Technik

Internetpräsenz von Unternehmen

Kunde läutet!

Klein- und mittelständische Betriebe (KMU) sind eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft, ihre Produktivität, ihr Innovationspotenzial weltweit Spitze. Schade nur, dass das auf den Internetpräsenzen vieler KMU kaum zu erkennen ist – sofern sie überhaupt eine haben. Dabei ist eine klug konstruierte, in eine effiziente IT-Struktur integrierte Website ein wirksames Instrument zur Imagepflege – und zur Optimierung von Produktions- und Logistik-Prozessen.

Besser gar keine Website als eine schlechte: So könnte man meinen angesichts eines Meeres von Internetpräsenzen, die weder funktional noch gestalterisch diese Bezeichnung eigentlich verdienen. Irgendwann vor X Jahren von einem Halbprofi aufgesetzt – oft aus dem kollegialen oder gar privaten Umfeld –, fristen die Seiten ein Mauerblümchendasein im Netz. Sie sind schlecht auffindbar, werden kaum gepflegt und aktualisiert, lassen in puncto Usability und Design zu wünschen übrig. Unvernetzte Insellösungen, die im Grunde nur einen Serverplatz belegen, der allein dem Rechenzentrum oder Hosting-Dienst Geld einbringt. Das wahre Potenzial, das dieses Medium grundsätzlich birgt, bleibt von dessen Betreiber ungenutzt.

Tue Gutes und rede darüber

Wo das herkommt, ist klar. Insbesondere KMU haben mit dem Tagesgeschäft alle Hände voll zu tun – es fehlt die Zeit, sich um den viralen Auftritt zu kümmern. Allenfalls sporadisch meldet sich das schlechte Gewissen der Unternehmer, „dass man das ja auch mal endlich angehen müsste“. Hinzu kommt oft ein Generationenkonflikt: Während der Nachwuchs im Unternehmen PC und Internet, Smartphone und Tablet rege nutzt und sich fragt, warum ausgerechnet beim eigenen Arbeitgeber die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, tun viele Firmeninhaber älteren Semesters das Thema Internet lapidar ab: „Brauchen wir nicht, wir lassen lieber die Qualität unserer Produkte sprechen.“

Um mit einer anderen Binsenweisheit dagegenzuhalten: Man sollte Gutes tun – und auch darüber reden. Das Internet ist dafür die ideale Plattform. Denn es kommt dem heutigen Medien-Nutzungsverhalten entgegen, weil es schnell und niedrigschwellig zugänglich ist. Genau das erwarten Internet-User von einer Website: pointierte, rasch erfassbare und transparent strukturierte Informationen, die bestenfalls auch noch optisch ansprechend aufbereitet sind. Läuft eine Website rund, kann sie die Entscheidung für den Produktkauf oder die Kontaktaufnahme positiv beeinflussen. Jeder, der das nicht glaubt, möge sein eigenes Nutzungsverhalten betrachten: Bei welchem Online-Shop kauft man lieber – bei einem professionell konstruierten oder bei einem, der sich als handgestricktes Werk eines Hobbyisten präsentiert?

Auf den ersten Blick vielleicht ein hinkender Vergleich, ist doch das Internet nur für die wenigsten Unternehmen der Branche Baustoffe – Steine – Erden die bevorzugte Verkaufsplattform. Schaut man aber tiefer, wird ein Schuh draus. Im Grunde geht es immer ums Verkaufen, auch bei der schlichten Information über eigene Produkte und Leistungen. Darauf zu warten, dass sich Qualität und Innovationspotenzial schon irgendwie herumsprechen und früher oder später neue Kunden in die Kartei lotsen werden, ist nicht mehr zeitgemäß. Zu groß ist der Konkurrenzdruck. Derjenige, der auch im Netz professionell auftritt, hat größere Chancen, das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und das Geschäft zu machen.

