„Top 100“: Systematisches Innovationsmanagement auch im Mittelstand möglich

Vergleichsstudie zeigt, dass innovative Mittelständler am Markt weit erfolgreicher agieren als andere Betriebe

Ein umfassendes und gut strukturiertes Innovationsmanagement hat bei mittelständischen Betrieben positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg. Dies ergab jetzt eine Vergleichsstudie, die an der Wirtschaftsuniversität Wien unter der Ägide der wissenschaftlichen Leitung des Mittelstandsprojektes „Top 100“ durchgeführt wurde. Darin verglichen die Wissenschaftler das Innovationsmanagement der 100 ausgezeichneten Unternehmen mit dem einer strukturgleichen Gruppe anderer mittelständischer Unternehmen. Untersucht wurden der Innovationserfolg sowie die Leistungen der Firmen in den vier Kategorien „Innovationsförderndes Top-Management“, „Innovationsmarketing“, „Innovationsklima“ sowie „Innovative Prozesse und Organisation“. Das wichtigste Ergebnis: Die Betriebe, die im Juni 2007 von Mentor Lothar Späth für ihr herausragendes Innovationsmanagement mit dem „Top 100“-Gütesiegel geehrt wurden, erreichen durchweg erheblich bessere Werte als die Vergleichsgruppe.

Anreizsysteme helfen

So erzielen die „Top 100“-Unternehmen beispielsweise durchschnittlich 66 Prozent ihrer Umsätze und 69 Prozent ihres Gewinns mit Innovationen und innovativen Verbesserungen aus den vergangenen drei Jahren. Bei den Mittelständlern, die sich nicht an dem Wettbewerb beteiligten, liegt dieser Anteil bei gerade einmal 30 bzw. 35 Prozent. Der Umsatzanteil radikaler Innovationen, also völlig neuartiger Produkte oder Dienstleistungen, war sogar um das Dreifache höher. Auch in anderen Bereichen wirkte sich die Innovationskraft positiv aus. Dank neuer Ideen gelang es den „Top 100“ unter anderem, im vergangenen Jahr insgesamt 12 Prozent der Kosten einzusparen. Dieser Wert ist ebenfalls um das Dreifache höher als in der Vergleichsgruppe.

Der Erfolg ist ein Ergebnis zielgerichteten Engagements: Die ausgezeichneten Innovatoren investieren wesentlich mehr Zeit und Geld in diesen Managementbereich: Im Mittel werden jährlich 9,5 Prozent des Umsatzes in Innovationen gesteckt, zudem stehen jedem Mitarbeiter 11 Prozent seiner Arbeitszeit zur freien Verfügung, um eigene Ideen zu entwickeln und zu verfolgen. Darüber hinaus haben 78 Prozent ein institutionalisiertes Anreizsystem etabliert, um ihre Mitarbeiter dazu zu motivieren, auch besonders kreative oder unkonventionelle Vorschläge einzubringen. Die anderen befragten Unternehmen sind bei ihren Innovationstätigkeiten mit 3,1 Prozent des Umsatzes und 5 Prozent der Arbeitszeit lange nicht so aktiv. Außerdem verfügen nur 34 Prozent der Vergleichs-KMU über ein Anreizsystem.

Besonders eklatant fällt der Unterschied im Bereich „Innovative Prozesse und Organisation“ aus: Während beispielsweise mit 94 Prozent fast alle „Top 100“-Unternehmen ein systematisches Markt- und Technologiemonitoring durchführen, geschieht dies lediglich bei knapp einem Drittel der restlichen Mittelständler. Ähnlich sieht es beim Innovationsprozessdesign aus:

Praktisch alle Innovationsführer (99 Prozent) gehen Innovationsprojekte mit einer detaillierten Ideenprüfung, einer Wirtschaftlichkeitsanalyse und einem Konzepttest äußerst strukturiert und strategisch an, bei den anderen Betrieben bedient sich lediglich ein Drittel einer systematischen Vorgehensweise. Eine eigene Innovationsabteilung leisten sich nur 34 Prozent der nicht ausgezeichneten Firmen, aber ganze 87 Prozent der Top-Innovatoren.

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Kooperationsaktivitäten. So arbeitet die Innovationselite zu 70 Prozent mit Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen, fast jedes fünfte Unternehmen öffnet seinen Innovationsprozess sogar für Wettbewerber. Kooperationen mit Kunden und Lieferanten zählen ohnehin zum Standardrepertoire der Top-Innovatoren. Dieses gezielte Leben von „Open Innovation“ scheint beim Rest der mittelständischen Firmen dagegen noch weitgehend unbekannt zu sein.

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