Steine + Erden, Ausgabe 4/18: Grade-Technologie von Cat in der Anwendung
 
 
Technik

Grade-Technologie von Cat in der Anwendung

Mehrere Maschinen in einem Bagger vereint

Dietmar Schwinn ist Profi in Sachen Maschinensteuerungen bei Kettenbaggern. Seit über 18 Jahren beschäftigt sich der Erdbauer mit der Steuerungstechnik: Er fährt selbst die Baumaschinen, mit denen er auf Baustellen sein Geld verdienen muss. Zuvor arbeitete er schon mit Messsystemen. Daher ist er längst davon überzeugt: Bei Profilierungsarbeiten mit Baggern läuft nichts mehr ohne GPS-Steuerung.

Als Caterpillar seine Grade-Technologien und das automatische Abziehen des Planums zur bauma 2016 einführte, war zuvor sein Urteil im amerikanischen Peoria gefragt. Dietmar Schwinn war vom Hersteller eingeladen worden, in die Entwicklung konstruktive Vorschläge mit einzubringen, die Anwendung praxistauglich und serienreif zu gestalten. Schließlich sollte das System werksseitig integriert werden, um die Produktionsabläufe auf den Baustellen weltweit zu beschleunigen. Was der Baumaschinen-Tester an Erfahrungen den Entwicklungsingenieuren übermittelt hat, damit daraus eine halbautomatische Baggersteuerung werden konnte, die beim Planieren und beim Böschungsbau dem Fahrer das Arbeiten erleichtert, lässt sich in den aktuellen Serien von Kettenbaggern ablesen. So auch am Cat 330F LN, mit dem der Firmenchef im Rhein-Main-Gebiet arbeitet. Es ist der weltweit einzige Bagger mit Grade Control und Grade mit Assist in Verbindung mit einem Tiltrotator. „Das war der Beitrag für meine Unterstützung, Grade Control mit zu entwickeln“, so Schwinn.

Ungewohnte Steuerung

In der Kabine werden dem Fahrer am Display die Höhendifferenz (Soll- minus Ist-Höhe) des digitalen Geländemodells angezeigt. Was er sonst noch erhält, ist eine grafische Ansicht des Geländes als Draufsicht, Längs- und Querprofil. Derzeit wird auf dem Gelände der Lkw-Werkstatt von Mercedes-Benz in Miltenberg eine alte Mauer entfernt. Der Kettenbagger übernimmt den Aushub und die Erstellung des Feinplanums für die neue Mauer. Dietmar Schwinn greift hier anstelle einer 3D-GPS- auf eine 2D-Steuerung mit Laserempfänger zurück. Die Steuerung unterstützt den Rototilt am Bagger und stellt gleichzeitig die Höhenkontrolle sicher. Mehrmals in der Sekunde werden die beiden Ist-Höhen der Löffelspitzen anhand der Winkelstellung von Ausleger, Stiel, Löffel, Rototilt- Verdrehung und der Neigung des Oberwagens berechnet.

Schneller und genauer

Seit dem Einsatz von Grade Control hat sich für Schwinn vieles verändert. Beim Planieren oder Anlegen einer Böschung sowie bei anderen finalen Arbeitsvorgängen muss er mit seinem Arbeitsgerät nur noch den Stiel steuern. Der Ausleger wird automatisch gesteuert und beim Löffel wird automatisch der Freiwinkel gehalten, es werden zwei Bewegungen automatisch gesteuert und der Fahrer zieht nur noch den Stiel mit dem linken Joystick heran. „Ich komme deutlich schneller voran und bin wesentlich genauer als zuvor“, sind seine Erfahrungen.

Schon wartet auch der nächste Einsatz auf ihn: In Roßdorf muss er eine Zisterne ausheben. Damit ihm keine Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, achtet er darauf, seinen Bagger samt Anbaugeräten entsprechend der Vorgaben einzustellen. „Ich arbeite mit zehn verschiedenen Löffeln von 60 bis 250 Zentimetern Breite. Jeder wurde vor dem ersten Einsatz eingemessen und kalibriert. Hierzu gibt es eine klare Anleitung von Zeppelin, man speichert die Einstellung und ruft sie bei Bedarf ab“, erklärt er. Worum es ihm im Wesentlichen geht: Mit einem Bagger so viel Arbeiten wie möglich selbst ausführen zu können. Deswegen setzt er auch einen konisch geformten Profillöffel ein.

Weniger Standortwechsel

Dank Rototilt ist der Bagger gelenkiger und beweglicher. „Damit kann ich mit einer Maschine Arbeiten ausführen, für die eigentlich noch ein zweites Gerät zur Unterstützung nötig wäre. Beim Drehen des Löffels bleibt man nirgends hängen und bei Rotation hat man selbst noch in den hintersten Ecken genügend Spielraum“, macht Schwinn deutlich. Daher war für ihn klar: Sein weiterer Cat 315 sollte ebenfalls einen Tiltrotator bekommen. Ihn steuert einer seiner vier Mitarbeiter. Für ihn hat sich die Arbeitsweise ebenfalls verändert, wenn er derzeit rund um den Frankfurter Flughafen 2.000 Fundamente aushebt und verfüllt. „Vorher haben wir mit einem Cat 314 gearbeitet. Jetzt kommen wir deutlich schneller voran. Dank Tiltrotator muss der Bagger seinen Standort wesentlich seltener wechseln“, fasst Schwinn zusammen.

Bagger
Unikat: der Cat 330F LN mit Grade Control und Grade mit Assist in Verbindung mit einem Tiltrotator.
 
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