Technik

Erweiterung des August Horch Museums in Zwickau

Leichtbeton für schwere Lasten

Um 114 Jahre Automobilgeschichte dokumentieren zu können, wurde die Ausstellungsfläche des August Horch Museums auf 6.500 Quadratmeter verdoppelt. Um schwere Lasten der Oldtimer zu tragen, wurden die Betondecken des historischen Baus mit Leichtbeton ertüchtigt.

Nicht nur gestalterisch, auch technisch erzählen Autos eine besondere Geschichte. Im August Horch Museum in Zwickau ist automobile Identität und Authentizität besonders spürbar. Als eines von nur zwei kraftfahrzeugtechnischen Museen in Deutschland hat dieser Ausstellungsort seinen Sitz an einer früheren Fertigungsstätte. Bereits über 850.000 Besucher aus der ganzen Welt konnten im ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens dem Pioniergeist und Erfindungsreichtum des Automobilbaus nachspüren. 80 Großexponate sowie eine Vielzahl automobilbezogener Kleinobjekte sind in szenische Darstellungen einbezogen und bieten einzigartigen Einblick in ihre Entstehungszeit mit entsprechenden Hintergründen.

Seit September 2017 steht für alle mit Zwickau verbundenen Fahrzeugmarken mit 6.500 Quadratmetern mehr als doppelt so viel Ausstellungsfläche zur Verfügung wie vor der Erweiterung. Neu dazu kommen etwa Trabants und Prototypen, die während der DDR-Zeit entwickelt und nie in Serie gebaut wurden. Die zusätzliche Fläche konnte durch den Umbau eines weiteren, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, das sich perfekt für die Darstellung sächsischer Automobilgeschichte eignet, gewonnen werden. Der Bau ist vor über 100 Jahren errichtet worden und diente bis in die jüngste Vergangenheit ebenfalls überwiegend dem Automobilbau. Verbunden werden das bestehende Museum und das Erweiterungsgebäude durch einen Zwischenbau, der neben dem Übergang das Museumsrestaurant, Küchen- und Sanitärräume enthält.

Ein Auto in einem Museum
Im Erweiterungsbau, der z.T. schwere Lasten zu tragen hat, wurden Decken und Böden mit hochfestem Leichtbeton verstärkt. // Foto: © HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

Rezeptur mit Leichtzuschlägen

3.500 Quadratmeter Bodenfläche waren in dem denkmalgeschützten Bau für Ausstellungszwecke zu verstärken. Um die teils schweren Lasten der Fahrzeuge und Industrieanlagen zu tragen, mussten die alten Betondecken bei gleichbleibendem Höhenaufbau ertüchtigt werden. Statiker, Bauherr und Denkmalschutz entschieden sich für einen Leichtbeton LC30/33 mit einer Rohdichte von 1,8 kg/dm³. Ein Kubikmeter dieses Betons wiegt 1.800 Kilogramm und bleibt damit, bei ausreichender Festigkeit, deutlich unter dem Gewicht eines normalen Betons. „Erreicht wird die Gewichtsreduktion durch eine Rezeptur mit Leichtzuschlägen, in diesem Fall Blähschiefer und poröses Vulkangestein“, erläutert René Kruspe von Heidelberger Beton aus dem Spezialproduktewerk in Zwickau. „Eigentlich lässt sich so ein Leichtbeton nicht ohne Probleme mit einer Schlauchleitung pumpen“, fährt er fort, „daher haben wir im Werk verschiedene Versuche gefahren und einen LC entwickelt, der geschmeidig und damit pumpfähig ist. Beim Einbau bedurfte es Feingefühl: Der Leichtbeton musste – ohne zu verstopfen – durch einen Schlauch mit 65 Millimetern Durchmesser über ein Fenster in das erste Geschoss gefördert werden. Mitarbeiter von Elmas Fußbodentechnik, die auf den Einbau von Industrieböden spezialisiert sind, rüttelten den Leichtbeton mit Rüttelflaschen. Nach zwei bis drei Stunden wurde der Leichtbetonboden abgescheibt, um eine ebene Fläche zu erhalten. „Wann der richtige Zeitpunkt ist, haben die Männer im Gefühl“, so René Kruspe, „das hängt von verschiedenen Faktoren, etwa der Zusammensetzung des Betons und der Temperatur, ab.“ Damit das Wasser an der Oberfläche nicht zu stark verdunstet, die Feuchtigkeit ausreichend im Beton bleibt und dieser in Ruhe abbinden kann, wurde der Boden vollflächig mit Folie abgedeckt.

Insgesamt wurden innerhalb von zwei Monaten viermal zirka 550 Quadratmeter große Abschnitte gepumpt und 270 Kubikmeter Leichtbeton verarbeitet, wobei jeweils an die vorhandene Kante des vorigen Abschnitts angeschlossen werden konnte. Als Oberflächenschutz ist auf den fertigen Leichtbetonboden abschließend eine millimeterdünne Schicht Epoxidharz gegossen worden. Auch hier gilt es, bauphysikalische Details zu berücksichtigen, nur unter deren Berücksichtigung wird ein perfektes Endergebnis erzielt. So darf zum Beispiel die Beschichtung erst dann ausgeführt werden, wenn der Beton die vorschriftsmäßige Restfeuchte erreicht hat und die erforderliche Oberflächenzugfestigkeit aufweist.

Der neue Erweiterungsbau – gebaut vom weltweit agierenden Atelier Brückner aus Stuttgart und in Szene gesetzt mittels Ausstellungsarchitektur von Ö-Konzept aus Zwickau – schafft Raum für die packende Präsentation weiterer spannender Ausschnitte aus der Blütezeit des Automobils. Hier kann Geschichtliches über die westsächsische Automobilindustrie ebenso aufgespürt werden wie der Fortschritt der Autoindustrie der Nachkriegsjahre. Seit 1904 ist Zwickau mit dem Namen Horch, ab 1910 mit Audi – lateinisch für hören, horchen – verbunden. Die Entwicklung der Fahrzeugtechnologie in der DDR ist also ebenso Thema wie die moderne Ausrichtung der Automobilproduktion seitens der neu gegründeten Volkswagen Sachsen GmbH im Zwickauer Stadtteil Mosel und in Chemnitz ab 1990. Im Museum ist nun auch Platz für die weltweit einzig verbliebene Fertigungsanlage zur Herstellung von Duroplast für den Trabant.

 
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