Unternehmensführung

„Machen Sie unbezahlte Überstunden?“

Diese Frage hat das Statistische Bundesamt vom Sommer 2012 bis zum Sommer 2013 rund 5.000 Haushalten mit 11.000 Personen ab zehn Jahren gestellt. Ergebnis: Die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden ist von 69 Milliarden im Jahr 1992 auf 66 Milliarden im Jahr 2013 zurückgegangen – obwohl die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum um fast vier Millionen gestiegen ist. Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch ist eine abnehmende Arbeitszeit je Beschäftigtem, zum Beispiel durch vermehrte Teilzeit.

Noch überraschender ist vielleicht, dass die bezahlte Arbeit keineswegs die Hauptbeschäftigung der Bundesbürger ist: Im Jahr 2013 haben die Bundesbürger 89 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet. Zu dieser sogenannten Haushaltsproduktion zählen Haus- und Gartenarbeit, Pflege und Betreuung, Ehrenämter sowie der Bereich Bauen und Handwerk.

Ein Drittel mehr unbezahlte als bezahlte Stunden

Zwar ist auch die Zahl der unbezahlten Arbeitsstunden gesunken. Dies liegt an der gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen, der rückläufigen Zahl an Kindern und an dem Trend, Hausarbeiten wie Kochen durch den Griff zu vorgefertigten Nahrungsmitteln zu ersetzen und externe Dienstleister sowie Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch zu nehmen. Trotzdem kamen die Bundesbürger im Jahr 2013 auf rund ein Drittel mehr unbezahlte als bezahlte Arbeitsstunden. Insgesamt ergibt sich für 2013 eine Bruttowertschöpfung von 987 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die im Bruttoinlandsprodukt erfasste gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung belief sich 2013 auf gut 2.500 Milliarden Euro, das Verarbeitende Gewerbe kam auf 570 Milliarden Euro.

Tafelzeichnung; ein Strichmännchen balanciert zwischen den worten Life und Work
Flexiblere Arbeitszeitmodelle könnten für eine ausgeglichene Work-Life-Balance sorgen – wenn denn da nicht Milliarden unbezahlter Arbeitsstunden wären … // Cherries - Fotolia.com