Arbeitssicherheit

Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz

Die Sache mit dem Licht – Grundlagen

Gute und richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz kann mehr, als Hindernisse auf dem Weg frühzeitig sichtbar zu machen oder visuelle Belastungen zu mindern. Vor allem Produktivität, Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden sind eng mit der Lichtsituation am Arbeitsplatz verbunden.

Skizze
Lichttechnische Größen: Lichtstrom, Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte.

Eine gute Beleuchtung hilft nicht nur, Unfälle zu vermeiden. Ihr positiver Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten ist unbestritten. Warum stehen gute Lichtverhältnisse dann nicht ganz oben auf der Wunschliste von Unternehmen und Beschäftigten? Ist es vielleicht wie mit den Rückenschmerzen? Kümmert man sich erst, wenn es schon anfängt, weh zu tun? Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet diejenige lichttechnische Größe, die man eigentlich gar nicht sehen kann, nämlich die Beleuchtungsstärke Lux, als wichtigste Anforderung für die Erfüllung von Vorschriften und Regeln gilt. Tragen Beschäftigte Probleme und Beschwerden vor oder berichten gar von Einschränkungen bei der Arbeit, greift der Verantwortliche gern zum Smartphone, lädt eine Beleuchtungs-App herunter und meint, damit den vermeintlichen Problemen scharfsinnig auf den Grund gehen zu können. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Ihre Analyse auf eine solche kommerzielle App stützen. Ein exakter Wert kann damit nur per Zufall ermittelt werden. Wenn Sie zuhause ein Regal aufstellen, nehmen Sie doch auch einen Zollstock und nicht Elle und Speiche zu Hilfe, um die Position der Dübellöcher zu bestimmen. Lassen Sie es nicht zu, die Problemanalyse auf eine solch einfache Basis zu stellen. Schon allein die Äußerung, es sei zu hell, kann schnell in die Irre führen. Draußen, unter freiem Himmel, treffen wir selbst bei bewölktem Himmel auf eine Beleuchtungsstärke von ca. 10.000 Lux, bei Sonnenschein sind es sogar bis zu 100.000 Lux. Niemand würde sagen, dass es an einem schönen Sommertag zu hell ist. Das Störempfinden muss also andere Ursachen haben.

Raumbezogene Beleuchtung in einer Holzwerkstatt.
Raumbezogene Beleuchtung in einer Holzwerkstatt.

Nicht nur die Helligkeit zählt

Auch in den einschlägigen Regelwerken steht die Beleuchtungsstärke im Vordergrund. Das ist zunächst richtig so, denn die Beleuchtungsstärke ist maßgeblich für das, was das Auge sieht. Und sie lässt sich in der Praxis relativ einfach messen. Zur guten Beleuchtung zählt aber mehr als nur eine ausreichend hohe Beleuchtungsstärke. Was hilft ein heller Arbeitsplatz, wenn das Licht blendet, es störende Reflexionen gibt oder die Leuchtmittel flimmern? Dazu muss man wissen, dass es nicht die Beleuchtungsstärke ist, die man sieht, sondern die Flächen, die beleuchtet werden. So kann es schnell zu falschen Einschätzungen kommen, wenn wir die Beurteilung der „Helligkeit“ allein von der Beleuchtungsstärke abhängig machen. Die empfundene Helligkeit hängt maßgeblich davon ab, wie uns die beleuchteten Flächen erscheinen. So sollte ein Raum möglichst gleichmäßig ausgeleuchtet sein, um starke Kontraste und störende Hell-Dunkel-Unterschiede zu vermeiden. Eine Bewertung der Lichtsituation, die Auskunft gibt, ob ein Arbeitsplatz gut beleuchtet ist, muss mehrere Qualitätsmerkmale berücksichtigen. Die Güte – also die Beleuchtungsqualität – wird durch bestimmte Gütemerkmale beschrieben. Hierbei bestimmt das Gütemerkmal ...