Reduce to the max

Das heißt nun aber nicht, dass man auf der Unternehmens-Website ein multimediales Feuerwerk zünden müsste. Ganz im Gegenteil. Als im ausgehenden 20. Jahrhundert Hinz und Kunz Websites aufsetzten, glich es fast einem Wettkampf darum, wer die meisten und modernsten Präsentationsformen, Multimedia-Plug-ins und Animationen auf seiner Seite unterbringt. Überfrachtete Präsenzen, so die Erkenntnis nach der ersten Online-Euphorie, ermüden den User, mindern den Nutzwert und erhöhen die Ladezeiten. Mittlerweile wirken moderne, gut funktionierende Seiten deutlich schlanker und dezenter, da sie den Besucher in den Mittelpunkt stellen, nicht die bloße Selbstdarstellung als mit allen medialen Wassern gewaschener Supertanker. Genau das ist ein Anspruch, den jedes verkaufsfördernde Instrument erfüllen sollte, ebenso die Unternehmens-Website.

Die neue Schlichtheit hat auch einen praktischen Vorteil: Seiten, die sich darauf beschränken, den Informationsbedarf des Kunden zu decken und dessen Kaufentscheidung positiv zu beeinflussen, kann man mit einfach zugänglichen, günstigen Mitteln bauen. Gemeint sind vor allem jene quelloffenen Content-Management-Systeme (CMS), die angehende Website-Administratoren für relativ kleines Geld aus dem Netz ziehen können. Mit TYPO3, WordPress, Joomla!, Drupal, Contao und Plone seien nur mal die populärsten der rund 300 Open-Source-CMS genannt, die es inzwischen gibt. Auch die großen Telefonie- und Internet-Provider bieten mittlerweile Website-Baukästen an. Für eine betriebs- und missbrauchssichere Internetpräsenz jedoch, die – wenn auch erst in einem nächsten Schritt – in eine unternehmensüberspannende IT-Architektur integriert werden soll, taugen diese Simpelst-Lösungen nicht.

Oberkörper eines Mannes, vorne ein Browser-Adressfeld
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Heikle Frage 1: Selber bauen?

Nun soll hier aber nicht der Eindruck entstehen, dass man sich irgendein CMS runterladen und sofort loslegen könne. Ohne Vorwissen läuft auch bei den genannten Systemen nichts. Sowieso sollte man sich vor dem Download darüber klar sein, welche Absicht man mit seiner Website verfolgt, über welche Funktionen sie verfügen und welche Schnittstellen sie etwa zu Datenbanken, Lagerhaltung, Warendisposition und Produktionssteuerung bieten soll, vom Design mal ganz abgesehen. Und nicht zuletzt sollte auch geklärt sein, ob eine bereits existierende Website entsprechend modifiziert werden kann oder es nicht doch einfacher wäre, sie von Grund auf neu aufzubauen.

Wie auch immer: Bei der Auswahl des CMS gilt es, mit Weitsicht vorzugehen, denn die Seite muss mit dem Unternehmenswachstum Schritt halten können und entsprechend ausbaufähig sein. Einen recht einfach verständlichen, mehrere Systeme gegenüberstellenden Einsteiger-Artikel zum Thema bietet etwa die Agentur „visual4“ auf ihrer Website unter www.visual4.de. Wer basale Informationen zu den verschiedenen Konzepten und Funktionen von CMS braucht, sei auf das gute, alte Wikipedia verwiesen.

Heikle Frage 2: Selber pflegen?

Kommen wir zu einer weiteren wichtigen Überlegung: Gibt es im Unternehmen jemanden, der über die Kompetenzen und zeitlichen Ressourcen verfügt, eine Website aufzusetzen und – was fast noch bedeutender ist – sie auch längerfristig zu administrieren? Da sollten Unternehmer ganz ehrlich zu sich selbst sein. Es nützt nichts, etwa aus Kostengründen die Konstruktion und Pflege der Seite im Haus behalten zu wollen, um dann festzustellen, dass das Ganze doch viel komplexer ist als gedacht (oder von den CMS-Anbietern vollmundig beworben). Im Zweifel sollten Unternehmer etwas Geld in die Hand nehmen und externen Support hinzuziehen, das rechnet sich unterm Strich besser. Ob es das Gesamtpaket einer großen All-inclusive-Agentur sein muss oder das begrenzte Leistungsspektrum eines lokalen Kleinunternehmens ausreicht, richtet sich danach, wieviel der Website-Kunde imstande ist, zuzuliefern, etwa zu Gesamtkonzept, Design und Inhalt. Es gilt ebenfalls zu klären, ob der Lokale auch Hosting-Kapazität bereitstellen sowie hohe Ausfall- und Missbrauchsicherheit gewährleisten kann.

