Bilanz der gesetzlichen Unfallversicherung 2007: Unfallrisiko ist weiter gesunken

Das Unfallrisiko am Arbeitsplatz ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Das geht aus aktuellen Zahlen der Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand hervor, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) heute in Berlin vorgestellt hat. Danach gab es 2007 pro 1.000 Vollarbeiter 26,8 Unfälle, verglichen mit 27,0 Unfällen im Jahr zuvor. Auch der Schulbesuch ist 2007 sicherer geworden: Vor allem die Zahl der schweren Unfälle in Schulen, Universitäten und Kindertagesstätten sowie auf dem Weg dorthin ging deutlich zurück.

Trotz des geringeren Unfallrisikos ist die absolute Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt um 1,2 Prozent auf 959.714 gestiegen. „Das klingt paradox, ist es aber nicht“, sagte DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer bei der Vorstellung der Zahlen. Denn gleichzeitig sei dank der guten Konjunktur auch die Beschäftigung gewachsen. „Im vergangenen Jahr hat die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 2,5 Prozent auf 57 Milliarden Stunden zugenommen. Wenn so viel mehr gearbeitet wird, passiert absolut gesehen auch mehr, obwohl das Risiko abnimmt.“ Ursache für das geringere Unfallrisiko sei das anhaltende Engagement von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Prävention.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Breuer das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Unfallversicherung (UVMG), über das der Bundestag derzeit berät: „Die neuen Meldepflichten, die das UVMG den Arbeitgebern auferlegen wird, verursachen enorme zusätzliche Kosten. Der Wirtschaft nach dem Ölpreis- auch noch den Bürokratie-Schock zuzumuten, ist alles andere als konjunkturfreundlich.“ Dabei gebe es effiziente Alternativen: „Es gibt gute Lösungsansätze, die wir derzeit weiterentwickeln. Es braucht jetzt nur den politischen Willen, eine fatale Fehlentscheidung im letzten Moment abzuwenden.“

Beitrag zur Berufsgenossenschaft erreicht Rekordtief

Die gute Konjunktur spiegelt sich auch in den Finanzen der Unfallversicherung wider. So sank der durchschnittliche Beitragssatz zu den Berufsgenossenschaften auf den historischen Tiefststand von 1,28 Prozent (2006: 1,32 Prozent). Das Umlagesoll der Berufsgenossenschaften, die sich allein aus Beiträgen der Arbeitgeber finanzieren, lag bei rund 9 Milliarden Euro. Die öffentlichen Haushalte mussten insgesamt 1,2 Milliarden Euro für die Versicherung ihrer Arbeitnehmer sowie von Schülern und ehrenamtlich Tätigen aufwenden.

Weniger neue Unfallrenten und tödliche Unfälle

17.171 Versicherte erhielten 2007 erstmals eine Rente für die Folgen eines Arbeitsunfalls, im Jahr zuvor waren es noch 18.639. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle sank deutlich: Insgesamt starben im Jahr 2007 621 Menschen in Folge eines Arbeitsunfalls, im Jahr 2006 waren es noch 711.

Die Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand registrierten 167.067 meldepflichtige Wegeunfälle, 24.119 Unfälle weniger als im Jahr 2006. Auch die Zahl der neuen Wegeunfallrenten ging 2007 zurück. Sie lag bei 6.170, im Jahr zuvor waren es noch 7.142. Die Zahl der tödlichen Wegeunfälle sank von 535 im Vorjahr auf 504 im Jahr 2007.

Weniger Todesfälle aufgrund von Berufskrankheiten

Insgesamt gingen 2007 60.988 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit bei den Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträgern der öffentlichen Hand ein, 248 weniger als 2006. Der Verdacht bestätigte sich in 23.622 Fällen, eine Zunahme von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2006: 22.995). In diesen Fällen erbrachte die Unfallversicherung Leistungen zur Heilbehandlung und zur Rehabilitation. Bei 13.363 Versicherten waren die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Anerkennung gegeben. Zu diesen Voraussetzungen zählen: schwere, wiederholte Krankheitsschübe und die Aufgabe der Tätigkeit. 4.123 Versicherte erhielten erstmals eine BK-Rente (2006: 4.776). 2.315 Menschen starben 2007 infolge einer Berufskrankheit (2006: 2.543).

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