Sicheres Arbeiten im Heißbereich von Zementwerken

Am 24. April 2008 fand in Göttingen ein Symposium unter dem Motto „Sicheres Arbeiten im Heißbereich von Zementwerken“ statt, das gemeinsam vom Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft durchgeführt wurde. Mit 85 Teilnehmern war die Veranstaltung ausgebucht. Dieses rege Interesse zeigte, dass die Veranstalter einen aktuellen Schwerpunkt sowohl in verfahrenstechnischer Hinsicht als auch aus der Blickrichtung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes gewählt hatten.

In seiner Begrüßung erläuterte Wolfgang Pichl, Leiter des Technischen Aufsichtsdienstes der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, die Hintergründe der Durchführung des Symposiums. Ursache sei ein tödlicher Arbeitsunfall gewesen, der sich bei der Beseitigung einer Heißmehlverstopfung im Wärmetauscherturm eines Zementwerkes ereignet habe. Darüber hinaus sei auch seit geraumer Zeit eine Zunahme von zum Teil schweren Arbeitsunfällen in diesem Arbeitsbereich zu beobachten. Dies habe den Geschäftsbereich Prävention und den Präventionsausschuss der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft dazu veranlasst, dieses Thema mit Fachleuten der Zement-Industrie intensiv zu diskutieren.

Pichl bedankte sich beim VDZ, der sich sofort bereit erklärt habe, konzeptionell und inhaltlich an einer solchen Veranstaltung mitzuwirken. In seiner Begrüßung hob Dr. Hoenig, Leiter der Abteilung Umwelt und Betriebstechnik beim VDZ, die besondere Bedeutung dieses Themas im Hinblick auf kontrollierte und stabile Herstellungsprozesse sowie sichere Arbeitsabläufe hervor.

Schließlich konnte Pichl auch einen „Ehrengast“ begrüßen: Dr. Hans Otto Gardeik, alternierender Vorsitzender des Vorstands der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und lange Jahre in der Zement-Industrie an verantwortlicher Stelle in der Forschung und in der Produktion tätig, bestätigte in seinem Grußwort die Bedeutung des Themas für Industrie und Berufsgenossenschaft.

Heißmehl: Unfallgeschehen über dem Durchschnitt

Im ersten Vortrag der Veranstaltung analysierte Christian Claus, Technischer Aufsichtsbeamter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, das Unfallgeschehen im Zusammenhang mit Arbeiten im Heißbereich von Zementwerken. Er hob hervor, dass entgegen dem Trend in der Zement-Industrie die Anzahl insbesondere der schweren Arbeitsunfälle in diesem Arbeitsbereich auf einem über dem Durchschnitt liegenden Niveau verharre.

Anhand einiger Unfallbeispiele machte Claus deutlich, dass die typischen Unfallursachen sowohl in organisatorischen Defiziten, aber auch im persönlichen Verhalten bzw. nicht geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung liegen. Dabei habe sich die überwiegende Anzahl der Unfälle bei der Beseitigung von Heißmehlverstopfungen in den Zyklonstufen des Wärmetauscherturmes ereignet.

Im sich daran anschließenden Vortrag ging Peter Rödel von der Firma CIMALUX, Luxemburg, auf mögliche Ursachen für Störungen des Ofenbetriebes durch Ansatzbildung und Einflüsse auf die Verfahrenstechnik ein. Dabei beschrieb er zunächst die chemischen Prozesse, die eine Ansatzbildung begünstigen. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der Beschreibung der Wechselwirkungen, die der Einsatz von Sonderbrennstoffen auf die Verfahrenstechnik hat. In den letzten Jahren sei der Anteil dieser Brennstoffe kontinuierlich gestiegen. Auch die immer wieder zu beobachtende kurzfristige Änderung der am Markt verfügbaren Einsatzstoffe und ihre Qualität bereiten Probleme, einen stabilen Herstellungsprozess zu gewährleisten. Unter anderem darin liege eine deutliche Zunahme der Anzahl der Ansatzbildungen bzw. Heißmehlverstopfungen im Wärmetauscherturm begründet.

Technische Maßnahmen

In seinem Vortrag „Technische Maßnahmen zum störungsarmen Betrieb – wohin geht die Entwicklung?“ beschäftigte sich Dr. Volker Hoenig, VDZ, u. a. mit der Frage, wie sich der Anteil von Sekundärbrennstoffen in der Zement-Industrie zukünftig entwickeln wird.

Dr. Hoenig geht davon aus, dass der Trend zur weiteren Steigerung des Anteils von Sekundärbrennstoffen weiter anhalten und gleichzeitig die Verfügbarkeit hochkalorischer Sekundärbrennstoffe weiter abnehmen wird. Um damit einhergehende verfahrenstechnische Probleme zu minimieren, seien technische Weiterentwicklungen bzgl. der Brennertechnik, eine hocheffiziente Kühlertechnik, die strömungstechnische Optimierung von Zyklonen und eine angepasste Sekundärbrennstoffaufbereitung zwingend erforderlich.

