Technik

Forum Zukunft grünes Bauen in Mühlacker

Regional ist Trumpf!

Kann man Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit sehen? Ja – man kann! Jeder Naturwerkstein, ortsnah gewonnen und verbaut, zeugt von Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit, und das über Generationen und Jahrhunderte hinweg!

So lässt sich – stark verkürzt – die Essenz der Vorträge zusammenfassen, die im Rahmen der Gartenschau Enzgärten in Mühlacker zum Thema „Nachhaltiger und klimafreundlicher Garten- und Landschaftsbau mit ortsnahen und gebrauchten Baustoffen“ gehalten wurden. „Naturstein ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit und zu 100 Prozent recyclingfähig!“ So brachte es Albrecht Lauster auf den Punkt, der Vorsitzende der Fachgruppe Naturwerkstein im ISTE. Er betonte vor allem die hohe Qualität der heimischen Naturwerksteine. Sie würden als hochwertige Fassadenelemente, aber auch als Platten, Treppenstufen, Pflaster- und Mauersteine im Garten- und Landschaftsbau geschätzt. Aus denkmalgeschützten Bauten seien sie heutzutage nicht mehr wegzudenken, selbst wenn nur noch ein Bruchteil der historischen Abbaustätten in Baden-Württemberg in Betrieb ist.

Auf regionale Baustoffe setzen

Regional abgebaute Naturwerksteine seien Kulturgut, pflegten die regionale Identität, stünden als Material in gleicher Qualität über Jahrzehnte und Jahrhunderte bei Bedarf immer wieder zur Verfügung und unterschieden sich durch ihre kurzen Transportwege deutlich von Importen, resümierte Lauster. Dem konnte Dr. Jens Wittenbrink vom Referat Landesrohstoffgeologie beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (RP Freiburg) nur zustimmen. Besonders im Garten- und Landschaftsbau würden in Deutschland erhebliche Mengen an importierten Produkten eingesetzt. Das müsste jedoch nicht sein, denn gerade Baden-Württemberg sei reich an geeigneten Vorkommen für Naturwerksteine, wie er in seinem Vortrag zur Entstehung der heimischen Geologie zeigte. Wittenbrink: „Das Wissen um die Eigenschaften und Vorkommen von heimischen Naturwerksteinen gerät leider zunehmend in Vergessenheit.“ Aus diesem Grund hat das LGRB alle verfügbaren Informationen im Nachschlagewerk „Naturwerksteine aus Baden-Württemberg - Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung“ detailliert zusammengetragen.

Michael Vötsch von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Rottenburg a. N. stellte in diesem Zusammenhang seine Studie mit dem Titel „CO2-Bilanz von neuem und wiederverwendetem Naturwerkstein“ vor. Deren wichtigste Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: So haben im Vergleich zu chinesischen Mauersteinen die heimischen eine deutlich bessere Klimabilanz. Grund: die große Transportdistanz der Steine aus Asien. Und: Die Wiederverwendung von Mauersteinen verbessert die CO2-Bilanz nochmals deutlich, auch gegenüber dem neu in der Region gewonnenen Stein. Der wiederverwendete Naturwerkstein entpuppe sich damit als die mit Abstand klimaverträglichste Variante, so der junge Wissenschaftler.

Recycling als Thema

Wenn es um die Wiederverwendung von Naturwerksteinen aus Abbruch und Rückbau geht, ist natürlich Manuel Rongen, Geschäftsführer der „Natursteine Rongen“ in Tübingen, Fachmann. In seinem reich bebilderten Vortrag stellte er zahlreiche Beispiele für diese besondere Art des Recyclings vor: Nach ihrem ersten „Leben“ dienen viele Naturwerksteine in neuer Funktion als Zeugen heimischer Geologie und althergebrachter Baukunst. Rongens spektakulärstes Beispiel: der ehemalige Nordflügel des historischen Stuttgarter Hauptbahnhofes. Sein Unternehmen hat das Material der Fassade – Crailsheimer Muschelkalk – gerettet und neu bearbeitet. Es kommt nun vor allem im Garten- und Landschaftsbau wieder zur Verwendung. Und bei allen ökologischen und ökonomischen Vorteilen: Diese Steine erzählen ihre ganz eigene lange und doch so aktuelle Geschichte!

Beton als Alternative

Dass neben historischem Baumaterial wie Naturwerksteinen aber auch moderne und innovative Produkte ihren Platz in der heutigen Baukultur haben, illustrierte Ulrich Zehner von „RUZ Mineralik“ in Heilbronn. Beton – ein seit der Antike aus natürlichen Rohstoffen hergestellter, heute hochmoderner Werkstoff – sei hier oftmals das Mittel der Wahl. Auch im zeitgemäßen und nachhaltigen Garten- und Landschaftsbau, beispielsweise in Form von Variowänden aus Beton als Alternative zu Gabionen und Blocksteinmauern, könnten sich so klassische und moderne Materialien und Formen bestens ergänzen. Wie bedeutsam das Thema für die gesamte Branche ist, betonte ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger, der als Moderator durch den Tag führte: „Hier treffen sich – für jeden sichtbar - Vergangenheit und Zukunft zu etwas ganz Neuem!“

Auf der Gartenschau Enzgärten in Mühlacker (v.l.): Thomas Beißwenger (ISTE-Hauptgeschäftsführer), Dr. Jens Wittenbrink (LGRB), Ulrich Zehner (RUZ Mineralik), Manuel Rongen (Natursteine Rongen), Michael Vötsch (Hochschule für angewandte Wissenschaften Rottenburg a. N.), Reiner Bierig (Geschäftsführer Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V.).
Auf der Gartenschau Enzgärten in Mühlacker (v.l.): Thomas Beißwenger (ISTE-Hauptgeschäftsführer), Dr. Jens Wittenbrink (LGRB), Ulrich Zehner (RUZ Mineralik), Manuel Rongen (Natursteine Rongen), Michael Vötsch (Hochschule für angewandte Wissenschaften Rottenburg a. N.), Reiner Bierig (Geschäftsführer Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V.).
 
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