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Wirtschaftlicher und sicherer Betrieb einer mobilen Bauschutt-Recyclinganlage

Vorwort

Aufgrund des überproportional hohen Unfallgeschehens bei Bauschutt-Recyclinganlagen hat der Vorstand der StBG beschlossen, alle Anlagen einer sicherheitstechnischen Überprüfung zu unterziehen und ggf. Auflagen zur Vermeidung von Sicherheits- und Gesundheitsrisiken zu erteilen.

Als Kritischer Bereich bei diesen Anlagen erweist sich immer wieder der Sortierarbeitsplatz am Brecher.

Die Beschäftigten sind dort hohen Verletzungs- und Gesundheitsrisiken durch Lärm, Staub, Vibration und Klimaeinflüssen ausgesetzt.

Das dies nicht so sein muß, hat der Unternehmer Bernd Lübkemann unter Beweis gestellt. Mit einer intelligenten Arbeitsweise gibt es bei ihm keinen Sortierarbeitsplatz am Brechereinlauf und der wirtschaftliche Erfolg gibt ihm recht! Jetzt gibt Bernd Lübkemann das Geheimnis seines Erfolges preis zur Nachahmung empfohlen! Das Interview führt Dipl.-Ing. H. Werner.



Herr Luebkemann
[StBG]Herr Lübkemann, Sie betreiben eine mobile Bauschutt-Recyclinganlage. Aus welchen Komponenten besteht diese?

B. Lübkemann: Im wesentlichen aus einem Backenbrecher und einer Prallmühle, welche durch Gurtförderer über eine Siebmaschine verbunden sind. Mit einem Radlader wird das Brechgut dem Bagger zugeführt. Er übernimmt auch das Beladen der Kundenfahrzeuge. Des weiteren ein Tieflöffelbagger zum Beschicken des Backenbrechers.


[StBG]Wieviele Beschäftigte arbeiten an Ihrer Anlage?

B. Lübkemann: Wir sind zu zweit. Ich fahre in der Regel den Radlader, und ein Mitarbeiter bedient den Bagger. Allerdings wird bei der von uns praktizierten Arbeitsweise eine sehr gute Kenntnis aller eingesetzter Geräte und die Beherrschung aller Bedienfunktionen vorausgesetzt.


[StBG] Sie verfahren Ihre mobile Anlage zu Recyclingplätzen, um das zwischenzeitlich aufgehaldete Material Ihrer Kunden zu verarbeiten. Welche Anforderungen stellen Sie an das Brechgut?

B. Lübkemann: Die Verantwortung beginnt eigentlich schon beim Abriß. Das Material sollte schon dabei weitestgehend unter dem Aspekt der Verarbeitung getrennt erfaßt werden. Bei der Anlieferung zum Recyclingplatz ist großer Wert auf die Vorsortierung zu legen. Bei grob verunreinigtem Material wird entweder die Annahme verweigert oder mit erhöhtem Kostenaufwand zu Lasten des Anlieferers vorsortiert.

Loeffelbagger

[StBG]Was wird mit dem aussortierten Material?

B. Lübkemann: Soweit es zu große Teile sind, werden sie mit einem Hydraulikmeißel bzw. der Schere zerkleinert. Soweit es sich um störende, die Qualität beeinträchtigende Materialien, wie Holz, Kunststoffe und dgl. handelt, werden diese in Containern erfaßt und abtransportiert.

[StBG]Was ist aus dem Arbeitsplatz des Brechermaschinisten bzw. Sortierers am Brecher geworden?

B. Lübkemann: Den gibt es bei mir schon seit drei Jahren nicht mehr. Mit dem Tieflöffelbagger wird sortiert. Das geht, wie Sie sich überzeugen können, sehr gut. Der Baggerfahrer zieht das mit dem Radlader zugeführte Material auf der Böschung auseinander und sortiert alles, was den Brechprozeß stören könnte, aus. Was dann mit dem 2 m3 Löffel aufgegeben wird, geht auch durch den Backenbrecher störungsfrei hindurch. Der Baggerfahrer sieht, was er mit dem Löffel aufgibt. Bei der großen Laderschaufel ist das nicht möglich.


