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[Die Industrie der Steine + Erden]


Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen

Dipl.-Ing. J. Koch

1. Warum ist ein Qualitätsmanagement-System erforderlich?

Jedes Unternehmen steht auf nationaler oder europäischer Ebene im Wettbewerb. In dieser Situation kann es sich keine Firma leisten, innerbetriebliche Abläufe sich selbst zu überlassen. Es kann nicht mehr akzeptiert werden, daß niemand weiß, wer wann, wie und warum welche Aufgaben erfüllt. Auch die Korrektur von Fehlern als alleinige Maßnahme ist nicht ausreichend. Hohe Qualitätsstandards setzen voraus, daß Fehler nicht nur korrigiert, sondern auch ihre Wiederholung vermieden wird. Ein konsequent praktiziertes QM-System kann helfen, die technischen, organisatorischen und menschlichen Faktoren, welche die Qualität der Produkte und Dienstleistungen beeinflussen, zu lenken. Durch transparente Strukturen im Unternehmen werden Abläufe und Zusammenhänge deutlich und damit verbundene Fehler vermieden.

Die Einführung von Qualitätsmanagement-Systemen (QM-System) soll einerseits Kundenwünsche erfüllen und andererseits Mitarbeiter zu einem qualitätsbewußten Verhalten motivieren. Kunden sind zufrieden, wenn

die Produkte die vereinbarten Anforderungen erfüllen,

die Produkte termingerecht eintreffen und

Reklamationen selten oder gar nicht auftreten.

Ein funktionierendes Qualitätsmanagement-Systemen hilft dem Unternehmen unmittelbar, seine Wett-bewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen. Der Aufbau und die Aufrechterhaltung von QM-Systemen bedeutet in der Tat einen hohen Aufwand. Unternehmen werden jedoch gezwungen, ihre internen Organisationsstrukturen kritisch zu hinterfragen; sie müssen allerdings auch bereit sein, erforderliche Änderungen konsequent durchzusetzen.

Von der Systematisierung der Arbeitsabläufe und deren Zuverlässigkeit können auch Mitarbeiter eines Unternehmens profitieren. Durch die Einbeziehung von Mitarbeitern können diese motiviert werden, in ihrem Zuständigkeitsbereich Verantwortung für die Qualität zu übernehmen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen. Mitarbeiter, die sich mit Qualitätszielen identifizieren, sind eher geneigt, Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten und aktiv am Qualitätsverbesserungsprozeß mitzuwirken.

2. Vorteile eines Qualitätsmanagement-Systems

Unter dem Begriff "Qualität" wird im allgemeinen die Gesamtheit von Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung verstanden, durch die festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse erfüllt werden. Ein Unternehmen will auf dem Markt Produkte, d. h. Waren oder Dienstleistungen, anbieten sowie verkaufen und muß daher Qualitätsanforderungen des Kunden erfüllen. Je umfangreicher die Einzelanforderungen des Kunden erfüllt werden, desto höher ist die Produktqualität.

Um bestimmte Unternehmensziele, wie Produktqualität zu erreichen, Erträge zu erwirtschaften und auch Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu erzielen, sind systematische Strukturen zu schaffen, die heute als Management-System bezeichnet werden.

Management-Systeme können unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden, z. B. bzgl. Qualität, Umweltschutz oder Arbeits- und Gesundheitsschutz.

In allen Bereichen wird Qualität gefordert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß die Anforderungen sowohl der Kunden als auch der Unternehmer selbst erfüllt werden.

Ein funktionierendes QM-System bietet folgende Vorteile:

Kundenzufriedenheit durch Erfüllung seiner Anforderungen,

Begrenzung der Produkthaftung durch Qualität,

effiziente Strukturierung und Verbesserung der Arbeitsabläufe,

Verbesserung des Qualitätsbewußtseins der Mitarbeiter,

Fehlervermeidung durch beherrschte Prozesse,

Nachweis der Qualitätsfähigkeit,

offene Kommunikation über Qualitätsverbesserungen,

Verbesserung der Position am Markt und

Förderung von Innovationen.

3. Wie wird ein QM-System aufgebaut?

Beim Aufbau eines QM-Systems ist zunächst der Zustand des Unternehmens bzgl. Qualitätsfragen zu klären. Anhand der durch das Unternehmen vorgegebenen Qualitätsziele läßt sich dann feststellen, welche Veränderungen und Anpassungen im Unternehmen erforderlich werden. Bei der Ist-Analyse ist insbesondere die Frage zu stellen: "Wer tut wann, was, wo und wie?"

