Industrienachrichten

Arbeitstagung von ISTE und BIV in Telfs

Rohstoffgewinnung und Naturschutz – keine Widersprüche

Der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) und sein Mitveranstalter, der Bayerische Industrieverband Steine und Erden e.V. (BIV), luden nach Telfs zur ersten Arbeitstagung 2017 ein. Schwerpunkte waren Rohstoffsicherung und Naturschutz sowie die Herausforderungen durch die politische Weltlage.

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, griff dieses Thema auf. Er bekannte sich klar zum Abbau heimischer mineralischer Rohstoffe, legte aber auch großen Wert auf den bewussten und nachhaltigen Umgang mit ihnen: „Ressourceneffizienz ist unabdingbar. Wir wollen ja auch in hundert Jahren noch über Rohstoffe verfügen und sie abbauen können.“ Planungssicherheit, regionaler und dezentraler Abbau und einfachere gesetzliche Vorschriften seien im Interesse aller und deshalb zentrale Elemente in der Rohstoffstrategie des Landes, welche derzeit in seinem Haus entwickelt werde. Auch führe man zum Anliegen der Industrie, die Planungszeiträume zu verlängern, gute Gespräche miteinander.

Einen anderen Zugang zum Thema Natur wählte der Regensburger Botaniker Prof. Dr. Peter Poschlod. Er analysierte die Mechanismen und Prozesse, die zur Entstehung der mitteleuropäischen Kulturlandschaft geführt haben. Ausschlaggebend sei deren intensive Gestaltung durch die Menschen gewesen, als diese seit der Jungsteinzeit, also erstmals vor rund 12 000 Jahren, aus dem Gebiet des „fruchtbaren Halbmondes“, nach Nordwesten gezogen seien. Grund für die Völkerwanderungen aus dem Nahen Osten: Klimaveränderungen! An der Nordsee hätten einmal mediterrane Temperaturen geherrscht. Das könnte – vielleicht aus anderen Gründen – in Zukunft wieder der Fall sein. Poschlod plädierte dafür, Klima und Klimawandel mehr als Chance zu begreifen. Man solle unseren heutigen Lebensraum und seine aktuelle Artenvielfalt als Kulturerbe begreifen.

Blick in eine ungewisse Zukunft

Der Nahe Osten spielte auch bei einem Referenten eine wichtige Rolle, welchen auf den ersten Blick rein gar nichts mit der Rohstoffindustrie verbindet: Dr. Karl-Heinz Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS). Bürgerkriege, Flüchtlingsströme, islamistischer Terror, Machtstreben Russlands ... solch eine Gemengelage von Bedrohungen habe er auch noch nicht erlebt. Hinzu komme eine tiefe Krise der EU und eine unberechenbare Führung in den USA.

In den MENA-Staaten (Middle East and North Africa) seien die Konflikte über alles hinausgegangen, was man bis dahin gesehen habe. Erodierte Staaten böten keine potenziellen Verhandlungspartner mehr; Konflikte drohten zu metastasieren.

Vor diesem Hintergrund habe islamistischer Terror leichtes Spiel. Kamp betonte aber, dass Flüchtlinge, die etwa in Deutschland um Asyl bäten, keineswegs mit diesem Terror gleichgesetzt werden dürften. Die sogenannten Gefährder seien zum größten Teil schon lange im Land.

Mit Blick auf die Europäische Union sagte der BAKS-Präsident, dass die EU durchaus scheitern könne. Manche Mitgliedsländer schöben ihre eigene Reformunwilligkeit Brüssel in die Schuhe. Ein „Weiter so!“ führe nicht in die Zukunft. Deutschland müsse deshalb eine verantwortliche Außen- und Sicherheitspolitik betreiben, und zu der gehörten auch Investitionen.

Teilnehmer bei einer Tagung, ein Mann steht mit einem Mikrofon in der Hand
An der Tagung in Telfs nahmen mehr als 270 Interessierte teil.
 
Weitere Informationen