Unternehmensführung

Unternehmenskultur bei deutschen Weltmarktführern

Auslaufmodell Patriarchat

Weltmarktführer aus Deutschland verdanken ihre Stellung nicht zuletzt ihrer Unternehmenskultur. 75 Prozent der Spitzenunternehmen mit überdurchschnittlicher Rendite betrachten sie als entscheidenden Erfolgsfaktor. Weit seltener bauen Weltmarktführer mit nur durchschnittlicher Rendite auf diese Stärke: Hier spielt die Unternehmenskultur nur bei 56 Prozent eine herausragende Rolle. Bei Firmen mit unterdurchschnittlicher Performance sind es sogar nur 47 Prozent. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie „Best Strategy 2018“. Die Unternehmensberatung Staufen hat dafür insgesamt 210 deutsche Unternehmen befragt, die entweder in ihrer Branche oder ihrem Segment zu den Weltmarktführern zählen.

Insgesamt sind deutsche Spitzenunternehmen mit ihrer Rendite recht gut aufgestellt. Vier von zehn liegen über dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Branche. Noch kann mehr als die Hälfte der Firmen ihre herausragende Marktposition allerdings nicht in überdurchschnittliche Renditen ummünzen. Die Unternehmenskultur ist dafür eine zentrale Stellgröße. „Gerade viele mittelständische Weltmarktführer sind aus dem klassischen Unternehmertum heraus entstanden: Der gute Patriarch, der seine selbst gegründete Firma zwar als Familie versteht, aber klar den Ton angibt. Wenn dieser Visionär verschwindet, bleibt die hierarchische Organisation oft als leere Hülle zurück“, weiß Wilhelm Goschy, Vorstand bei Staufen. „In solchen Firmen dominiert dann häufig ein unbewegliches „Command & Control“-System, unter dem Motivation und Vertrauen der Mitarbeiter leiden - und damit eben auch die Performance.“

Tatsächlich wird laut der Staufen-Studie bei mehr als jedem dritten deutschen Weltmarktführer noch klar nach Hierarchie geführt.

Schon in naher Zukunft wird dieses Managementverständnis jedoch an seine Grenzen stoßen. Die Innovations- und Technologiezyklen beschleunigen sich rasant. Die einsamen Lenker an der Spitze, die auf der Basis von Informationsmonopolen ihre Führungsposition definieren, werden diese Geschwindigkeit bald nicht mehr mitgehen können. „Manager hinter verschlossenen Türen, die mehr auf Kennzahlen schauen als auf die Menschen in ihren Betrieben, sind ein klares Auslaufmodell. Führungskräfte gehören nah an die Wertschöpfung. Sie müssen sich als Mentoren verstehen, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Prozesse, Strukturen und Qualifikationen verbessern“, rät Staufen-Vorstand Goschy. Zu diesen bewährten Lean-Prinzipien treten zunehmend auch agile Methoden. „Dabei geht es für Führungskräfte vor allem darum, Macht abzugeben. Nur wer seine Mitarbeiter im ausreichenden Rahmen zu eigenen Entscheidungen befähigt, kann diese begeistern und ihr Potenzial heben“, so Goschy weiter.

Zeitenwende erkannt

Die Staufen-Studie „Best Strategy 2018“ zeigt, dass die Unternehmen diese Zeitenwende erkannt haben. 91 Prozent halten ein verändertes Führungsverhalten für eine Schlüsselkomponente ihrer Zukunftsfähigkeit. Der Grundstein ist damit gelegt. Und bei zwei Dritteln der Unternehmen, in denen es in den vergangenen drei Jahren deutliche Veränderungen gab, rückte die Unternehmenskultur bereits in den Fokus.

König
Viele KMU in Deutschland sind zu Weltmarktführern ihrer Branche aufgestiegen. Oft noch unter der Ägide autokratisch herrschender Inhaber nach dem (überholten) Führungsprinzip „Command&Control”. // Foto: (© info.zonecreative.it/Shotshop.com)
 
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