Steine + Erden, Ausgabe 4/18: Betone von Heidelberg für die neuen Bavaria Towers
 
 
Technik

Betone von Heidelberg für die neuen Bavaria Towers

Stabiles Fundament für die Skyline

Ein Ensemble aus vier Hochhäusern wird künftig den Osten der bayerischen Landeshauptstadt dominieren: Die Bavaria Towers der spanischen Architekten Nieto Sobejano Arquitectos setzen – als eines der wenigen Hochhausprojekte der letzten Jahre – neue Maßstäbe. Eine Herausforderung auch für die Baustoff-Hersteller.

In der bayerischen Landeshauptstadt nimmt ein ganzes Hochhaus-Ensemble mit Namen Bavaria Towers Gestalt an. An ihrem Standort in Bogenhausen setzen die drei Office-Türme und ein Hotelbau mit einer Höhe von 46 bis 84 Metern ein repräsentatives, städtebaulich prägnantes Zeichen. Das 380-Millionen-Euro-Projekt ist das erste größere Hochhausprojekt, das in München seit vielen Jahren genehmigt wurde. Dies gelang, weil das Projekt wesentliche Punkte erfüllt, die sich die Stadt zur Auflage beim Hochhausbau gemacht hat. Dazu gehören die angemessene Fernwirkung eines Projekts und seine Nahwirkung innerhalb des Quartiers. Auch den Einfluss, den es auf den Blick auf verschiedene Sichtachsen und die wichtigsten Stadteinfahrten sowie auf markante Hoch- und Aussichtspunkte im Stadtbild ausübt, gilt es zu berücksichtigen. Aufgrund des städtebaulich bedeutenden Standorts haben der Projektinitiator und Projektentwickler vor dem Baustart zusammen mit dem Investorenpartner Zurich Gruppe und der Von der Heyden Group in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ein langjähriges Bauleitplanverfahren sowie einen Architektenwettbewerb durchgeführt. Diesen konnte das in Madrid und Berlin tätige Büro Nieto Sobejano Arquitectos für sich entscheiden. Die international renommierten Architekten entwarfen die vier hohen Türme mit jeweils pentagonaler Grundrissform. Sie sind mit ihrer vergleichsweise überschaubaren Höhenentwicklung zwar keine Skyscraper, setzen aber mit ihrem Erscheinungsbild im Osten der Stadt neue Maßstäbe.

Gebäude und Kran
Insgesamt lieferte Heidelberger Beton für die Bodenplatten des Hochhaus-Ensembles 30.000 Kubikmeter Beton.

Spezielle Betone für spezielle Anforderungen

Das Bauunternehmen Implenia hat im Spezialtiefbau auf dieser Baustelle zu Beginn rund 2.300 Kubikmeter Bohrpfahlbeton im Grundwasser eingebaut. Auch der Bau der massiven Bodenplatte erfolgte unter dem Bemessungsgrundwasserstand. Bauingenieur Kaiser ist die Baugrubenumrandung mit überschnittener Bohrpfahlwand und Spundwänden noch präsent, ebenso wie die Betonage der 2,40 Meter dicken Bodenplatte der beiden Gebäude, die als miteinander verbundene Platten in zehn Bauabschnitten ausgeführt wurde. Insgesamt lieferte Heidelberger Beton für die Bodenplatten des Hochhaus-Ensembles 30.000 Kubikmeter Beton, davon 10.000 Kubikmeter für das Baudienstleistungsunternehmen Implenia. Dabei galt es, bei diesen massiven Bauteilen die Spannungen im Beton unter Kontrolle zu halten. Aus diesem Grund konzipierte Heidelberger Beton hierfür einen speziellen Massenbeton mit geringer Schwindneigung, der – zur Reduktion der Frischbetontemperatur – zum Teil in Nachtbetonagen eingebaut wurde.

Weiche Rundungen

Aus einem der Türme im 14. Stock, gut gesichert hinter dem Absturzgitter, lässt sich bei der Baustellenbegehung des Rohbaus von oben die beeindruckende Betonkonstruktion des Neun-Geschossers vis-à-vis betrachten. „Die abgeschrägten Dächer sind der Architektur von Nieto Sobejano Arquitectos geschuldet“, meint Simon Kaiser, der sich über die gelungene Betonage des komplexen Dachaufbaus freut. Die Betonkonstruktion liegt wie ein geneigter, polygonaler Kranz auf den Betonstützen und wird durch Betonverstrebungen, welche zur Aussteifung der Dachkonstruktion dienen, miteinander verbunden. Um dies zu realisieren, setzten die Betonfacharbeiter mit Chronocrete einen beschleunigten Beton von Heidelberger Beton ein, der sehr schnell ansteift und eine hohe Frühfestigkeit aufweist. Der umlaufende Betonkranz wurde als Fahrrinne für die Hängevorrichtung der Körbe für die Fassadenreinigung ausgebildet. Eine verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion im Erdgeschoss und hängende Elementfassaden in den Stockwerken darüber werden abschließend die weich gerundeten Bauten umhüllen.

Gebäude-Rohbau, Innenansicht
Das 380-Millionen-Euro-Projekt ist das erste größere Hochhausprojekt, das in München seit vielen Jahren genehmigt wurde.e
 
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