Siebmaschine und Prallmuehle
[StBG]Sind Leistungsreduzierungen in Kauf zu nehmen, wenn auf das Überwachen des Brechers und das Sortieren verzichtet wird?

B. Lübkemann: Ganz im Gegenteil! Die von uns praktizierte Arbeitsweise ist nach meiner Ansicht effektiver, als da oben einen hinzustellen, der aussortiert und den Brechprozeß überwacht. Wir schaffen, je nach Material, täglich ca. 800 1000 t zu verarbeiten. Wenn wir ohne Vorsortierung arbeiten würden, wäre sowohl die Menge wegen der zu erwartenden Störungen, aber auch die Qualität nicht zu bringen. Beim Sortieren unmittelbar am Brecher kann gar nicht alles erkannt und aussortiert werden.

[StBG] Hat bei Ihrer Entscheidung zu dieser Arbeitsweise eine Rolle gespielt, daß Sie selbst Hand anlegen?

B. Lübkemann: Natürlich. Wenn man selbst von Gefährdungen und Belastungen betroffen ist, kümmert man sich um die Lösungen vielleicht etwas schneller. Wenn dann noch die Durchsatzleistung positiv beeinflußt wird und auch noch Dieselkraftstoff durch den Baggereinsatz statt eines Radladers beim Beschicken gespart wird, ist das positiv.


[StBG]Sie beteiligen sich am Unternehmermodell der StBG. Bei den Seminaren der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft wurden Arbeitsschutzprobleme in der Branche "Bauschuttrecycling" besprochen. Was sind Ihrer Ansicht nach die Schwerpunkte?

B. Lübkemann: Dies sind die Gefährdungen beim Reinigen der Anlage sowie bei Instandsetzungsarbeiten und insbesondere, wenn die Anlage durch die Materialaufgabe überfordert wird und es zwangsläufig zu Störungen kommt.


[StBG]Sie haben mit Staub, Lärm, Vibration, Witterungseinflüssen keine Probleme?

B. Lübkemann: Nein, zumindest nicht an den Arbeitsplätzen. Der Radlader hat eine klimatisierte Kabine, und für den Bagger ist der Einbau einer Klimaanlage vorgesehen.
Die Brecher, die Siebanlage und die Förderrinnen können zukünftig über Funk fernbedient werden.
Und das ortsgebunden aus den Kabinen der Fahrzeuge, damit keiner auf die Idee kommt, bei Reparaturen die Anlage aus dem Gefahrenbereich heraus zu bedienen.


[StBG]Haben Sie noch weitere Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen realisiert bzw. geplant?

B. Lübkemann: Der gefährlichste Arbeitsplatz am Brecher wurde, wie gesagt, beseitigt.
Am Ein- sowie Auslauf der Prallmühle ist eine Staubbindung durch Sprühdüsen realisiert. Der Einbau der bereits vorhandenen Klimaanlage in den Bagger ist noch für dieses Jahr vorgesehen.
Zur besseren Staubreduzierung habe ich eine verbesserte Abdichtung des Prallmühlenein- bzw. -aus-laufes vorgesehen. Zur Zeit beschäftige ich mich auch mit dem Gedanken, mir einen Hydraulikhammer sowie eine Schere anzuschaffen. Das wird z. Zt. noch von den Kunden beigestellt.


[StBG]Was hätten Sie denn den Herstellern zu empfehlen?

B. Lübkemann: So wie die Anlagen verkauft werden, funktionieren sie nur bedingt. Man muß eine Einfahrphase haben, in der insbesondere Störungen erfaßt und ausgewertet werden. Das sind besonders Materialstauungen und Überlaufen an den Förderbandübergabestellen. Bis das Gesamtsystem zufriedenstellend und mit den geplanten Leistungsparametern läuft, vergeht schon eine gewisse Zeit. Auch die "Reparaturfreundlichkeit" müßte noch mehr berücksichtigt werden, z. B. beim Schlagleistenwechsel.


[StBG]Herr Lübkemann, wir danken für das Gespräch!

Das Interview wurde am 24. 03. 1998 auf einem Recyclingplatz in Rinteln geführt.




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