Unfallbilanz 2006 der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft: Entwicklung weiterhin positiv

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Unfallbilanz 2006 der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft: Entwicklung weiterhin positiv

Die positive Entwicklung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat sich auch im Jahr 2006 fortgesetzt. Deutliche Rückgänge sind insbesondere im Bereich der neuen Arbeits-/Wegeunfallrenten sowie bei den Berufskrankheitenrenten zu verzeichnen. Die Unfallhäufigkeit bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres: 49,14 meldepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter waren in der Baustoff-Industrie zu verzeichnen.

Für eine aussagekräftige Interpretation des Zahlenmaterials ist die Kenntnis einiger Basisdaten unerlässlich. Dazu gehört die Entwicklung der Anzahl der bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft versicherten Mitgliedsunternehmen und der darin versicherten Mitarbeiter. Im Jahr 2006 waren 5.249 Unternehmen bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft versichert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Rückgang um 2,62 Prozent. In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl der Mitgliedsunternehmen um knapp 18,5 Prozent abgenommen.

Ähnlich die Entwicklung auch bei den Beschäftigten. Im Sprachgebrauch der Berufsgenossenschaften werden diese als „Versicherte“ bezeichnet. Wenngleich sich die Anzahl der Versicherten im Berichtsjahr mit ca. 140.000 auf dem Niveau des Vorjahres bewegt, so hat doch diese Zahl in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent abgenommen.

In diesen Entwicklungen spiegelt sich die schlechte Konjunktur der Bau-Industrie wieder. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven wirtschaftlichen Daten der letzten Monate auch die Baustoff-Industrie erreichen und langfristig zu einer Verbesserung der Auftragslage, der Erlössituation und zu einer Mehrbeschäftigung führen.

Die Relativierung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens erfolgt bei den Berufsgenossenschaften traditionell auf Basis der Vollarbeiter. Bei dieser Größe handelt es sich um einen fiktiven Wert. Er wird ermittelt durch Division der im Lohnnachweis aufgeführten „geleisteten Arbeitsstunden“ und den vom statistischen Bundesamt festgelegten Vollarbeiter-Richtwert (im Jahr 2006 1.580 Std./Jahr). Für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft errechnete sich für das Jahr 2006 eine Zahl von 124.449 Vollarbeitern. Die für die Versicherten bereits beschriebene negative Entwicklung zeigt sich auch bei den Vollarbeitern.

Wie haben sich die Arbeitsunfälle entwickelt?

Im Jahre 2006 wurden 12.634 Arbeitsunfälle der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeldet (Abb. 1). Diese Zahl setzt sich zusammen aus 6.115 anzeigepflichtigen und 6.519 nicht anzeigepflichtigen Arbeitsunfällen. Während sich die Anzahl der gemeldeten Arbeitsunfälle auf dem Niveau des Vorjahres bewegt (2005: 12.632), hat die Anzahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle um 2,12 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den anzeigepflichtigen Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollarbeiter. Bei leicht angestiegenen Unfallzahlen und geringer Abnahme der Vollarbeiterzahlen ergibt sich jetzt eine „1.000-Mann-Quote“ von 49,14 (Abb. 2).

Bezogen auf eine Million geleistete Arbeitsstunden ergibt dies einen Wert von 30,89. Dabei hat sich das Unfallgeschehen in den sieben Kernbranchen unterschiedlich entwickelt. Während sich in den Industriezweigen „Naturstein“, „Beton und Fertigteile“ sowie „Kies und Sand“ die Unfallentwicklung in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegt, hat die Unfallhäufigkeit in der „Zement-, Kalk- und Gips-“ sowie „Transportbeton-Industrie“ deutlich zugenommen (Abb. 3). Nur im Bereich Erdöl- und Erdgas-Gewinnung konnte die positive Tendenz der letzten Jahre fortgesetzt werden.

Unter dem Begriff „Neue Arbeitsunfallrenten“ werden Unfälle zusammengefasst, die zu einer dauerhaften Minderung der Erwerbsfähigkeit und damit zu einer Unfallrente führen. Bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft konnte die Anzahl dieser schweren Unfälle in den letzten zehn Jahren nahezu halbiert werden (Abb. 4).

Dies ist eine sehr positive Entwicklung, da die mit den Unfallrenten zusammenhängenden Kosten die Beitragsentwicklung einer Berufsgenossenschaft nicht unerheblich beeinflussen. Im Technischen Aufsichtsdienst der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft werden schwere Unfälle bezüglich typischer Unfallmerkmale verschlüsselt (Abb. 5).

