Am Gelde hängt doch alles!

Ulrich Meesmann

So, liebe Leserinnen und Leser, lautet in leicht abgewandelter Form ein Zitat aus Goethes „Faust“. Das klingt in dem folgenden Zusammenhang zwar ein wenig despektierlich, aber – Hand aufs Herz – ist es nicht so, dass dort, wo die Vernunft siegen soll, finanzielle Erwägungen unser Verhalten oft maßgeblich beeinflussen? Dies ist z.B. die Basis für den Schadensfreiheitsrabatt in der Kfz-Versicherung. Dort wird umsichtiges, rücksichtsvolles und damit unfallfreies Verhalten des Autofahrers im Straßenverkehr durch entsprechende Rabatte belohnt. Das gleiche Grundprinzip liegt aber auch dem Beitragsausgleichsverfahren der Berufsgenossenschaft zugrunde.

Der BG RCI ist es jetzt gelungen, die unterschiedlichen Bonus-/Malus-Systeme ihrer sechs Branchen zu harmonisieren. Für die Betriebe der Branchen Baustoffe – Steine – Erden ändert sich nur wenig, weil deren Verfahren als Referenzmodell für ein einheitliches System in der BG RCI diente. Es bleibt also bei einer Kombination von Nachlässen und Zuschlägen von jeweils bis zu 25 Prozent in jeweils fünf Stufen mit dazwischenliegender Neutralstufe. Betriebe ohne Unfallgeschehen werden mit einem entsprechenden Nachlass auf den Beitrag belohnt und motiviert, ihre Bemühungen um einen nachhaltigen Arbeits- und Gesundheitsschutz engagiert fortzusetzen. Betriebe mit nennenswertem Unfallgeschehen dagegen werden mit einem Beitragszuschlag belegt, um die Solidargemeinschaft der Beitragszahler nicht zu sehr mit den Folgekosten zu belasten.

Kerngedanke der Neukonzeption ist ferner, das Unfallgeschehen (meldepflichtige und nicht meldepflichtige Unfälle ohne Berufskrankheiten, die meist eine lange Latenzzeit haben) zunächst mit Punkten zu bewerten und über eine Weiterstufungsmatrix sowohl die individuell erreichte Bonus- oder Malus-Stufe in Abhängigkeit von der Relation aus Eigen- und Durchschnittsbelastung festzulegen. Ähnlich wie bei einem Kfz-Rabatt-Modell werden die Regeln zur jährlichen Vor- und Rückstufung definiert. Ein sogenannter Rabattretter sorgt dafür, dass ansonsten „gute“ Betriebe bei einem einmaligen Unfallereignis geschont werden.

Eine besondere Funktionalität stellt die jährliche statistische Auswertung für jedes Mitgliedsunternehmen dar („Wo steht mein Unternehmen“), deren Ergebnisse Vergleichsmöglichkeiten bieten und voraussichtlich in Form einer Extranet-Lösung zur Verfügung gestellt werden.

Das neue Beitragsausgleichsverfahren soll zum 1. Januar 2018 in Kraft treten. Es hat die verschiedenen Ausschüsse durchlaufen, der Vorstand der BG RCI hat ihm am 18. Mai 2017 zugestimmt und nun muss es nur noch von der Vertreterversammlung am 6. Juli 2017 beschlossen werden. Wenn dann das Bundesversicherungsamt die Genehmigung erteilt, kann es für das Umlagejahr 2018 bei der Beitragsabrechnung im Frühjahr 2019 erstmals wirksam werden. Eine Kommunikationskampagne wird die Einführung des für viele Betriebe neuen Verfahrens begleiten.

So hoffe ich, dass das harmonisierte Beitragsausgleichsverfahren maßgebend dabei hilft, unserer Vision einer unfallfreien Arbeitswelt ein gutes Stück näher zu kommen!

Herzlichst Ihr
Ulrich Meesmann