Nur wenn diese Gütemerkmale bei Planung und Betrieb
der Beleuchtung berücksichtigt sind, kann von einer guten Beleuchtung gesprochen werden.

Bürobereich
Beispiel für eine auf den Bereich des Arbeitsplatzes bezogene Beleuchtung (Arbeitsplatzleuchte), zum Beispiel 750 lx.

Am besten Tageslicht

Ausreichendes Tageslicht in den Arbeitsräumen sorgt für Helligkeit und wird darüber hinaus als sehr angenehm empfunden. Regelwerke betonen die Bedeutung von Tageslicht für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Aber Vorsicht: Einfallendes Sonnenlicht darf nicht zu störenden Blendungen führen – Sonnenschutz, wie zum Beispiel Jalousien, sollte vorhanden sein. Auch eine Sichtverbindung nach draußen ist für das Wohlbefinden der Beschäftigten von hoher Bedeutung und wird deshalb auch von der Arbeitsstättenverordnung eingefordert. Allerdings muss klar sein, dass in Räumen mit Fenstern das vorhandene Tageslicht mit der Entfernung vom Fenster stark abnimmt und sich im Tagesverlauf die Beleuchtungsstärke verändert. Deshalb sind künstliche Lichtquellen am Arbeitsplatz unerlässlich.

Quader, Pyramide, Zylinder
Gute räumliche Wahrnehmung von Objekten bei ausgewogenen Lichtverhältnissen und Schattigkeit.

Weißes Licht ist nicht gleich weißes Licht

Das von Lampen abgestrahlte Licht besitzt eine Eigenfarbe, die sogenannte Lichtfarbe. Sie wird durch die Farbtemperatur, gemessen in Kelvin (K), bestimmt. Je höher die Farbtemperatur, desto weniger gelblich-rötlich und desto bläulicher erscheint die Lichtfarbe. Warmweißes Licht (unter 3.300 K) wird als behaglich empfunden und kommt dem Licht der alten Glühlampen am nächsten. Neutralweißes Licht (3.300 bis 5.300 K) erzeugt eine eher sachliche Atmosphäre, tageslichtweißes Licht (über 5.000 K) wirkt technisch kühl. Der Farbwiedergabe-Index Ra einer Lampe (oder Leuchte) bestimmt, ob Farben möglichst korrekt wiedergegeben werden. Tageslicht hat mit einem Indexwert von 100 die beste natürliche Farbwiedergabe, für Büros und die meisten Produktionsbereiche reicht ein Wert von 80. Dort, wo es darauf ankommt, auch feine Farbunterschiede erkennen zu können, ist ein Wert von 90 oder mehr sinnvoll. Beim Austausch einzelner alter oder defekter Lampen ist darauf zu achten, dass die neuen Leuchtmittel die gleiche Lichtfarbe, Leistung und Farbwiedergabe aufweisen wie die alten. Sie finden die Angaben als dreistelligen Code auf den Leuchtmitteln, wobei die erste Ziffer den Farbwiedergabe-Index bezeichnet, die beiden nächsten die Farbtemperatur.

Treppe in drei verschiedenen Beleuchtungsvarianten
Diffuse Beleuchtung ohne Schattenbildung (A) kann die Erkennbarkeit der Stufen genauso vermindern wie harte Schlagschatten, erzeugt durch kleine starke Lichtquellen (B). Die beste Erkennbarkeit wird durch eine Beleuchtung mit großflächigen direktstrahlenden Leuchten erzeugt (C). Die Markierung der Stufenkanten durch Farben und Materialien, die den Kontrast verstärken, kann das Erkennen der Stufen zusätzlich verbessern.

Blendung

Blendung kann das Sehen erheblich erschweren. Sie vermindert die Sehleistung (physiologische Blendung) und den Sehkomfort (psychologische Blendung). Zu unterscheiden sind direkte und indirekte Blendung: Direktblendung geht von Leuchten oder anderen Flächen mit zu hoher Leuchtdichte aus, wie zum Beispiel von Fenstern. Reflexblendung wirkt indirekt, erzeugt von Reflexen durch Spiegelung auf glänzenden Oberflächen. Zur Blendungsbegrenzung wird die Blendquelle abgeschirmt und weniger reflektierendes Material eingesetzt.

