Die neue BGI 5047 „Mineralischer Staub“ – jetzt auch als Druckfassung

Die BG-Information 5047 „Mineralischer Staub“ als Nachfolgeregelung der BG-Regel 217 „Umgang mit mineralischem Staub“ wurde bereits in Heft 6/2006 dieser Zeitschrift vorgestellt. Seitdem steht sie auf der Homepage der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (www.stbg.de) und in der BGVR-Online-Datenbank der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (www.dguv.de) zum Download bereit. Nun liegt sie diesem Heft auch in gedruckter Fassung bei.

Da nun schon die ersten Erfahrungen mit dieser neuen Informationsschrift vorliegen, wird im Folgenden auf einige typische, bei der Anwendung dieser BGI auftretende Probleme eingegangen:

Die Grundlage für die Festlegung jeglicher Schutzmaßnahmen, so auch der Festlegung von Staubschutzmaßnahmen, ist die Gefährdungsbeurteilung. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für bestehende Anlagen stellt sich aber immer wieder die Frage, wie an den bestehenden Arbeitsplätzen oder für die seit langem durchgeführten Tätigkeiten die vorhandenen Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen sind.

Dabei besteht insbesondere die Gefahr, dass man, weil sich die Schutzmaßnahmen in der Vergangenheit als ausreichend erwiesen haben, voreilig zu dem Schluss kommt, dass keine Gefahren (mehr) vorliegen, somit keine (weiteren) Maßnahmen notwendig sind und deshalb die Gefährdungsbeurteilung gleich zu Beginn abgebrochen werden kann. Diese Vorgehensweise ist natürlich nicht korrekt.

Alle Tätigkeiten müssen identifiziert werden.

Bezogen auf die Staubbelastungen der Mitarbeiter sind nämlich immer alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten zu identifizieren, bei denen mineralischer Staub freigesetzt wird oder werden kann. Dabei sind die bereits getroffenen Schutzmaßnahmen im ersten Schritt außer Acht zu lassen.

Erst beim zweiten Schritt, der Ermittlung der notwendigen stoff- und tätigkeitsbezogenen Informationen, also beispielsweise der tatsächlichen Staubbelastung, sind dann die bereits getroffenen Schutzmaßnahmen mit zu berücksichtigen. So ist es selbstverständlich nicht erforderlich, z. B. im Rahmen von Messungen, die getroffenen Staubschutzmaßnahmen, z. B. eine Entstaubung, abzuschalten, um Werte ohne die getroffenen Schutzmaßnahmen zu erhalten.

Entsprechen die Messergebnisse dann den Zielvorgaben, kann die Gefährdungsbeurteilung mit dem erfreulichen Ergebnis „Keine weiteren Maßnahmen nötig“ und der schriftlichen Dokumentation dieses Ergebnisses abgeschlossen werden.

Wie kommt man zur Ermittlung der Gefährdungskategorien?

Als weiteres Problem erweist sich der eigentlich als Hilfestellung für die Gefährdungsbeurteilung neu eingeführte Anhang 2 der BGI 5047, das Ablaufschema zur Ermittlung der Gefährdungskategorien. Einerseits scheint die dem Ablaufschema innewohnende Logik nicht so einfach nachvollzogen werden können, andererseits wird immer wieder auf vermeintliche logische Fehler in dem Schema hingewiesen. Deshalb soll hier etwas intensiver auf dieses Ablaufschema eingegangen werden:

Auf die erste Frage im Schema, ob es im Arbeitsbereich oder bei Tätigkeiten zu Staubbildung kommt, und die dabei möglicherweise auftretenden Probleme wurde oben bereits eingegangen.

Als nächstes ist dann die Frage zu beantworten, ob eine geringe Gefährdung vorliegt. Hinweise zur Beantwortung dieser Frage findet man in Anhang 1 „Arbeitshilfe zur Gefährdungsbeurteilung“ der BGI.

Da es an vielen Arbeitsplätzen und bei vielen Tätigkeiten in der Steine- und Erden-Industrie zu erheblicher Staubentwicklung kommen kann, gelangt man oft auch bis zur Frage 3, der Frage nach dem Expositionsniveau der Quarz-A-Staubbelastung (Quarzfeinstaubbelastung). Wird, wie vorgeschlagen, ein Expositionsniveau von 0,15 mg/m³ Quarz (A-Fraktion) überschritten, landet man in der Gefährdungskategorie 4. Ansonsten sind die Staubverhältnisse bezüglich des allgemeinen Staubgrenzwertes abzuprüfen. Dabei spielt natürlich der Quarzgehalt des mineralischen Staubes eine Rolle.

Enthält der Staub mehr als 5 Gewichtsprozent Quarz, ist mit der Einhaltung des Expositionsniveaus von 0,15 mg/m³ auch der allgemeine Staubgrenzwert (alveolengängige bzw. A-Fraktion) von 3 mg/m³ eingehalten. Deswegen ist in diesem Fall nur noch die E-Fraktion (einatembare Fraktion) des allgemeinen Staubgrenzwertes von 10 mg/m3 zu überprüfen.

Enthält der mineralische Staub jedoch weniger als 5 Gewichtsprozent Quarz, dann könnte trotz der Einhaltung eines Expositionsniveaus von 0,15 mg/m³ Quarz (A) der allgemeine Staubgrenzwert für die A-Fraktion überschritten sein. Deswegen ist in diesem Fall zuerst die Einhaltung dieses Grenzwertes zu überprüfen, anschließend auch die Einhaltung des Grenzwertes für die E-Fraktion.

Maßnahmen bis zum Erreichen der Gefärdungskategorie 2

Wird einer der beiden Werte überschritten, oftmals ist dies dann der Wert für die E-Fraktion, landet man in der Gefährdungskategorie 3. Sind der allgemeine Staubgrenzwert und das vorgeschlagene Expositionsniveau für Quarz eingehalten, dann hat man die mindestens anzustrebende Gefährdungskategorie 2 erreicht. In den Gefährdungskategorien 3 und 4 soll man die Gefährdungsbeurteilung wiederholen und weitere Maßnahmen zur Staubbekämpfung anwenden, um die Staubbelastung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Abschließend ist die Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.

Mit diesen Zusatzinformationen sollte nun einer erfolgreichen Staubbekämpfung unter Anwendung der neuen BGI 5047 „Mineralischer Staub“ nichts mehr im Wege stehen. 

Dr. Hansmartin Reimann, StBG