Folgende Vorgehensweise hat sich als zweckmäßig erwiesen (Abb. 1):

Stufenkonzept

1. Ist-Analyse

Bei der Ist-Analyse werden die vorhandenen Strukturen und bisherigen Abläufe im Unternehmen festgestellt. Damit verbunden sind Erkenntnisse für Verbesserungen, fehlende Verfahren, Mittel und Methoden. Zugleich ergeben sich Ansätze für das weitere Vorgehen und den Handlungsbedarf. Das bestehende Know-how wird gleichzeitig gesichert.

2. Bewertung der Ergebnisse der Ist-Analyse

Der festgestellte Ist-Zustand ist mit den Unternehmenszielen sowie den Forderungen und Empfehlungen der Normenreihe DIN EN ISO 9000 zu vergleichen. Dadurch ergeben sich Denkanstöße und die Möglichkeit der eindeutigen Formulierung von Zielen für das gesamte System.

3. Konzepterstellung

Besonders die Unternehmensführung muß über das zu realisierende Konzept entscheiden und einen Maßnahmenkatalog festlegen, der die weitere Vorgehensweise beschreibt. Auch Art, Umfang und Zeitaufwand der durchzuführenden Tätigkeiten müssen aufgelistet sowie Kontrolltermine festgelegt werden. Letztlich geht es um die Frage: "Wer macht was, wann und wie?" Hierbei können sich die Beteiligten insbesondere an DIN EN ISO 9004-1 orientieren, in der folgende Ziele formuliert sind: "Um erfolgreich zu sein, sollte eine Organisation Produkte anbieten, die

a) einem Bedarf, Gebrauch oder Zweck entsprechen, welcher genau festgelegt ist,

b) Kundenerwartungen entsprechen,

c) zutreffende Normen und Spezifikationen erfüllen,

d) Forderungen der Gesellschaft genügen,

e) Umwelterfordernisse berücksichtigen,

f) zu konkurrenzfähigen Preisen verfügbar sind und

g) wirtschaftlich zur Verfügung gestellt werden".

4.Konzeptumsetzung

Mit der Unterstützung aller Mitarbeiter sollen Konzepte in Maßnahmen umgesetzt werden. Dabei geht es darum, die Anforderungen der QM-Elemente zu erfüllen, d. h. insbesondere Fehlerquellen zu vermeiden sowie Aufbau- und Ablauforganisation zu optimieren. Die Zielsetzung sollte die Verbesserung des Prozeßablaufes sein. Damit ist ein gewisser Aufwand verbunden, denn QM-Dokumente sind zu erstellen, Mitarbeiter zu schulen und in allen Bereichen des Unternehmens ist die Zielsetzung des Qualitätsmanagement-Systems zu vermitteln.

5.Erfolgskontrolle

Nachdem die entsprechenden QM-Maßnahmen eingeführt sind, ist insbesondere durch interne Audits zu klären, ob die vereinbarten Maßnahmen auch entsprechend umgesetzt worden sind. Außerdem muß die Zweckmäßigkeit der eingeführten Maßnahmen ständig überprüft werden.

6.Weiterentwicklung

Nach einer QM-Zertifizierung ist das System weiter zu entwickeln, d. h. neue und aktuelle Qualitätstechniken und Innovationen sind anzuwenden sowie eine Ausrichtung des Systems auf Total Quality Management (TQM) anzustreben. Durch ständige Systemerneuerungen kann die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessert werden. Nutzen, Kosten und Risiken sind ständig zu überprüfen. Die Einführung vereinfachter Prozesse ist anzustreben.

4. Normungsgrundlagen

Für die Implementierung und Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen werden heute als Normengrundlage die DIN EN ISO 9001/2 und /3 herangezogen. Die Normenreihe DIN EN ISO 9000 befaßt sich mit Qualitätsmanagement-Systemen, um Wege zur Schaffung von Kompetenz und Vertrauen in die Qualitätsfähigkeit eines Unternehmens aufzuzeigen. Die Normenreihe enthält Forderungen an Qualitätsmanagement-Systeme und Hin-weise zu deren Implementierung durch entsprechende Systemelemente.

DIN EN ISO 9000

Die Teile 1 und 2 dieser Norm beinhalten Informationen über die Anwendung von Qualitätsnormen.

