Arbeitssicherheit

UV-Belastung bei Arbeiten im Freien

Der Sommer birgt Gefahren

In der Gesteinsindustrie erfolgt ein großer Teil der Arbeiten unter freiem Himmel. Die rauen Arbeitsbedingungen führen sowohl zu hohen Unfallgefahren als auch zu gesundheitlichen Belastungen. Witterungseinflüsse und abrasive Produkteigenschaften stellen Belastungsfaktoren dar. Insbesondere in den Sommermonaten birgt die im Sonnenlicht enthaltene UV-Strahlung eine Gefährdung für die menschliche Haut.

Mann in Overall und Helm im Steinbruch hat die Hände an den Wangen; daneben ein Muldenkipper
Auch wenn die Hitze drückt: Bedeckungen wie Helm, Nackenschutz, lange Ärmel und Hosenbeine sind immer noch der beste UV-Schutz. Sonnencremes bieten sich vor allem fürs Gesicht an, haben aber nur für rund zwei Stunden volle Wirkung. // Foto: © DGUV

Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Aufnahme der Berufskrankheit 5103 „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“ in die Berufskrankheiten- Verordnung. Hierin werden Erkrankungen durch Beschluss des Gesetzgebers aufgenommen, wenn bestimmte Personengruppen durch ihre Tätigkeit in erheblichem Grade mehr bestimmten Gefährdungen ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung. Der Krankheitsverlauf der BK 5103 kann von Person zu Person variieren. Hautveränderungen verschieden schwerer Grade treten in der Regel an unterschiedlichen sonnenbeschienenen Körperpartien auf. Zunächst kommt es zu Hautveränderungen, den sogenannten aktinischen Keratosen. Diese stellen eine Krebsvorstufe dar, sind jedoch bei frühzeitiger Erkennung behandelbar. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zum sogenannten Plattenepithelkarzinom kommen. Üblicherweise treten die Symptome erst nach langjähriger Exposition auf. Daher kommt der Prävention die wichtigste Bedeutung, danach der Früherkennung die nächstwichtige Bedeutung zu.

Die Berufskrankheit BK 5103 rangierte im Jahre 2017 an siebter Stelle der meist angezeigten Berufskrankheiten bei den Versicherten der BG RCI. Seitdem die Erkrankung im Jahre 2014 anerkennungsfähig wurde, ist ein stetiger Aufwärtstrend in den angezeigten Verdachtsfällen erkennbar. Die Karenzzeit bis zum Eintreten der Erkrankung beträgt häufig mehrere Jahrzehnte. Daher sind häufig Personen betroffen, die bereits im Rentenalter sind.

Gefährdungen verringert

Die Belastungen zu früheren Zeiten waren im Bereich der ehemaligen Steinbruchs- und der Bergbau-Berufsgenossenschaften dadurch geprägt, dass viele Arbeiten händisch in den Gewinnungsbetrieben ausgeführt wurden. In Steinbrüchen, in denen früher Hunderte von Mitarbeitern gefährdend tätig waren, sind heute nur noch wenige Mitarbeiter tätig. Diese steuern häufig große Erdbaumaschinen oder andere Gewinnungsgeräte. Die Gefährdungen beim Aufenthalt in Fahrzeugen sind jedoch durch die abschirmende Wirkung der Fahrzeugverglasung vernachlässigbar. Somit sind die heutzutage auftretenden Gefährdungen in vielen Fällen geringer als in früheren Zeiten. Aber auch heute noch gibt es Arbeitsplätze, an denen mit einer erheblichen UV-Gefährdung zu rechnen ist. Typischerweise gefährdet sind Arbeitsplätze in der händischen Gewinnung in Steinbrüchen, die Arbeit der Sprengberechtigten sowie Mitarbeiter, die sich als Betriebsschlosser oder Anlagenwärter häufig in Aufbereitungsanlagen oder Förderstrecken im Freien aufhalten.

