Industrienachrichten

Jahrestagung des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie (BVK)

Festakt: 125 Jahre organisierte Kalkindustrie in Deutschland

Auf der BVK-Jahrestagung in Berlin, mit der die deutsche Kalkindustrie am 23. Juni 2017 zugleich ihr 125-jähriges Bestehen feierte, stellte der scheidende Vorsitzende Dr. Thomas Stumpf die wirtschaftliche Lage der Kalkindustrie dar und erläuterte die Herausforderungen und Chancen der Branche. Die Mitgliederversammlung als Branchentreffen der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kalkindustrie fand dieses Jahr in Berlin statt.

Der Vorsitzende Dr. Thomas Stumpf, Mitglied der Geschäftsführung der Fels-Werke, Goslar, erinnerte an die ersten eigenständigen verbandlichen Organisationsformen der deutschen Kalkindustrie vor 125 Jahren und blickte zurück auf die bisherige Branchenentwicklung. Er umriss die künftigen Herausforderungen durch die Energiewende und beschrieb das Risikopotenzial durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien, wie etwa die „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft. Er erläuterte die Entwicklung des Emissionshandelssystems nach 2020 und plädierte für die Rohstoffsicherung in Deutschland. Chancen sieht er in der Erschließung neuer Absatzmärkte, wie etwa bei der Abgasentschwefelung von Seeschiffen, der Phosphatrückgewinnung in Kläranlagen, dem Einsatz von Kalkhydrat zur Erhöhung der Lebensdauer von Asphaltstraßen und der Anwendung von Spezialkalkprodukten für eine nachhaltige Landwirtschaft.

„Wir müssen und werden langfristig CO₂ reduzieren“, betonte Stumpf und präsentierte erste Forschungsansätze zur CO₂-Abscheidung aus Rauchgasen. Es müssten technisch und wirtschaftlich gangbare Wege zur Abscheidung und Weiterverwendung von CO₂ gefunden werden.

Menschen im Auditorium
Die Jahrestagung fand in Berlin statt.

Optimistische Prognose für das Jahr 2017

Anschließend stellte Stumpf die aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor. Bei den ungebrannten Produkten repräsentiert der BVK ca. 15 % der deutschen Kalkindustrie, bei den gebrannten Erzeugnissen nahezu 100 %. Bei den ungebrannten Kalkprodukten habe der Marktabsatz im Jahr 2016 gut 18 Millionen Tonnen betragen und sei damit gegenüber dem Vorjahr um 1,5 % rückläufig gewesen. Die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen seien um 4,7 % zurückgegangen, auch die Lieferungen ungebrannter Produkte für die Industrie seien mit rund 4,3 Millionen Tonnen gegenüber 2015 um 3 % im Minus. Dieser Trend setze sich in der Baustoff-Indus-

trie mit einem Rückgang von 4,2 % fort. Der Einsatz ungebrannter Kalkprodukte im Baugewerbe hingegen habe mit einer Steigerung um 5,7 % deutlich zugelegt. Das Plus sei in erster Linie auf signifikante Absatzsteigerungen in die Bereiche Hoch- und Tiefbau zurückzuführen. Die deutsche Kalkindustrie konnte im vergangenen Jahr nur ca. 6,3 Mio.t. gebrannte Produkte absetzen. Das entspricht einem Absatzrückgang um 2,6 %. Bei dem Hauptabnehmer der Kalkprodukte - der Eisen- und Stahlindustrie - ist ein Absatzrückgang um 2,3 % auf nunmehr fast 2,2 Mio.t zu verzeichnen. Auch der Industrieabsatz insgesamt hat sich deutlich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert (-4,3 %). Zufrieden kann die Kalkindustrie mit den Lieferungen an die Baustoffindustrie sein. Insgesamt konnte ein Plus von 5 % erreicht werden. Das entspricht einer Liefermenge von ca. 900 Tsd.t, wobei der Hauptteil dieser Lieferungen zur Herstellung von Wandbaustoffen benötigt wird. Überproportional positiv entwickelt haben sich die Lieferungen von gebrannten Kalkprodukten zum Einsatz im Straßen- und Wegebau. In diesem Verwendungsbereich konnten 350 Tsd.t eingesetzt werden, entsprechend einem Plus von 6 %. Die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen sind weiter deutlich rückläufig. Insgesamt konnten für dieses Verbrauchssegment nur noch 1,3 Mio.t verkauft werden. Das entspricht einem Rückgang um 4 %. Für die Luftreinhaltung konnten von den Mitgliedern des BVK nur noch 840 Tsd.t geliefert werden. Das entspricht einem Rückgang um 2,9 %. Neben dem vermehrten Einsatz von schwefelarmen Braunkohlen bei den Kraftwerken spielt hier auch der Rückgang bei der Braunkohleverstromung eine Rolle. Dieser Trend wird sich künftig durch das Fortschreiten der Energiewende und den Ausbau der Erneuerbaren weiter verstärken. Für das Jahr 2017 geht der Vorsitzende im Einklang mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den wichtigsten Zielmärkten von einer Erholung des Marktes aus und rechnet mit einem Absatzplus bei den gebrannten Produkten von 2 %. Damit würde die Branche allerdings lediglich wieder das Jahresergebnis von 2015 erreichen.