Regelmäßige Kontrollen

Durch Alterung und Verschmutzung der Leuchten und Leuchtmittel sinkt die Helligkeit im Raum. Deshalb müssen Beleuchtungsanlagen regelmäßig gewartet werden.

Halleneinfahrt
Gute Beleuchtung im Bereich von Halleneinfahrten vermeidet Unfallgefahren.

Lichtplanung

Eine gute Lichtplanung ist wichtig, gleich ob bei der Sanierung alter oder der Installation neuer Lichtanlagen. Moderne Beleuchtungskonzepte berücksichtigen nicht nur die Qualität der Arbeit und die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch die Wirtschaftlichkeit: Energiesparende Leuchtmittel kommen zum Einsatz, Sensoren erfassen, ob sich überhaupt Mitarbeiter im Raum befinden, messen die Lichtstärke des einfallenden Tageslichts und schalten nur bei Bedarf das Kunstlicht hinzu oder dimmen es ab. Schon diese Maßnahmen senken die Energiekosten erheblich. Unter der Bezeichnung „Dynamisches Licht“ werden zudem Beleuchtungssysteme angeboten, bei denen sich im Tagesverlauf beispielsweise auch die Lichtfarbe verändert. Solche Beleuchtungssysteme finden hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten. Grundsätzliche Anforderungen an die Beleuchtung mit Blick auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz sind in Deutschland in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und in der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV A1) festgelegt. Diese Anforderungen werden in der Arbeitsstättenregel ASR A3.4 „Beleuchtung“ sowie in Regeln und Informationsschriften der Unfallversicherungsträger konkretisiert und erläutert. Gleichzeitig existieren aber auch Normen zur Beleuchtung von Arbeitsstätten, zum Beispiel DIN EN 12464. Werden die Planung und/oder der Betrieb von Beleuchtungsanlagen ausschließlich nach Norm vorgenommen, kann dies dazu führen, dass die staatlichen Mindestanforderungen oder die Anforderungen der Unfallversicherungsträger an die Beleuchtung nicht eingehalten werden. Wer umrüsten will oder neu plant, sollte daher frühzeitig einen Lichtplaner zu Rate ziehen, um alle lichttechnischen und ergonomischen Anforderungen zu erfüllen. Weisen Sie darauf hin, dass bei Arbeitsstätten die Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten sind. Beim Kauf der Leuchten sollte darauf geachtet werden, dass LED einzeln oder als Komponentengruppen ausgetauscht werden können.

Broschürentitel
Das aktuelle Kompendium zur Beleuchtung: DGUV-Information 215-210 „Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten“, siehe http://publikationen.dguv.de/dguv/.

LED – Beleuchtung der Zukunft?

Durchaus! Wegen der schlechten Lichtqualität wurden viele LED-Leuchten bislang kritisch bewertet. Es wurde vielfach als unangenehm empfunden, unter einer LED-Beleuchtung zu arbeiten, weil die Farbwiedergabe und -temperatur nicht angemessen waren. Heute werden LED in guter Qualität angeboten und in speziell dafür vorgesehenen Leuchten verbaut. Diese werden die altgedienten Leuchtstofflampen mehr und mehr verdrängen. Derzeit ist der Preis für LED noch relativ hoch. Neben den klassischen Gütemerkmalen gibt es inzwischen neuere Erkenntnisse über ihre nicht-visuellen Wirkungen auf die zirkadiane Rhythmik, die psychische Belastung und die Gesundheit allgemein.

Gerold Soestmeyer
BG RCI, Bochum

Literatur

Eine DGUV-Information zur natürlichen und künstlichen Beleuchtung von Arbeitsstätten wird derzeit im Sachgebiet Beleuchtung der DGUV erarbeitet.

 
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