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Zu wenig Unternehmen entwickeln ökologische Produkte

Deutschland hat Nachholbedarf

Möglichst ressourcenschonende Produkte zu entwickeln, kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern kann den Unternehmen auch helfen, Kosten zu sparen. Bislang wagt sich aber nur die Hälfte der Industriefirmen in Deutschland auf dieses Feld – und die wenigsten von ihnen mit Nachdruck.

Bei Ökodesign geht es darum, Industrieerzeugnisse so umweltfreundlich wie möglich zu entwickeln. Ziel ist, den Material- und Energieverbrauch sowie die Schadstoffe und Emissionen zu minimieren. Die Produkte müssen besonders langlebig sein, sich gut auseinandernehmen lassen und recycelbar oder leicht zu reparieren sein.

Die Europäische Union forciert diese Idee seit 2005 mit der Ökodesign-Richtlinie. Zunächst erstreckte sich die EU-Richtlinie nur auf energiebetriebene Produkte wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Inzwischen bezieht sie auch Produkte ein, die für den Energieverbrauch relevant sind. Das gilt beispielsweise für Fenster, die besonders wenig Wärme entweichen lassen, und Duschköpfe, die den Durchlauf von warmem Wasser begrenzen. Unabhängig von der Ökodesign-Richtlinie nutzen in Deutschland bislang recht wenige Unternehmen die Idee des Ökodesigns, um ihre Materialeffizienz zu steigern. Nur rund 37 Prozent der im Rahmen des IW-Zukunftspanels befragten Industriefirmen sagen, an ihren Produkten ließe sich mithilfe von Ökodesign kein Material sparen. Dies betrifft vor allem kleinere Betriebe. Weitere 9 Prozent der Unternehmen achten noch nicht auf umweltfreundliches Produktdesign und 21 Prozent tun dies nur in geringem Maß.

Digitale Unternehmen produzieren ökologischer

Bei jenen 12 Prozent der Unternehmen, die Ökodesign großschreiben, fällt vor allem eins auf. Vier von zehn Herstellern mit einem starken Fokus auf Ressourcenschonung in der Produktentwicklung setzen auf eine gute digitale Vernetzung, um dieses Ziel zu erreichen. Damit sind sie überdurchschnittlich fortschrittlich aufgestellt. Denn von denjenigen Unternehmen, die Ökodesign nur mäßig oft oder kaum einsetzen, hat lediglich jedes neunte beziehungsweise keins seine interne und externe digitale Vernetzung forciert. Dass ressourcenschonendes Produktdesign und Digitalisierung oft Hand in Hand gehen, hat vor allem einen Grund: Wenn ein Hersteller mit seinen Lieferanten und Kunden digital verbunden ist, hilft ihm das, innovativer zu sein und seine Prozesse und Produkte zu optimieren.

Mit Bundespreis soll Ökodesign gefördert werden

Um die ökologischsten Produkte zu fördern und zu prämieren, wurde der Bundespreis Ecodesign vom Bundesumweltministerium ins Leben gerufen. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählt etwa der österreichische Bekleidungs- und Taschenhersteller QWSTION mit einem Regenmantel aus Bio-Baumwolle, der durch seine Webart regendicht ist, aber ohne chemische Beschichtung auskommt.

Der Chemiekonzern BASF erhielt eine Auszeichnung für einen Autolack, der die Innenraumtemperatur von Autos um bis zu 4 Grad niedriger hält – was dazu führt, dass Autofahrer die Klimaanlage nicht so stark hochgefahren müssen. Auch ein komplett aus Kunststoff gefertigter Solarkollektor kann Ökodesign sein – und zwar nicht nur, weil er hilft, aus erneuerbaren Energien Wärme zu erzeugen. Sondern auch, weil er viel ressourcenschonender und energiesparender zu produzieren ist als Kollektoren aus Kupfer und Aluminium.

Drei Menschen im Regenmantel
Der mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnete Regenmantel von QWSTION. (Foto: IDZ | QWSTION international GmbH/development never stops llc)