In ihren Vorträgen „Maßnahmen zur Realisierung eines störungsfreien Betriebes“ sowie „Betriebserfahrungen mit dem Bypass-System im Zementwerk Burglengenfeld“ beschrieben Kai Wagner, Phoenix Zement Krogbeumker GmbH & Co. KG, und Bernhard Reindl, HeidelbergerCement AG, Maßnahmen, die trotz Einsatzes hoher Anteile von Sekundärbrennstoffen einen störungsfreien Betrieb gewährleisten.

Beide Vortragenden machten deutlich, dass durch eine Kombination von technischen und organisatorischen Maßnahmen, wie z. B. der Einrichtung eines Bypass-Systems sowie strenge Qualitätsanforderungen an die Lieferanten von Ersatzbrennstoffen, eine deutliche Reduzierung der Ansatzbildung möglich ist.

Organisatorische Maßnahmen

In einem weiteren Vortragsblock wurden von Ulrich Ahlmer, HeidelbergCement AG, und Klaus Schenk, Lafarge Zement Karsdorf GmbH, technische und organisatorische Lösungen zu einer sicheren Ansatzbeseitigung in bestehenden Anlagen skizziert. Beide Vortragenden machten deutlich, dass hierfür sichere Technologien zur Verfügung stehen, wobei die damit verbundenen Arbeitsabläufe allerdings unbedingt in festgelegte Organisationsstrukturen – wie z. B. Training, Unterweisung, Betriebsanweisung, Gefährdungsbeurteilung – eingebunden werden müssen.

Von Uwe Pätzold, Technischer Aufsichtsbeamter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, und Uwe Pauls, Teutonia Zementwerk AG, wurde das zur Zeit von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft entwickelte Präventionspaket mit dem Arbeitstitel „Heißmehl“ vorgestellt. Kernelement ist ein aus vier Modulen bestehendes Video, das für Unterweisungen im Zusammenhang mit der Durchführung von diversen Arbeiten im Wärmetauscherturm eingesetzt werden kann.

Darüber hinaus sei geplant, dem Medienpaket u. a. Unterweisungsunterlagen, Musterbetriebsanweisungen und Gefährdungsbeurteilungen sowie Unfallbeispiele, VDZ-Veröffentlichungen beizufügen. Nach den derzeitigen Planungen soll das Präventionspaket „Heißmehl“ im Herbst 2008 den Mitgliedsunternehmen kostenfrei zur Verfügung stehen.

Persönliche Schutzausrüstung

Im letzten Vortrag beschäftigten sich Norbert Voß und Siegfried Neufeld von der Holcim (Deutschland) AG mit Entwicklungen rund um das Thema „Persönliche Schutzausrüstung“. Beide Referenten machten deutlich, wie wichtig es trotz ausgefeilter Technik sei, eine auf die am Arbeitsplatz auftretenden Gefährdungen zugeschnittene Persönliche Schutzausrüstung zu tragen.

Von den Referenten wurde eine im Unternehmen Holcim gemeinsam mit einem Bekleidungshersteller entwickelte Kleidung vorgestellt, die für alle im Wärmetauscherturm anfallenden Arbeiten geeignet ist. Selbstverständlich seien von Anfang an die betroffenen Mitarbeiter in die Entwicklung der Kleidung mit einbezogen worden. Entstanden sei eine Bekleidungsserie, die einerseits die Schutzwirkung gegenüber Heißmehl in vollem Umfang erfüllt und andererseits einen hohen Tragekomfort und optimale Funktionalität gewährleistet.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Pichl allen Referenten für die informativen Vorträge und den Teilnehmern für ihr Interesse und die angeregten Diskussionen. Er hoffe und wünsche sich, dass durch dieses Symposium neue Impulse und neue Denkanstöße für ein sicheres Arbeiten im Heißbereich von Zementwerken gegeben werden konnte, „denn unser gemeinsames Ziel muss lauten: Null Arbeitsunfälle – auch bei Arbeiten im Heißbereich von Zementwerken.“

Teilnehmer
Das „Heißmehl-Symposium“ stieß auf großes Interesse
Wolfgang Pichl, StBG, bei seiner Begrüßungsansprache
Wolfgang Pichl, StBG, bei seiner Begrüßungsansprache
Dr. Hans Otto Gardeik hob die Bedeutung des Themas hervor
Dr. Hans Otto Gardeik hob die Bedeutung des Themas hervor
Vorstellung einer speziellen Arbeitsschutzkleidung für alle im Wärmetauscherturm anfallenden Arbeiten
Vorstellung einer speziellen Arbeitsschutzkleidung für alle im Wärmetauscherturm anfallenden Arbeiten
Diskussion
Die Vorträge lieferten Stoff für reichlich Diskussion