DIN EN ISO 9001/9002/9003

Diese Normen bilden die Basis für die Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen und unterscheiden sich im wesentlichen dadurch, daß sie unterschiedliche Prozeßbereiche eines Unternehmens berücksichtigen.

DIN EN ISO 9001 deckt alle Prozeßbereiche ab, nämlich Design/Entwicklung, Produktion, Montage und Wartung, d. h. von der Entwicklung neuer Waren bis hin zu Dienstleistungen und ggf. bis zum Einsatz beim Kunden.

Durch DIN EN ISO 9002 sind die Bereiche Produktion, Montage und Wartung abgedeckt. Der Bereich Designlenkung wird nicht behandelt. Diese Norm kann insbesondere von Unternehmen angewendet werden, die keine eigene Entwicklungsarbeit betreiben.

In DIN EN ISO 9003 wird letztlich nur die Endprüfung behandelt. Die Elemente Designlenkung und Beschaffung sowie Prozeßlenkung und Wartung entfallen.

Neben den genannten Normen gibt es weitere Ergänzungs- und Anwendungsleitfäden, die keine Anforderungen an Qualitätsmanagement-Systeme enthalten, wohl aber Empfehlungen zur Anwendung der DIN EN-Reihe 90001, 9002 und 9003.

Zu diesen Normen gehören DIN ISO 9000 Teil 3 und 4. Teil 3 bezieht sich auf die Anwendung in Softwareunternehmen, Teil 4 auf das Management von Zuverlässigkeitsprogrammen.

In der DIN ISO 9004 werden Leitfäden für Dienstleistungsunternehmen (Teil 2), für Unternehmen, die verfahrenstechnische Produkte herstellen (Teil 3), für die Qualitätsverbesserung (Teil 4) und für Konfigurationsmanagement (Teil 7), abgehandelt.

Eine weitere Reihe DIN EN ISO 10011 beinhaltet Leitfäden für das Audit von Qualitätsmanagement-Systemen bzgl. der Auditdurchführung (Teil 1), Qualitätskriterien für Qualitätsauditoren (Teil 2) und Management von Auditprogrammen (Teil 3). Letztlich sind in der DIN EN ISO 8402 Qualitätsmanagement-Begriffe definiert.

Die in der ISO 9000-Reihe aufgeführten Anforderungen sind international anerkannt und in allen Branchen von der produzierenden Industrie bis hin zu Dienstleistungsunternehmen anwendbar.

5. Warum sollte ein QM-System zertifiziert werden?

Mit der Zertifizierung eines QM-Systems durch eine neutrale Institution wird grundsätzlich bestätigt, daß die Anforderungen der entsprechenden DIN ISO EN-Norm aus der 9000er-Reihe erfüllt sind.

Für eine derartige Zertifizierung sprechen aus der Sicht des Unternehmens verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund ist die Forderung des Kunden, den Nachweis über ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System zu erbringen. Häufig reicht es nicht aus, daß ein Qualitätsmanagement-Handbuch vorgelegt wird, sondern insbesondere größere Konzerne auditieren die Qualitätsfähigkeit von Klein- und Mittelbetrieben selbst, wenn kein Zertifikat vorgelegt werden kann.

Das Zertifikat kann dem Unternehmen auch hinsichtlich gesetzlicher Forderungen behilflich sein. Zum Beispiel kann bei Produkthaftungsfällen nachgewiesen werden, daß durch das Qualitätsmanagement-System der Sorgfaltspflicht genüge getan wurde. Neben diesen externen Gründen gibt es auch interne Gründe. Bei der Zertifizierung können Fehler im System und damit verbundene Kosten aufgedeckt werden. Auch die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern kann durch die Ermittlung von Schwachstellen und Defiziten verbessert werden. Schließlich ist die Zertifizierung eine Stufe im ständigen Qualitätsverbesserungsprozeß, mit der Leistungsverbesserungen nachgewiesen werden können.

6. Ablauf der Zertifizierung

Die Zertifizierung beginnt im allgemeinen mit einem Vorgespräch in der eine vorgefertigte Fragenliste gemeinsam besprochen wird. Insbesondere wird hierbei der Ist-Zustand des QM-Systems festgehalten bzw. in welchen Bereichen es noch Unklarheiten gibt. Danach wird festgelegt, welche weiteren Schritte zu erfolgen haben. Im nächsten Schritt werden die QM-Unterlagen, d. h. die gesamte Dokumentation auf Konformität mit den Normen und ggf. Änderungsnotwendigkeiten, überprüft. Die Ergebnisse werden in der Regel in einem Vorauditbericht festgehalten.

