Arbeitssicherheit

VISION ZERO bei der RAG

„SICHERHEIT! Denk daran, bevor du loslegst.“

Unter diesem Slogan bündelt die RAG Aktiengesellschaft in den Jahren 2016 bis 2019 ihre innerbetriebliche Präventionskampagne sowie verschiedenen Maßnahmen zur Organisation des Arbeitsschutzes und spricht zentrale Zielgruppen an – sowohl über mediale Kommunikationswege als auch persönlich mit verschiedenen Qualifizierungs- und Mitmachformaten. Damit beteiligt sie sich an der Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle - gesund arbeiten!“ der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI).

Seit Jahren stellen Vorstand und Unternehmensleitung der RAG die Sicherheit und die Gesundheit bei der Arbeit dem Produktionserfolg gleich. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Unfallgeschehen in den letzten Jahren weist insgesamt einen positiven Trend auf – im Zeitraum von 1995 bis 2015 gingen die Arbeitsunfälle pro 1.000.000 Arbeitsstunden von 57,7 auf 4,4 deutlich zurück. Viele technische, organisatorische und personale Einzelmaßnahmen sowie Schulungen und Unterweisungen der Beschäftigten wurden damit erfolgreich umgesetzt. Die Bestrebungen der RAG, die gute Entwicklung zu fördern, richten sich nun auf neue Herausforderungen und Risiken, die sich auf die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auswirken können. Dazu zählen der Wandel in der Arbeitswelt, die veränderte Altersstruktur der Beschäftigten (viele sind älter als 45 Jahre), die Mitarbeit von Partnerfirmen und die zunehmende Zahl von Beschäftigten, die aufgrund von Standortschließungen pendeln müssen. Daneben befindet sich die RAG in einer besonderen Situation: Mit Ablauf des Jahres 2018 endete die Kohlenförderung, was mit der Schließung der noch bestehenden Zechen einhergeht. In den Jahren 2019/20 soll schließlich der Rückbau der Anlagen erfolgen. Vor diesem Hintergrund hat die RAG im Jahr 2015 beschlossen, mit einer eigenen Kampagne auf die Themen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit aufmerksam zu machen.

Ziele und Maßnahmen der Kampagne

In der Kampagne werden verschiedene Maßnahmen der Prävention kombiniert und zentrale Zielgruppen angesprochen – sowohl über mediale Kommunikationswege als auch persönlich. Alle Leistungen und Maßnahmen werden dabei strategisch geplant und aufeinander abgestimmt. Präventionsaktivitäten lassen sich so intensiv und wirksam in den Fokus nehmen, um einzelne Präventionsziele und das Gesamtziel der Kampagne zu erreichen.

Folgendes will die RAG mithilfe der Kampagne erwirken:

Die Kampagne richtet sich sowohl an die Beschäftigten der RAG als auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Partnerfirmen. Thematisch fokussiert die Präventionskampagne auf identifizierte Unfallschwerpunkte der RAG: „Fahrungsunfälle*“, „Handlingsunfälle“, „Wegeunfälle“, „fallende und abgleitende Gegenstände“, „Transport“ und „Weitere Risiken“. Das Kommunikationskonzept wurde durch eine externe Agentur erarbeitet. (*Wege, die der Bergmann unter Tage zurücklegt, bezeichnet man im deutschen Steinkohlenbergbau als „Fahrwege“. In die Kategorie Fahrungsunfälle fallen entsprechend Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle. Bei der RAG werden Unfälle dieser Art auch in der Verwaltung über Tage als Fahrungsunfälle bezeichnet.)

Rolle der Präventionsstrategie VISION ZERO

Im Rahmen der Präventionskampagne „SICHERHEIT! Denk daran, bevor du loslegst.“ arbeitet die RAG auch an der Umsetzung der Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle - gesund arbeiten!“ der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI). Zwischen der RAG und der BG RCI wurde daher eine Vereinbarung zur Kooperation formuliert.

Plakat
Eigene Mitarbeiter mit ihren eigenen Botschaften sind auf großformatigen Plakaten zu sehen.

Erkenntnisse aus der Evaluation

Die Zusammenstellung der Kampagnen- und Medienpräsenz macht deutlich, dass die direkten Zielgruppen der Kampagne, die Belegschaft, sowie Personen mit Multiplikationsfunktion, Verantwortliche der Themen Sicherheit und Gesundheit, Führungskräfte im Betrieb, aber auch die Partnerfirmen und Netzwerke der RAG die Gelegenheit hatten, die Kampagne während ihrer Laufzeit wahrzunehmen. Die Ansprache erfolgte über verschiedene Kanäle, bei vielen Gelegenheiten während und neben der Arbeitsausführung in unterschiedlichen Intensitätsgraden. Bewährt haben sich dabei vor allem die unterschiedlichen Beteiligungsformate, die auch mit einfachen Mitteln einsetzbar sind, allen voran die Vorsatzkarten. Diese waren als Postkarte gestaltet und boten allen Beschäftigten individuell die Möglichkeit, für sich selbst einen konkreten Vorsatz für mehr Sicherheit und Gesundheit zu fassen. Eine ausgefüllte Vorsatzkarte konnte an die Abteilung Interne Kommunikation der RAG gesandt werden. Dort wurde quartalsweise eine Verlosung von Preisen vorgenommen. Sofern die Vorsatzkarten über verschiedene Wege verteilt und promotet werden, können sie sehr viele Personen erreichen und die individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit befördern. Es bedarf allerdings einer kontinuierlichen Begleitung und Betreuung dieser Maßnahme durch das Kampagnenteam. Des Weiteren ist es sinnvoll, bereits vorhandene Maßnahmen und Medien zu nutzen und über diese Kanäle die Zielgruppen anzusprechen. Schließlich kommt der internen und externen Print- und Online-Berichterstattung eine besondere Bedeutung zu, da diese zusätzlich eine Außenwirkung der Aktivitäten schafft.