Kooperation mit der BG RCI

Dr. Kai Schaefer erinnerte daran, dass nicht nur der BVK mit seinen Vorläufern Geburtstag hat, sondern dass es ein weiteres Jubiläum zu feiern gilt: Zum 30. Mal verlieh der BVK die Preise im Arbeitssicherheitswettbewerb und zeichnet so seit 1987 auf seinen jährlichen Mitgliederversammlungen diejenigen Unternehmen und Betriebe aus, die beim Unfallgeschehen besonders niedrige Unfallzahlen und damit die besten Ergebnisse vorweisen können.

Vollständige Unfallfreiheit im Arbeitsleben sei sicherlich auch in Zukunft nur schwer zu erreichen. Dennoch sei es richtig, sich ein solch ambitioniertes Ziel zu setzen. Daher unterstütze der BVK auch die Präventionsstrategie „VISION ZERO – Null Unfälle – gesund arbeiten!“ der BG RCI und habe im September 2016 als einer der ersten Verbände der Steine- und Erden-Industrie eine Kooperationsvereinbarung mit der BG RCI abgeschlossen. „Arbeitsschutz ist kein einmaliges Unternehmensziel, sondern ist vielmehr Daueraufgabe“, so Dr. Schaefer. Anschließend nannte er die Betriebe, die in 2016 unfallfrei waren und gab die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbs 2017 bekannt. Die Urkunde in Gold erhielt das Werk Flandersbach der Lhoist Germany Rheinkalk.

Die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbs.
Die Gewinner des Arbeitssicherheitswettbewerbs.

Amtsübergabe

Der bisherige Vorsitzende des Bundesverbandes der deutschen Kalkindustrie, Dr. Thomas Stumpf, legte sein Amt nieder. Seine Nachfolge trat Dr. Kai Schaefer an, Geschäftsführer SCHAEFER KALK, der einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Dr. Burkhard Naffin, CEO Fels-Werke, Goslar. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes, Martin Ogilvie, legte der Mitgliederversammlung den Geschäftsbericht 2016/2017 vor und erläuterte die aktuellen Kernarbeitsfelder der Verbandstätigkeit: Engagement in Berlin und Brüssel, Neuregelung des Emissionshandels, Umsetzung Klimaschutzplan, Härtefallregelung beim EEG, Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz, Neue Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft, Normung, Aktivitäten im Bereich Straßenbau sowie im Bereich Land- und Forstwirtschaft. Den Festvortrag hielt Herbert Reul, MdEP, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, zu dem Thema: „Die industriepolitischen Herausforderungen in Deutschland und Europa“.

Zwei Männer geben sich die Hand
Staffelübergabe: der neue Vorsitzende Dr. Kai Schäfer (l.) und der scheidende Vorsitzende Dr. Thomas Stumpf.
 
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