Anschließend wird das Zertifizierungsaudit im Unternehmen durchgeführt. Basis hierfür ist ebenfalls ein Fragenkatalog, der sich an den zugrunde gelegten Normen orientiert.

Zum Zertifizierungsaudit wird ein Auditbericht erstellt, der über den Handlungsbedarf und Verbesserungen informiert. In diesem Bericht sind sowohl positive, als auch negative Ergebnisse festgehalten. Gegebenenfalls ist auch ein Nachaudit zur Prüfung von Korrekturmaßnahmen erforderlich.

Bei einem positiven Ergebnis des Audits wird eine Zertifikat erteilt, dessen Gültigkeit sich im allgemeinen auf 3 Jahre erstreckt.

In den vorgesehenen jährlichen Überwachungsaudits werden die Wirksamkeit des QM-Systems anhand speziell ausgewählter Systemelemente nachvollzogen. Nach 3 Jahren ergibt sich ein Wiederholungsaudit und eine Neuerteilung des Zertifikats. Neben dem jährlichen Überwachungsaudit und dem alle 3 Jahre stattfindenden Wiederholungsaudit sind auch Vor- und Zwischenaudits nach Vereinbarung möglich. Hier können z. B. stichprobenartige Prüfungen bzgl. bestimmter Schwachstellen durchgeführt werden.

Bei der Auswahl der Auditoren sind insbesondere Branchenerfahrungen von großer Bedeutung. Bei der Zertifizierung hat auch die Vertraulichkeit der Auditoren gegenüber Betriebsgeheimnissen einen hohen Stellenwert.

7. Zertifizierung durch die Prüf- und Zertifizierungsstelle der Fachausschüsse "Steine und Erden"

Die Prüf- und Zertifizierungsstelle der Fachausschüsse "Steine und Erden" ist u. a. für QS-Systeme im Bereich des Gerätesicherheitsgesetzes (GSG) gemäß 3 Abs. 4 Nr. 3 GSG akkreditiert.

Der Umfang der Akkreditierung bezieht sich auf Herstellerunternehmen folgender Bereiche:

A. Maschinen (harmonisierter Bereich):

Maschinen, branchenübergreifend

Entstauber

Strahlmaschinen und -einrichtungen

Maschinen der Steine- und Erdenbranche

Aufbereitungs- und Gewinnungsmaschinen und -anlagen

Filterpressen

Gesteinsbohrmaschinen und Tiefbohranlagen

Maschinen zum Beschicken, Handhaben, Stapeln und Fördern

Mischanlagen und Mischer

Steinbe- und -verarbeitungsmaschinen

Trockner und Öfen

Sondermaschinen der Fein- und Grobkeramikherstellung

Sondermaschinen der Glasherstellung

Sondermaschinen zur Herstellung von Bauelementen aus Beton

Kalksandsteinmassen und Leichtbaustoffmassen;

Transport, Lagerung, Ver- und Entsorgungsbranche

Fördereinrichtungen

Stetigförderer;

Lagereinrichtungen

Silos und Siloeinrichtungen;

B. Technische Arbeitsmittel (nicht harmonisierter Bereich):

Technische Arbeitsmittel der Steine- und Erdenbranche

Geräte zum Beschicken, Handhaben, Stapeln und Fördern

Sondergeräte der Glasherstellung;


Daneben ist die Prüf- und Zertifizierungsstelle auch für Betreiberunternehmen aus dem Steine und Erden-Bereich akkreditiert, so daß einerseits Maschinenhersteller und andererseits Produktionsfirmen ihr Qualitätsmanagement-System zertifizieren lassen können. Die neutralen Auditoren prüfen das Qualitätsmanagement-System von Unternehmen auf der Basis der international anerkannten Normen DIN EN ISO 9001, 9002 oder 9003.

Zertifikat

 

Kontaktadresse:
Prüf- und Zertifizierungsstelle der Fachausschüsse "Steine und Erden"
Theodor-Heuss-Str. 160
30853 Langenhagen
Tel.: (0511) 72 57 - 0
Fax: (0511) 72 57 - 791




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