Vorbeugender Brandschutz: Erfolgreiches Kolloquium in Freiberg

Eine Reihe von Bränden an untertägig eingesetzten Fahrzeugen und Arbeitsmaschinen war für die Bergbau-Berufsgenossenschaft Veranlassung, sich des Themas des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes in einer eigenen Vortragsveranstaltung anzunehmen. Wegen der inhaltlichen Zusammenhänge zur Reihe arbeitssicherheitlicher Kolloquien an der TU Bergakademie Freiberg und zu ähnlich ausgelösten Diskussionen im Deutschen Ausschuss für das Grubenrettungswesen hat das Zentrale Grubenrettungswesen der Bergbau-Berufsgenossenschaft die Federführung in dieser Veranstaltergemeinschaft zur Organisation des Kolloquiums in Freiberg übernommen.

Nach kurzer Begrüßung durch Prof. Drebenstedt vom Institut für Bergbau der TU Bergakademie Freiberg und durch Prof. Schmidt, Präsident des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg, wies Dipl.-Ing. H. Ehnes, Leiter des Gemeinsamen Geschäftsbereichs Prävention von Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass auch bei Brandereignissen an technischen Anlagen und Einrichtungen der Grundsatz gelte, erst alle präventiven Maßnahmen auszuschöpfen, bevor aufwändige Abwehrmaßnahmen greifen. Bezogen auf Brandgefahren durch den Betrieb von untertägig eingesetzten Fahrzeugen und Arbeitsmaschinen sei der Bergwerksbetrieb durchaus mit der Auffahrungsphase von Tunneln vergleichbar, weshalb Erkenntnisse und Erfahrungen aus beiden Tätigkeitsbereichen in dem Kolloquium betrachtet werden sollten. Ziel der Veranstaltung sei es, gemeinsam den Bogen schlagen von der Ermittlung der Brandursachen, von den konstruktiven Verbesserungsmöglichkeiten an Fahrzeugen und deren brandschutztechnischen Entwicklungen über Aspekte der Beurteilung von Gefahren, ausgehend vom Brandinventar von Fahrzeugen und deren Beladung, bis hin zu modernsten Vorschlägen zur Brandbekämpfung und zu Forschungsaktivitäten zur Gefahrenabwehr für Berg- und Tunnelbau.

Als erster Vortragender analysierte Dr.-Ing. H. Sönksen von der K+S Gruppe, Kassel, Brandereignisse an gleislosen Maschinen und Fahrzeugen im untertägigen Kali- und Steinsalzbergbau. Er kam zu dem Ergebnis, dass bei allen untersuchten 27 Brandereignissen aus den letzten fünf Jahren es in keinem einzigen Fall zu einem Personenschaden (Verletzung) kam, dass aber die schnelle Alarmierung der betroffenen Belegschaft und die unverzügliche Räumung der Grubenbereiche erste Priorität habe, wenn der Versuch, den Entstehungsbrand löschen zu wollen, nicht sofort gelingen sollte. Eine größere Brandentstehung könne nur mit Hilfe der Grubenwehr verhindert werden, wenn die Wehr schnellstmöglich am Brandort einsatzbereit zur Verfügung stehe. Dr. Sönksen plädierte dafür, jedes Brandereignis zur Ableitung präventiver Maßnahmen auszuwerten, um dadurch zu einer stetigen Weiterentwicklung der Maschinentechnik und auch der Löschverfahren zu kommen.

Zu gleichen Schlussfolgerungen kam Prof. Haack von der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (STUVA), Köln, in seiner umfassenden Analyse von Brandereignissen bei Tunnelauffahrungen. Analog zur festgeschriebenen Vorgehensweise im Untertagebetrieb müsse auch für den Tunnelvortrieb in jedem Einzelfall ein Brandschutz- und Rettungskonzept aufgestellt und darüber hinaus sorgfältig geprüft werden, ob die Notwendigkeit des Einsatzes von Bordlöschanlagen an Fahrzeugen, von rauchdichten Fluchtcontainern, von Sauerstoffselbstrettern für Belegschaft und Besucher sowie der Aufstellung und Vorhaltung einer Tunnelwehr mit Langzeit-Atemschutzgeräten bestehe.

Da in jüngster Zeit in Untertagebetrieben auch Sprengstoffladefahrzeuge in Brand geraten waren, gab die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Berlin, die Empfehlung ab, Entstehungsbrände mit den vorhandenen Mitteln schnellstmöglich zu bekämpfen, dabei aber nicht zu versuchen, Explosivstoffbrände zu löschen; Sprengstoffe und Zündmittel zu kühlen bzw. mit großen Mengen Wasser aufzulösen oder abzudecken. Dabei solle der Druckkessel des Fahrzeuges zur Entlas-tung geöffnet sein und großräumig abzusperren, wenn der Brand auf Sprengmittel übergreife. Auf entsprechende Bewetterung zur Kühlung und Verdünnung der Schwaden müsse geachtet werden, da Sprengstoffschwaden toxisch seien.

D. Wenrich, Oberführer der Grubenwehr des Werkes Werra der K+S GmbH, Heringen, gab in seinem Praxisbericht einen Überblick über die für die direkte und die indirekte Bekämpfung von Fahrzeugbränden notwendige Ausrüstung, wie z. B. Spezialfahrzeuge, Sicherheitsausstattung, Anhänger, Löschmittel und andere Einsatzmaterialien.