Alle Multiplikatoren einbinden

Aus den Ergebnissen zur Bewertung von Einzelmaßnahmen wird deutlich, dass ein unternehmensweiter Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutztag als besonderes Highlight empfunden wird, der unmittelbar auf die Erreichung der Kampagnenziele einzahlt. Nicht nur in Großbetrieben, auch in klein- und mittelständischen Unternehmen kann ein Zeitfenster eingeräumt werden, in dem von Seiten der Führung die Bedeutung von und der Austausch über Sicherheit und Gesundheit vorangestellt werden. Wie die Ergebnisse zeigen, ist ein solches Event auch dezentral anbietbar. Die Ergebnisse zur Sicherheitsbeauftragten-Nachschulung zeigen die Wichtigkeit, alle Multiplikationspersonen im Hause zu nutzen und als Botschafter/innen der Kampagne in die Abteilungen und Bereiche zu schicken. Das fördert auf allen Ebenen die Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit.

Hände, die Postkarten ausfüllen
Beschäftigte wurden gebeten, ihre eigenen Vorsätze auf Postkarten einzureichen. // Foto: (© Dietmar Klingenburg)

Alle Beschäftigten einbeziehen

Zur Maßnahmengestaltung allgemein bleibt festzuhalten: Es funktioniert, mit eigenen Beschäftigten und deren Slogans und Appellen zu arbeiten. Ein ausgearbeitetes Farbschema, das sich durch alle Medien (wie Flyer, Plakate, Filme) zieht, erhöht die Wiedererkennung. Auch die Bündelung aller Maßnahmen und Medien zu Sicherheit und Gesundheit im Kampagnendesign stärkt ihre Wirkung. Ganz wesentlich gehört dazu, dass alle Betriebe und Beschäftigten in die Kampagnen-Planung von Anfang an einbezogen werden. Zur großen Akzeptanz der Kampagne trug bei, dass die eigenen Beschäftigten als Protagonisten in den Motiven eingesetzt wurden, durch die Vorsatzkarten eine Beteiligung an der Kampagne jederzeit möglich war und dass alle laufenden Sicherheitsmaßnahmen schlagkräftig unter einem Slogan integriert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kampagne ihre Ziele für mehr Aufmerksamkeit und Austausch im Betrieb und eine Sensibilisierung der Beschäftigten erreicht hat. Auch die Unfallzahlen bestätigen diese Wirkrichtung, wobei sie jedoch von vielen Faktoren beeinflusst werden. Korrekterweise muss festgehalten werden, dass in Betrieben auch trotz Kampagnen oder intensiven Arbeitsschutzaktivitäten mitunter keine Veränderungen in der Unfallzahlenstatistik erkennbar werden. Es gibt eine Reihe von förderlichen und hinderlichen Einflussfaktoren auf das Unfallgeschehen, die zum Teil schwer durch den Betrieb beeinflussbar sind, wie Wetterbedingungen oder die Konjunktur. Ebenfalls ist zu bedenken, dass Unfallzahlen generell über die Zeit schwanken und sich dadurch bestimmte Veränderungen nicht zeigen können.

Das Projekt macht deutlich, dass ein Betrieb, der die Themen Sicherheit und Gesundheit intensiv verfolgt und in seinen Strukturen und Prozessen verankert hat, damit auch intensiv an der Umsetzung von VISION ZERO arbeitet und dafür einen entscheidenden Beitrag leistet.

Unternehmensführung als Vorreiter

Der Abgleich mit dem VISION ZERO-Leitfaden der BG RCI entlang der sieben Erfolgsfaktoren ermöglicht es, durch die systematische Betrachtung auch noch Ansatzpunkte zur weiteren Verbesserung zu identifizieren. Insbesondere die Vorreiterrolle der Führung auf allen Ebenen sowie die Einbindung der Beschäftigten ist für VISION ZERO essenziell. Die Ergebnisse zeigen damit, dass die deutliche Positionierung der Führungskräfte vom Vorstand bis zum Meister wesentlich für die Umsetzung von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb verantwortlich ist. Schließlich wurden durch die Evaluation der Kampagne Ansatzpunkte bzw. Handlungsbedarf hinsichtlich weiterer, neuer Maßnahmen bei der RAG identifiziert. Die Evaluation zeigt letztendlich auch, dass eine Vielzahl der in einem Großbetrieb eingesetzten Elemente ebenso erfolgreich auf andere Branchen oder Betriebe übertragen werden können. Ganz wesentlich ist dabei, dass die Beschäftigten frühzeitig in die Kampagnen-Planung einbezogen werden.

Grafik: Auf welchem Weg haben Sie von der Kampagne erfahren?
Ein Maßnahmenmix wurde angeboten, um alle zu erreichen. Das hat augenscheinlich gut funktioniert.
 
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