Chinesische Naturstein-Delegation besucht Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

Rund 70 bis 80 Prozent der in Deutschland verbauten Natursteine kommen aus Asien, der größte Teil davon aus China. Die dortigen Arbeitsbedingungen entsprechen oftmals nicht den Kernarbeitsnormen, wie sie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert. In der Initiative „Fair Stone“ arbeiten deutsche Importunternehmen mit chinesichen Natursteinbetrieben zusammen, um die Arbeitssituation der Betriebe in China nachhaltig zu verbessern.

Das Projekt „Fair Stone“ kümmert sich um soziale und ökologische Mindeststandards bei der Herstellung von Natursteinprodukten in China und Indien. Das Projekt wird von der Bundesregierung über das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell gefördert.

Im Rahmen des Projektes hat sich jetzt eine chinesische Delegation der Natursteinindustrie aus der Provinz Fujian bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG) über den Arbeits- und Gesundheitschutz in der natursteinverarbeitenden Industrie in Deutschland informiert. Man ist auf der Suche nach international bewährten Arbeitsverfahren; dabei setzt Dr. Werner von der das Projekt betreuenden Unternehmensberatung WIN=WIN gezielte Hoffnungen auf die Erfahrungen bei der StBG.

Langfristiges Ziel ist es, zur Einführung eines allgemein anerkannten Siegels „Fair Stone“ mit Standards für fair gehandelte Natursteinprodukte beizutragen. Mit Theodor Bülhoff, dem Hauptgeschäftsführer der Steinbruchs-BG, und dem Leiter des Geschäftsbereichs Prävention, Helmut Ehnes, wurde das Thema umfassend diskutiert.

Im weiteren Verlauf des Projektes müssen die Voraussetzungen für das Erlangen eines Zertifikates festgelegt werden, um sicherzustellen, dass das Produkt Naturstein unter sozialen und humanen Bedingungen gewonnen und produziert worden ist. Es besteht Einigkeit darüber, grundsätzlich Standards anhand existierender Normen und Regelwerke zu definieren. Die Unternehmen müssen über die Anforderungen informiert und es müssen Inspektoren für Sicherheit und Gesundheitsschutz ausgebildet werden.

Bei der Erfassung des Ist-Zustandes mit Hinweisen zu Gefährdungen und Belastungen in den Betrieben und der Aus- und Weiterbildung kann die StBG Know-how-Transfer liefern. Durch Betriebsbegehungen und Defizitanalysen, einhergehend mit Managementplänen für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, lassen sich abgestuft nachhaltig Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes erreichen. Unabhängige Auditoren führen die Auditierung durch, bei Erfüllung der Mindestvoraussetzungen erfolgt die zeitlich befristete Siegelübergabe.

Eine Kooperation mit der StBG ist angedacht, um im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu beraten. Generell muss es das Ziel sein, weltweit gleiche Produktionsbedingungen anzustreben. In der Zusammenarbeit von Steinbruchs-BG, der Sektion Bergbau der IVSS (Internationale Vereinigung Soziale Sicherheit), der Unternehmensberatung WIN=WIN und der deutsch-chinesischen Joint-Venture-Unternehmung sollen Vorschläge für die Voraussetzungen der Vergabe eines Siegels „Fair Stone“ erarbeitet werden.

Sowohl in China als auch in Indien haben sich bisher insgesamt mehr als 30 lokale Arbeitgeber schriftlich dazu verpflichtet, keine ausbeuterische Kinderarbeit und keine Zwangsarbeit in ihren Betrieben zuzulassen sowie weiterhin Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie die Arbeitsrechte in Anlehnung an die ILO-Kernarbeitsnormen laufend zu verbessern.

Die ersten Betriebe bemühen sich um Staub- und Lärmschutz und um mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. Das Unternehmen Keller Lufttechnik hat einen Betrieb in Xiamen (China) mit modernen Anlagen der Luftreinigung ausgestattet. Durch diese Fortschritte konnte das Win=Win-Team die ersten Zertifikate ausstellen. Chinesische und indische Unternehmen wie Händler wurden verpflichtet, die Software „Tracing Fair Stone“ zu nutzen, um die Transparenz in der Beschaffung von „Fair Stones“ über die gesamte Lieferkette zu gewährleisten.

Die zukunftsweisenden Entwicklungen in der Verbesserung der Arbeits- und Gesundheitsbedingungen in der chinesischen Natursteinindustrie wurden mit Freude zur Kenntnis genommen.

Die chinesischen Gäste hatten auch die Möglichkeit, einige Natursteinunternehmen im Schwarzwald zu besuchen, um sich persönlich ein Bild über moderne Arbeitsverfahren und Arbeitsplätze in der deutschen Natursteinindustrie zu machen. Sie waren voll des Lobes über die vorbildlichen Betriebsverhältnisse.

Gerhard Czuck, StBG

von rechts: Helmut Ehnes, Theodor Bülhoff, Dr. Werner, Hian Lim, Ji Carrie, Gerhard Czuck
von rechts: Helmut Ehnes, Theodor Bülhoff, Dr. Werner, Hian Lim, Ji Carrie, Gerhard Czuck
von rechts: Ji Carrie, Gerhard Czuck, Hian Lim
von rechts: Ji Carrie, Gerhard Czuck, Hian Lim