Unternehmensführung

Personalberater Zander über flexible Arbeitszeitmodelle

Hey Chef, kann ich ma frei?!?

Auf der Zukunft Personal Nord hielt der Geschäftsführer der SZZ-Beratung für Arbeitszeit und Personaleinsatzplanung, Guido Zander, den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Hey Chef, kann ich ma frei?!?“. Dabei präsentierte er seine Erfahrungen und Anekdoten aus über zwanzig Jahren Beratungspraxis zur Arbeitszeitgestaltung mit einem Augenzwinkern – und zeigte auf, welche Chancen flexible Arbeitszeitmodelle tatsächlich bieten.

Guido Zander nennt gleich mehrere Gründe, warum sich viele Unternehmen so schwer mit flexiblen Arbeitszeitmodellen tun: Zum einen gebe es immer wieder eine Minderheit von Mitarbeitern, die flexible Regelungen auf die Spitze treiben und ausnutzen, was meist den Abbau von Freiheit und Flexibilität zur Folge hätte. Zum anderen würden sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer häufig Veränderung scheuen. „Das führt dazu, dass man erst über Veränderungen im Arbeitszeitmodell nachdenkt, wenn die Schmerzen schon sehr groß sind“, sagt er. Dies sei aufgrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel momentan allerdings der Fall, weshalb die Nachfrage kontinuierlich steige.

Bedarf ermitteln, Flexibilität honorieren

Für Zander ist der Flexibilitätsbedarf des Unternehmens das Entscheidende, wobei es auf das Geschäftsmodell und die Branche ankomme: „Wenn im Unternehmen während der Sommermonate die Auftragslage abflaut, ist es möglich, dass viele Mitarbeiter gleichzeitig Urlaub nehmen. Ein Hersteller von Softeis hingegen wird seinen Mitarbeitern diesen Wunsch nicht erfüllen können“, gibt er als Beispiel. Durch Big-Data-Analysen und zuverlässige Forecasts können Unternehmen noch mehr Planungssicherheit herstellen. Zusätzlich schlägt er verschiedene Flexibilitätsmodelle innerhalb eines Unternehmens vor. So könne man zum einen dem Wunsch vieler Mitarbeiter nach lebensphasenorientiertem Arbeiten entsprechen und zum anderen die Gesamtflexibilität des Unternehmens steigern.

Zeiterfassung bleibt wichtig

Trotzdem könne nicht gänzlich auf Zeiterfassung verzichtet werden, denn sie sei Basis für Kalkulation, Planung und Personalbedarfsanalysen. Und auch für die Bezahlung sei es wichtig, nicht nur nach Leistung zu gehen, sondern auch immer die Zeit im Blick zu behalten, denn: „Es darf mir als Arbeitgeber nicht egal sein, wenn der Mitarbeiter zur Zielerreichung andauernd 50 Stunden pro Woche arbeiten muss. Die Ziele müssen angemessen sein.“

Planung, Regeln und Grenzen

Die Flexibilität dürfe auch nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer ihr Privatleben nicht mehr planen können. „Die Mitarbeiter sollen zwischen den vorhandenen Modellen bewusst das wählen können, was sie in der aktuellen Lebenssituation auch tatsächlich leisten können“, so Zander. Das sei auch aus rein wirtschaftlicher Sicht ratsam - denn überforderte Mitarbeiter werden öfters krank und wechseln häufiger das Unternehmen. Eine qualifizierte Stelle neu zu besetzen sei mit Kosten von bis zu einem Jahresgehalt verbunden. Sein Fazit: „Die neue Art der Arbeit kann sehr gut funktionieren, aber man braucht klare Regeln dafür. Dazu gehören Urlaubsanspruch und Vereinbarungen bezüglich Zielen und Arbeitszeit, die sich allerdings teilweise erheblich von den derzeit etablierten Regelungen unterscheiden.“

Junger Mann mit Mädchen auf den Schultern
Flexible Arbeitszeitmodelle nehmen Rücksicht auf die Lebensphasen des Mitarbeiters – etwa wenn seine Kinder noch klein sind und viel Zeit beanspruchen. // Foto: © Robert Kneschke - stock.adobe.com
 
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