Unternehmensführung

Beraterbefragung im Rahmen des Projekts „Prävention 4.0“

Mittelstand(sberatung) im digitalen Wandel

In die Untersuchung einbezogen wurden insgesamt 845 BeraterInnen. Zum einen Mitglieder des VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e. V., zum anderen BeraterInnen der Handwerkskammern und Fachverbände des Zentralverbands des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) sowie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (ifaa).

Während naturgemäß größere Betriebe über interne Berater verfügen, konzentrieren externe Berater ihre Aufmerksamkeit eher auf kleine Unternehmen. Diese Differenzierung ist insofern von Interesse, als kleine und große Unternehmen einen unterschiedlichen Digitalisierungsgrad aufweisen und auch eine unterschiedliche Ansprache im Digitalisierungsprozess benötigen. Das Thema „Arbeitswelt 4.0“ spielt in der Beratungspraxis heute noch eine eher untergeordnete Rolle, wie die Befragungsergebnisse zeigen: Nur 2,0 Prozent der externen und 8,0 Prozent der betriebsinternen BeraterInnen stufen die Bedeutung des Themas als sehr groß ein. Zukünftig schreiben jedoch sowohl die externen (12,3 %) als auch die internen BeraterInnen (21,9 %) dem Thema „Wirtschaft 4.0“ eine deutlich höhere Relevanz zu. Dabei fällt die Größenabhängigkeit auf: Je kleiner das Unternehmen, desto geringer schätzen die BeraterInnen das Thema 4.0 ein. Bei großen Unternehmen wird das Thema hingegen ungleich stärker verortet.

Unternehmen nutzen digitale Technologien

Mehr als die Hälfte der Betriebe, die extern beraten werden, nutzen bereits digitale 4.0-Technologien (59,1 %). In Betrieben, die intern beraten werden, beträgt dieser Anteil sogar zwei Drittel. Häufig kommen Smartphones zum Einsatz, aber auch Systeme wie Sensoren an Arbeitsmitteln werden bei gut einem Fünftel der Betriebe genutzt.

Neue Anforderungen: Psychische Belastungen steigen, körperliche nehmen ab

Fast drei Viertel (71,3 %) der Befragten verbinden mit Arbeit 4.0 neue Belastungen und Gefährdungen. Dabei stehen vor allem die psychischen Belastungen im Vordergrund: Für 43,4 % der Befragten werden diese in der Zukunft stark zunehmen. Auch kognitive Belastungen werden ansteigen, so das Urteil von mehr als der Hälfte der Befragten (52,1 %). Bei den körperlichen Belastungen kehrt sich dies um: Für ein Fünftel der BeraterInnen nehmen diese mit der digitalen Transformation stark ab. Als ein Grund werden die Assistenzsysteme, wie z. B. Exoskelette oder Wearables gesehen, die körperliche Belastungen reduzieren sollen, jedoch auch neue Anforderungen beim sachgemäßen Einsatz mit sich bringen. Somit verlagert sich die Beanspruchung weg vom physischen hin zum psychischen.

Chancen durch neue Technologien

Neben der potenziellen Reduktion körperlicher Belastungen und Gefährdungen bieten diese neuen Technologien weitere Chancen. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass Arbeit 4.0 neue Potenziale / Ressourcen zur Förderung der Leistungsfähigkeit mit sich bringt. Immerhin noch mehr als ein Drittel der BeraterInnen prognostizieren eine bessere Erfassung von Belastungen und Gefährdungen. Bereits heute nutzen 41,2 % der internen und 31,5 % der externen BeraterInnen Instrumente zur digitalen Datenerfassung für die Gefährdungsbeurteilung.

Auf veränderte Situation angemessen reagieren

79,4 % der Befragten befürworten neue bzw. angepasste Maßnahmen, um auf die veränderte Belastungssituation angemessen reagieren zu können. Hierzu sollten auch die Führungskräfte einbezogen werden. Diese sind aus Sicht der Mehrheit der BeraterInnen (58,1 %) nicht ausreichend auf veränderte Führungsaufgaben durch Arbeit 4.0 / Prävention 4.0 vorbereitet.

Unterstützung der Betriebsberatung tut Not

Momentan beraten nur knapp ein Fünftel der Befragten aktuell zum Thema „4.0“, über die Hälfte (53,9 %) möchte jedoch zu diesem Thema beraten. Allerdings sehen die BeraterInnen für den erforderlichen Aufbau der Handlungskompetenz weiteren Unterstützungsbedarf: Sie wünschen sich Informationsmaterialien (84,1 %) und Checklisten, Praxishilfen (82,4 %), Best-Practice (79,7 %) oder Weiterbildung (79,5 %).

Projekt „Prävention 4.0“ greift Handlungsbedarfe auf

Das Forschungsprojekt „Prävention 4.0“ hat zum Ziel, niederschwellige Instrumente und Unterstützungsangebote für KMU und ihre Betriebsberater zu erarbeiten, um die sich u. a. aus der Befragung erforschten Bedarfe zu befriedigen. Ein Handlungsleitfaden sowie eine Expertise rund um das Thema „Arbeitsgestaltung in der Wirtschaft 4.0 sollen KMU und deren BeraterInnen helfen, den Herausforderungen 4.0 mit adäquatem „Rüstzeug“ zu begegnen.

Die Erhebung ist nicht repräsentativ. Durchgeführt wurde sie im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „Prävention 4.0“, das sich aus Vertretern der Bereiche Wissenschaft, Mittelstand und Handwerk, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie Sicherheitsingenieuren zusammensetzt. Hier werden Handlungsempfehlungen und Leitlinien für eine präventive Arbeitsgestaltung in der Arbeitswelt 4.0 entwickelt, damit die Akteure in kleinen und mittleren Betrieben die Potenziale der betrieblichen Prävention in der digitalisierten Arbeitswelt wirkungsvoll nutzen können.

 
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