Dipl.-Ing. Kretschmann, GHH Fahrzeuge GmbH, teilte die konstruktiven Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes an Fahrzeugen erstens in Primärmaßnahmen, wie z. B. Reduzierung der Brandlast, Auswahl geeigneter Komponenten, Abschottung heißer Bauteile und  Fangeinrichtungen an rotierenden Teilen ein. Sekundärmaßnahmen bestehen z. B. aus Überwachungseinrichtungen an kritischen Bauteilen, Bedienerwarnung oder Abschaltung der Antriebsmaschine bei detektierten Störungen, vorbeugender Instandhaltung und Einbau der geeigneten Löschanlage.

Die hochmoderne Lösung für eine Bordlöschanlage stellte Dipl.-Ing. Zölck, Protecfire GmbH, vor. Mittels spezieller Feinsprühdüsen werde nach der Auslösung das Löschmittel als feiner Sprühnebel verteilt. Dadurch sollen Brandflächen nachhaltig gasdicht abgedeckt werden, und das Temperaturniveau solle kurzfristig zur Vermeidung von Rückzündungen rapide abgesenkt werden.

In einem Beitrag über das Transport- Unfall- Informations- und Hilfeleistungssystem TUIS stellte Dipl.-Ing. A. Bentz von der Feuerwehr der BASF, Ludwigshafen, Möglichkeiten zur Unterstützung bei Großschadenslagen, wie z. B. in Stufe 1 telefonische Beratung, in Stufe 2 Beratung am Unfall- oder Schadensort und in Stufe 3 technische Hilfeleistung vor Ort vor. Die technische Hilfeleistung könne im Extremfall auch bis zur Bereitstellung eines Turbolöschers mit zwei Alphajet-Triebwerken mit einer Löschleistung von 3000 – 7000 l/min bei einer Reichweite von bis zu 120 m gehen. Für kurzfristige Interventionsmaßnahmen werden sogenannte ERI-Cards (Emergency Response Intervention Cards) zur umfassenden Information bei Schadensfällen mit nicht sofort identifizierbaren Schadstoffen, wie z. B. Bezug auf Stoffeigenschaften mit Beschreibung eventueller Gefährdungen sowie Hinweise zu Schutzmaßnahmen, Einsatz- und Erste-Hilfe-Maßnahmen, zur Verfügung gestellt.

Dipl.-Ing. Wetzig von der VersuchsStollen Hagerbach AG beschrieb den Stand der internationalen Sicherheitsforschung in Bezug auf die Problematik untertägiger Brände und stellte Möglichkeiten seiner Institution durch Großversuche zwecks Validierung von Modellen und zum Erkennen von Wechselwirkungen zwischen Systemelementen vor. Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei in der Weiterentwicklung der Feuerwehr-Ausbildung – analog zur Ausbildung von Grubenwehren - , wo derzeit Diskussionen geführt werden über die Grenzen der persönlichen Leistungsfähigkeit des Einsatzpersonals sowie über die Erprobung neuer Einsatztaktiken.

Abschließend berichtete Kreisbrandmeister Helmers vom Landkreis Leer über die besonderen Vorzüge eines dort im Einsatz befindlichen Lösch-Unterstützungsfahrzeugs. Dieses ferngesteuerte Löschsystem auf Raupenfahrwerk mit der Bezeichnung LUF 60 ermögliche Einsatzkräften ein sicheres Vorrücken zum Brandobjekt bei hoher Mobilität und großer verfügbarer Löschleistung. Mit einer Vernebelung von bis zu 400 l/min Wasser könne auch bei relativ weiter Entfernung zum Brandobjekt eine intensive Kühlwirkung erzielt werden. Bei Bedarf könne wahlweise auch lediglich der starke Lüfter zur Verbesserung der Wetterverhältnisse geschaltet werden. Für beengte Verhältnisse untertage werde eine kleinere Variante mit der Bezeichnung LUF 30 angeboten, die eine Bauhöhe von nur 185 cm aufweist.

Im Anschluss an das Kolloquium wurde das LUF 60 von der Feuerwehr Freiberg in einer beeindruckenden Einsatz-Demonstration auf dem Freigelände der TU vorgestellt.

Der abschließende Kommentar von Veranstaltungsteilnehmern war genau so einhellig wie außerordentlich positiv: Das Kolloquium hat die Probleme des untertägigen vorbeugenden Brandschutzes im Zusammenhang mit dem Betrieb von Fahrzeugen und mobilen Arbeitsmaschinen erfasst und mitsamt Lösungsvorschlägen zur Verbesserung von abwehrenden Brandbekämpfungsmaßnahmen umfassend behandelt. Aufgrund der Vielzahl innovativer Ideen in den Präsentations- und Diskussionsbeiträgen sind nun die Verantwortlichen in den Bergwerksunternehmen und unter den Tunnelbaufirmen aufgerufen, die dargestellten Möglichkeiten auf Realisierbarkeit vor Ort zu prüfen und daraus Verbesserungen zum Schutz von Fahrzeugführern, der Belegschaft und gegebenenfalls externen Einsatzkräften abzuleiten. 

Wolfgang Roehl,
Zentrales Grubenrettungswesen der BBG

Brand eines Bohrjumbos im Lötschberg-Basistunnel
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Ausgebrannte Sohlenfräse; hier: Brand ausgehend vom Dieselmotor bzw. von der hydraulischen Anlage
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Lademaschine mit Schutzdach für Einsatzkräfte
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Versuch zur Brandausbreitung bei Fahrzeugunfällen
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Demonstration der Einsatzmöglichkeiten des LUF 60
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