Broschürentitel, dieser mit einem foto von Wolken und Sonne
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Ermittlung der Gefährdungen

Die Strahlenexposition durch UV-Licht führt sowohl in der Freizeit als auch im Berufsleben zu unterschiedlich starken Hautbelastungen. Die zu einer Gesundheitsgefährdung führende Sonnenstrahlung wird in Form der Bestrahlungsdosis gemessen. Da Mitarbeiter, die im Freien arbeiten, häufig durch ihre Tätigkeiten an einen Ort gebunden sind und nicht immer Schutzmaßnahmen ergreifen können, ist deren berufliche Belastung höher bewertet als die Belastung, der jedermann während seiner Freizeit ausgesetzt ist. Als Maß der Bestrahlung gilt die Standard-Erythemdosis, 1 SED = 100 J/m² erythemgewichtete Bestrahlung.

Im privaten Bereich wird die UV- Belastung per Übereinkunft mit 130 SED pro Jahr angesetzt. Für berufliche Tätigkeiten wird eine jährliche solare Erythemdosis von 300 SED angenommen. In der Regel findet die meiste UV-Belastung tagsüber durch die Sonne statt. In dieses Zeitfenster fallen die meisten Tätigkeiten im Freien. Zur Anerkennung der Berufskrankheit BK 5103 wird vorausgesetzt, dass die gesamte UV-Strahlendosis, die während der beruflichen Tätigkeit auf den Menschen einwirkt, mindestens 40 Prozent der Dosis ausmacht, die bis zum Eintreten der Erkrankung im privaten Bereich auf die Person eingewirkt hat. Die rechnerische Bestimmung der jährlich durch natürliche UV-Strahlung hervorgerufenen Belastung richtet sich darüber hinaus nach weiteren Einflussgrößen. Diese beziehen sich im Wesentlichen auf zeitliche Faktoren, die Schichtarbeit oder tageszeitliche Schwerpunkte berücksichtigen, geografische Faktoren, die sich aus der Lage des Arbeitsplatzes ergeben, sowie persönlichen Faktoren, wie z.B. durch Schutzmaßnahmen, die durch Fahrzeugverglasung oder Ähnlichem hervorgerufen werden. Um die Größe dieser Einflüsse abzuschätzen, wurden Messungen an Arbeitsplätzen in der Gewinnungsindustrie durchgeführt. Mit UV-Dosimetern wurden die Belastungen gemessen, denen Mitarbeiter ausgesetzt waren. Hierbei zeigte sich, dass insbesondere Mitarbeiter, die die erwähnten Tätigkeiten in Steinbrüchen ausführen, überdurchschnittlich – teilweise mit mehr als 500 SED – belastet sind.

Tab. 1: Der UV-Index (UVI) und daraus abzuleitende Schutzmaßnahmen
Tabelle 1: Der UV-Index (UVI) und daraus abzuleitende Schutzmaßnahmen. // Tabellen: © BAuA / BG RCI

Prävention

Um Mitarbeiter wirksam zu schützen, muss die Gefährdungsbeurteilung auch in Bezug auf die UV-Belastung bei der Arbeit im Freien durchgeführt werden. Einen groben Anhalt darüber ob UV-Strahlung gefährlich ist, kann die sogenannte Schattenregel („Ist der Schatten kürzer als die Körperhöhe, sind Schutzmaßnahmen für die Haut und die Augen empfohlen!“) geben. Hier ist der Einfallswinkel der Sonne ein Maß für die Intensität der Sonnenstrahlung. Einen weiteren Hinweis auf die Intensität der Sonnenstrahlung liefert der sogenannte UV-Index, der die Gefährlichkeit von UV-Strahlen in einer Skala bemisst (siehe Tabelle 1). Die jeweils aktuellen UV-Indizes lassen sich aus den meteorologischen Nachrichten, aus der Tagespresse bzw. Online über eine Wetter- App abrufen. Unkritisch sind UV- Indizes von 0 bis 2. Ab UV-Index 3 sind für Personen hellen Hauttyps bei Arbeiten im Freien Schutzmaßnahmen erforderlich. Schutzmaßnahmen können technischer, organisatorischer oder auch persönlicher Art sein.