Die sich daraus ergebende „Hit-Liste“ wird seit Jahren von den gleichen Unfallmerkmalen angeführt. An der Spitze stehen Stolper- und Umknickunfälle gefolgt von Absturz- und Fahrzeugunfällen. Eine Besonderheit ist allerdings in 2006 zu beobachten: Aufgrund des langen und harten Winters hat die Anzahl der schnee- und eisbedingten Rutschunfälle auf 38 Unfälle mit Rentenleistungen zugenommen.

Den Begriff „positiv“ im Zusammenhang mit tödlichen Arbeitsunfällen zu verwenden ist sicherlich falsch. Dennoch geht auch hier seit einigen Jahren die Entwicklung in die richtige Richtung. Acht tödliche Arbeitsunfälle haben sich in 2006 in Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ereignet (Abb. 6). Davon waren nahezu alle Branchen betroffen.

Ein Unfallschwerpunkt muss an dieser Stelle besonders erwähnt werden. So wurden zwei Mitarbeiter der Betonstein-Industrie bei Arbeiten zur Störungsbeseitigung an Umlaufanlagen im Bereich des Umsetzgreifers tödlich verletzt. Mangelhaft ausgeführte bzw. manipulierte Sicherheitseinrichtungen sowie Missverständnisse zwischen den Mitarbeitern haben die Entstehung beider Unfälle jeweils maßgeblich beeinflusst.

Uneingeschränkt positiv ist die Entwicklung bei den Wegeunfällen. Die Anzahl der anzeigepflichtigen und nicht anzeigepflichtigen Wegeunfälle hat gegenüber dem Vorjahr um 5,46 Prozent auf 485 Fälle bzw. um 4,43 Prozent auf 259 Fälle abgenommen. Das relative Wegeunfallrisiko liegt im Berichtsjahr bei 3,46 (Vorjahr 3,61) pro 1.000 Versicherte. Sehr positiv stellt sich die Entwicklung bei den neuen Wegeunfallrenten dar (Abb. 7). Auch hier konnte die absolute Zahl in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert werden. Nach neun tödlichen Wegeunfällen in 2004, fünf tödlichen Wegeunfällen in 2005 waren in 2006 nur zwei tödliche Wegeunfälle zu beklagen.

Auch die Entwicklung bei den Berufskrankheiten ist nach wie vor erfreulich. Im Jahr 2006 erreichten die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft 417 Verdachtsanzeigen auf das Vorliegen einer Berufskrankheit. Diese Zahl hat gegenüber dem Vorjahr um 13,66 Prozent abgenommen. Die Verdachtsanzeigen kommen überwiegend aus den Bereichen Lärmschwerhörigkeit, Silikose, Erkrankungen der Wirbelsäule und der Haut.

Im Berichtsjahr hat in 57 Fällen eine Verdachtsanzeige zu einer Berufskrankheitenrente geführt (Abb. 8). Hier ist aus Sicht der Prävention, aber auch aus dem Blickwinkel der mittel- bis langfristigen Kosten- und damit Beitragsentwicklung die stark rückläufige Tendenz außerordentlich positiv zu bewerten. Nach wie vor resultieren die meisten der neuen Berufskrankheitenrenten aus einer Exposition gegenüber Quarzfeinstaub. An zweiter Stelle stehen Rentenfälle im Zusammenhang mit erhöhter Lärmeinwirkung und dem Umgang mit Asbest (Abb. 9).

Schließlich sind im Jahre 2006 im Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft 43 Personen in Folge einer anerkannten Berufskrankheit verstorben.

Was sind diese Zahlen wert? Wo stehen wir im Vergleich zu anderen Branchen?

Das sind Fragen, die sich zwangsläufig stellen. Im Bereich der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) lag das Unfallrisiko bei 26,9 meldepflichtigen Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter – und damit um 0,9 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Trotz dieses Rückgangs nahm die absolute Zahl der meldepflichtigen Unfälle um 1,8 Prozent zu und belief sich auf 948.546. Mehr Unfälle ereigneten sich vor allem in den Branchen Bau, Handel und Verwaltung sowie Holz- und Metallverarbeitung. Wirtschaftszweige wie Chemie, Elektrotechnik und der öffentliche Dienst verzeichneten dagegen sinkende Zahlen. Die Anzahl der Unfallrenten gingen in fast allen Branchen zurück. Sie lag bei 18.639 neuen Unfallrenten. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle nahm dagegen im Vergleich zum Vorjahr zu: sie lag bei 711 (2005: 656).

Auch vor dem Hintergrund dieser Zahlen ist die Entwicklung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in 2006 grundsätzlich positiv zu bewerten. Kein Grund allerdings, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Dazu ist das Niveau bzgl. der Anzahl der Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten insgesamt noch zu hoch. Gerade in Zeiten des konjunkturellen Aufschwungs und der damit verbundenen Mehrarbeit müssen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz weiter konsequent betrieben werden. Ihre Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unterstützt Sie dabei.

Dipl.-Ing. Wolfgang Pichl, StBG

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