Unternehmensführung

Mit der „Nudging-Methode“ Arbeitsschutz positiv verstärken

Manchmal reicht ein kleiner Stups

Das englische Wort „nudge“ bedeutet anstupsen. Die danach benannte Nudging-Methode lenkt Menschen fast automatisch – mit einfachen Hilfen – zum erwünschten Handeln. Wie das „Anstupsen“ im Bereich Arbeitssicherheit in Betrieben angewandt werden kann und positive Effekte dadurch erzielt werden, erklärt Dr. Christine Gericke, Arbeitspsychologin bei der BG ETEM.

Mit Nudging ist eigentlich jeder schon einmal unwissentlich in Berührung gekommen. Welcher Mann kennt sie nicht, die Fliege im Urinal? Und, was bewirkt sie eigentlich ganz nebenbei? Ganz einfach: Sie weckt den Ehrgeiz, richtig zu zielen und zu treffen. Positiver Nebeneffekt: Die Kosten für die Reinigung der Toilettenanlagen „mit Fliege“ sind nachweisbar deutlich geringer. Man kann also viel aus diesem einfachen Beispiel lernen und auf Situationen in der Arbeitswelt übertragen. Vor etwa zehn Jahren haben der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein Nudging zu einer weltweit anerkannten Methode entwickelt. Entscheidungsarchitekturen helfen dabei, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen. Sehr schön lässt sich das am Beispiel einer Kantine oder Cafeteria im Rahmen des Arbeitsalltags darstellen: Die Besucher werden immer häufiger zum Zugreifen an der „richtigen“ oder „gesunden“ Stelle gestupst. Obst und Salate warten einladend und griffgünstig an den meistgenutzten Wegen. Dagegen verstecken sich Currywurst und süße Nachspeisen abseits hinter einer Glasscheibe und werden nur auf Nachfrage beim Kantinenpersonal herübergereicht. Durch diese einfache Maßnahme ernähren sich deutlich mehr Kollegen gesünder.

Wir wählen den bequemsten Weg

Doch warum müssen wir überhaupt angestupst werden? Weil wir dazu neigen, die vermeintlich einfache und bequemste Lösung für uns zu wählen. Nicht die beste oder gesündeste. Denn gefällte Entscheidungen und deren Konsequenzen liegen zeitlich oft weit auseinander, wie sich wiederum gut an Beispielen belegen lässt. Keiner will sich eingestehen, dass mangelnde körperliche Bewegung spätere Rückenprobleme hervorrufen kann oder mangelnde Konsequenz in der Zahnpflege später teuren Zahnersatz bedeutet.

Positive Auswirkung auf die Arbeitssicherheit

Als Beispiel aus der Arbeitssicherheit nannte die Psychologin Gericke den sicherheitssteigernden Effekt einer guten Verfügbarkeit von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und umgekehrt. Wenn PSA in manchen Betrieben oder Arbeitsbereichen nicht getragen werde, stelle sich die Frage nach den Ursachen. Hier sollte ein Nudging-Kreativworkshop greifen und Abhilfe leisten. Im betriebseigenen Team kann analysiert werden und eine Lösung gefunden werden, wie man alle Mitarbeiter dahin bewegt, ihre PSA immer und überall am Arbeitsplatz zu tragen. Ein sehr gutes und wirksames Beispiel mit Bezug zur Arbeitssicherheit findet sich im Straßenverkehr: Nahezu unbewusst werden Autofahrerinnen und -fahrer gebremst, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg an Ortseinfahrten auf elektronische Anzeigetafeln treffen, die eine überhöhte Geschwindigkeit anzeigen. Ein rotes Gesicht mit heruntergezogenen Mundwinkeln führt zum „automatischen“ Tritt aufs Bremspedal, sagte Gericke. Verbote sind also out, positives Verstärken durch Nudging ist in!

Salatbuffet
Los, nimm mich, ich bin gesund und lecker: Mit der Präsentation von frischem Gemüse und Obst in der ersten Reihe wollen immer mehr Kantinenbetreiber ihre Kunden zu gesunder Ernährung führen – ein schönes Beispiel für das „Nudging”. // Foto: (© poznyakov/Shotshop.com)
 
Weitere Informationen