Soll ein externer Dienstleister die Aufgabe übernehmen, stellt sich eine weitere Frage: Will und kann der Unternehmer seine neue oder umgebaute Website künftig selbst aktualisieren und mit Inhalt befüllen? Dann sollte der Dienstleister dafür sorgen, dass das von ihm eingesetzte CMS dies ermöglicht. In einer Schulung wird er den dafür abgestellten Mitarbeitern die nötigen Grundkenntnisse vermitteln. Rein technisch ist das kein Hexenwerk.

Öfter mal Staub wischen

Die Crux bei diesem Thema ist vielmehr wiederum der Zeitaufwand. Nehmen wir als Beispiel die Navigationsmenüs „News“ oder „Aktuelles“: Oft stößt man hier auf Einträge, deren aktuellste monate- oder sogar jahrealt sind. Hakt man nach, werden gern Kapazitätsprobleme als Erklärung herangezogen. Doch bei allem Verständnis dafür: Es ändert nichts daran, dass diese Nachlässigkeit irritierend wirkt. Mancher User mag sich fragen, ob es das Unternehmen überhaupt noch gibt, wenn unten auf der Seite steht: „Zuletzt aktualisiert am 21.05.2011“. Imagebildung sieht anders aus.

Hier kann man selbstverständlich einwenden, dass man Aktuelles ja nur einpflegen kann, wenn es a) überhaupt vorhanden und b) für den Besucher von Interesse ist. Darauf sei zweierlei entgegnet: Erstens gibt es immer irgendetwas Neues aus einem sich entwickelnden Unternehmen zu berichten. Zweitens müssen hier nicht immer nur „Hard Facts“ über Produkte stehen – in entsprechender Aufbereitung sind auch „weiche“ Infos über das Unternehmen interessant, etwa über sein soziales Engagement, Sponsorings, Zertifizierungen usw. Sofern die Infos für stöbernde Pressevertreter als Text- oder PDF-Dokument samt hoch aufgelöster Fotos als Download hinterlegt sind, steigen auch die Chancen, Erwähnung in Fachmagazinen und lokalen Tageszeitungen zu finden. Und schließlich ist ein in engem Turnus aktualisierter News-Bereich immer auch ein Angriffspunkt für Suchmaschinen: Eine Seite, auf der sich viel dreht, scheint auch wichtig zu sein.

Fazit dieses – freilich oberflächlichen – Rundumschlages: Mit einer auf Nutzerbedürfnisse ausgerichteten, technisch wie optisch zeitgemäßen Website verfügen Unternehmen über ein äußerst effizientes Kommunikationsinstrument, mit dem sie nach innen wie außen Imagepflege betreiben und durchaus ihren Umsatz ankurbeln können. Sofern die Seite denn auch kompetent, mit Weitsicht und gemäß der unternehmerischen Anforderung konstruiert und administriert wird. Sonst bleibt es bei einer rudimentären Insellösung, die kaum abbildet, was in dem Unternehmen wirklich steckt.

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

Werkzeug-Symbol
Konstruktion, Administration und Wartung – wer macht’s? Entgegen blumiger Werbeversprechen vieler CMS-Anbieter ist es nicht ganz einfach, eine Website zu programmieren und auf dem neuesten Stand zu halten. Manchmal ist es besser, einen externen Dienstleister heranzuziehen, statt wertvolle eigene Ressourcen dafür zu opfern. // katemik - Fotolia.com