Technische Schutzmaßnahmen, die vorrangig eine Verschattung der Arbeitsplätze zum Ziel haben, erreichen die größte Wirksamkeit. Dies lässt sich durch Arbeiten in Hallen, durch Aufstellen von Sonnensegeln, Sonnenschirmen oder entsprechenden Planen bewerkstelligen. Ebenfalls wirksam ist der Aufenthalt in verglasten Kabinen, wie z.B. Kabinen von Fahrzeugen und Erdbaumaschinen. Hierbei ist jeweils auf eine gute Belüftung der Arbeitsbereiche zu achten, da auch die bloße Hitzeeinwirkung zu Gesundheitsgefährdungen wie Hitzschlag und Sonnenstich führen kann.

Organisatorischen Schutzmaßnahmen beziehen sich im Wesentlichen auf die Vermeidung von Arbeiten in den stark sonnigen Tageszeiten. Die Verlegung der Tätigkeiten im Freien in die Morgen- und Nachmittags- bzw. Abendstunden bietet sich an. Ebenso ist eine jahreszeitliche Planung von Arbeiten denkbar. Pausenregelungen sollen die erhöhten Belastungen berücksichtigen. Persönliche Schutzausrüstung, UV-Schutzmittel und Getränke (Trinkwasser) müssen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist die Information der Mitarbeiter über die Gefährdungen wichtig, um entsprechende Verhaltungsänderungen zu erreichen. Das Thema Unterweisung spielt hier eine wesentliche Rolle.

Tab. 2: Hauttypen und ihre UV-Empfindlichkeit
Tabelle 2: Hauttypen und ihre UV-Empfindlichkeit.

Persönliche Schutzmaßnahmen

Sofern Arbeitsplätze nicht durch organisatorische oder technische Maßnahmen entschärft werden können, sind persönliche Maßnahmen erforderlich. Hierbei ist darauf zu achten, dass alle sonnenbeschienenen Körperteile geschützt werden. Dies fängt bei den Füßen an und endet bei den Händen und beim Kopf.

Nicht jeder Mensch besitzt denselben Hauttyp und ist gleichermaßen anfällig für die schädigende Wirkung der UV-Strahlung. Daher ist besonders für Personen mit hellem Hauttyp (siehe Tabelle 2) wichtig, die sogenannte Eigenschutzzeit zu beachten. Diese bemisst den Zeitraum bis zum Eintritt einer Schädigung der ungeschützten Haut durch die UV- Strahlung. Sollte diese Eigenschutzzeit durch den Aufenthalt und die damit verbundene UV- Belastung überschritten werden, sind bereits im Vorfeld Maßnahmen zu treffen. Dies gilt in Deutschland an etwa 200 Tagen im Jahr, an denen der UV-Index > 3 ist. Neben geschlossener Kleidung (schon einfache Baumwollhemden bieten hier ausreichend Schutz), sind Kopf-, Nacken- und Gesichtsschutz erforderlich. Der Einsatz von Helmen mit Nackenschutztüchern schützt sowohl den Kopf als auch Nacken und Ohren. Langärmlige Hemden schützen Oberkörper und Arme. Lange Hosen und geschlossene Schuhe schützen Beine und Füße. Sofern sich durch diese Maßnahmen nicht alle Körperpartien sicher schützen lassen, bleibt der Einsatz von Lichtschutzpräparaten. Diese haben jedoch eine begrenzte Wirkung und müssen alle zwei Stunden nachgecremt werden, um die Schutzwirkung zu erhalten. Erneutes Auftragen verlängert nicht die Gesamtschutzzeit, auch wasserfeste Präparate verlieren bei Kontakt mit Wasser ihre ursprüngliche Schutzwirkung und müssen durch neues Auftragen ergänzt werden.

Martin Böttcher, BG RCI

 
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