdem können sie mit diesen Vertragsärzten auch Einzeltermine machen. Wartezeit: lediglich eine bis zwei Wochen. Ein Riesenvorteil gegenüber der ärztlichen Versorgung außerhalb des Werksgeländes. Das wissen die Mitarbeiter. Dem letzten Aufruf zum Hautkrebs-Screening folgten über 630 Personen. Und: Bei 1,4 Prozent wurde ein Hautkrebs im Frühest-Stadium diagnostiziert – früh genug für eine erfolgreiche Behandlung. Für Screenings und die tägliche medizinische Versorgung steht in Voigtei zusätzlich eine medizinische Fachkraft bereit, eine ausgebildete Krankenschwester, die ihre Patienten in einem Praxiszimmer behandelt.

Unterweisungsfolie zum Thema UV-Strahlung (Beispieldarstellung)
Unterweisungsfolie zum Thema UV-Strahlung (Beispieldarstellung)
Bei der Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit – hier Folien aus einem Vortrag zu einem Sicherheitstag – bezieht ExxonMobil das private Umfeld der Mitarbeiter ein. Denn auch „draußen“ sollen sie gesund und unfallfrei durchs Leben gehen.

Alles zählt – auch der Sonnenbrand

Meist kommen die Beschäftigten nicht mit dramatischen Symptomen, sondern mit Harmloserem wie – besonders jetzt im Spätsommer – Wespenstichen und Zeckenbissen. Aber weil auch die schlimme Folgen nach sich ziehen können, werden sie ernstgenommen und ins Verbandbuch eingetragen. Sonnenbrände und -stiche natürlich auch. Das Verbandbuch wird regelmäßig durchgesehen; nach ungewöhnlichen Ereignissen können offensichtliche Sicherheitslücken besser erkannt und geschlossen werden, etwa durch technische Lösungen oder intensivere Aufklärungsarbeit. „Safety Coaches“ – sozusagen die Schnittstellen zwischen Christian Hahn und den Kollegen-Teams – schreiben zudem jede Woche Teamkarten. Darin dokumentieren sie, welche Arbeitsschutz-relevanten Vorfälle es während der Arbeitswoche gab.

Und weil Fachwissen die Problemlösung nur fördern kann, hat ExxonMobil in seinem Intranet ein reiches Archiv von Medien rund um alle Arbeitsschutzthemen eingerichtet: die Sicherheitsseite „Safety – Health – Environment“, kurz SHE. Dort kann jeder Mitarbeiter alle Präsentationen der Sicherheitstage einsehen, Datenblätter und Formulare für die Gefährdungsbeurteilung finden – und auch eine Übersicht vom aktuellen Stand verschiedener Präventionsmaßnahmen bei ExxonMobil.

ExxonMobil kann also jede Menge Engagement und Praxishilfe für seine Mitarbeiter vorweisen, auch beim UV-Schutz. Honorieren die das denn auch? Christian Hahn bejaht das deutlich: „Sie erkennen darin unsere Wertschätzung.“

Und die lässt so manches verschmerzen. Sogar Vollbedeckung bei 35 Grad im Schatten.

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN