Arbeitssicherheit

A+A 2019: Ergonomie am Arbeitsplatz

Gesund und wirtschaftlich

Menschen, die sich an ihren Arbeitsplätzen wohlfühlen, gehen zumeist mit einer positiven Einstellung und motiviert an ihre Aufgaben. Zufriedene Teams zeichnen sich durch eine bessere Arbeitsqualität aus und erreichen schneller und effektiver ihre Ziele. Eine ergonomisch gestaltete Büroausstattung und optimierte Arbeitsprozesse tragen wesentlich zu Wohlbefinden im Berufsalltag bei. Neueste Trends, innovative Produkte und Methoden zeigen die Präsentationen der diesjährigen A+A. Auch aus unternehmerischer Sicht macht Ergonomie am Arbeitsplatz Sinn: Dadurch entstehen weniger Muskel-Skelett-Erkrankungen bei den Mitarbeitern und das ist gleichbedeutend mit weniger Ausfallzeiten und einer höheren Produktivität.

Bei einer passiven Sitzhaltung erschlafft die Haltemuskulatur des Körpers, die Bandscheiben werden einseitig belastet. Verspannungen, Schmerzen, Entzündungen und Bewegungseinschränkungen sind die Folge. Weiterhin hat belastender Druck auf die Nerven negativen Einfluss auf die Verdauung, Atmung sowie Konzentration. Die Folge – das Wohlbefinden des Menschen nimmt ab, seine Leistungsfähigkeit sinkt.

„Wir brauchen deshalb Möbel, die den Körper in seiner gesunden Ausrichtung und mit einem Höchstmaß an Beweglichkeit unterstützen“, sagt Malte Lenkeit, Ergonomieberater beim deutschen Bürositzmöbelhersteller Dauphin. „Bürostühle sollten die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Doppel-S-Form halten und die aufrechte Haltung stützen – zum Beispiel durch eine automatische Neigung des Stuhloberteils und einem gleichbleibenden Gegendruck der Rückenlehne im Bewegungsablauf.“

Sicherheitsrisiken vermeiden

Während an Büroarbeitsplätzen viel gesessen wird, muss so mancher Arbeiter in der Montage oder im Versand oftmals mehr als sieben Stunden stehen. Das summiert sich auf über 1.800 Stunden im Jahr. Harte Böden verstärken dabei die körperliche Belastung durch einseitige Tätigkeiten, das erhöht die Belastung auf Gelenke und Menschen werden auf Dauer krank. Diskussionen um die Zukunft der Beschäftigung und den Arbeitsplatz 4.0 bedeuten, für jeden Menschen die optimalen Bedingungen zu schaffen. Eine davon ist das mobile Stehen. Dabei können zum Beispiel spezielle Bodenmatten unterstützend wirken. „Matten mit hoher Dämpfungseigenschaft schonen die Gelenke und senken gleichzeitig den Geräuschpegel. Hoher Bedarf besteht dafür beispielsweise in Logistikzentren oder in industriellen Trockenbereichen“, erläutert Martina Baumgärtner, Leiterin des Servicebüros Deutschland der Firma Ergomat, die Produkte für unterschiedliche Arbeitsbereiche und mit verschiedenen Funktionen produziert. Manche Matten sind auf ihrer Oberfläche so beschaffen, dass auf Industriearbeitsplätzen Öl, Chemikalien, Späne oder andere Schmutzpartikel aufgefangen werden und Mitarbeiter nicht ausrutschen. Andere Produkte ruhen auf kleinen Stegen oder Saugnäpfen. Selbst wenn Flüssigkeiten auslaufen, ist für sicheren Stand gesorgt, da diese durch die Erhöhungen abfließen können. Matten mit Farbbeschichtungen kennzeichnen Lauf- oder auch Gefahrenzonen in Produktionsbereichen oder Hallen. Auch das Thema maximale Helligkeit kann in fensterlosen Produktionsbereichen und Hallen mit silberbeschichteten Produkten angegangen werden, die drei Mal mehr Licht reflektieren als dunkle Matten.

Büroarneitsplatz
Offene, die Körperdynamik fördernde Bürolandschaften werden Ausstellungs- und Kongressthema bei der A+A 2019 sein. // Foto: (© Messe Düsseldorf)

Arbeitsplätze gesund planen

Weil der Mensch von Natur aus nicht über Stunden konstant leistungsfähig ist, lohnt es sich, ihn ergonomisch zu unterstützen. Werden Arbeitsplätze entsprechend geplant und gestaltet, kann die Arbeitskraft gesteigert werden. Was das bedeutet, zeigt ein Rechenexempel: Schon ein Leistungsanstieg von fünf Prozent kann bei einem Mitarbeiter mit einem Bruttoverdienst von 3.000 Euro bedeuten, dass sich eine Investition von 1.500 Euro in einen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz innerhalb von zehn Monaten auszahlt. Wie notwendig ergonomische Verbesserungen sind, das lässt sich beispielsweise durch das Bewertungsverfahrens EAWS (Ergonomic Assessment Worksheet) ermitteln. Es wurde von der Deutschen MTM-Vereinigung e.V. entwickelt. Und so funktioniert die Methode: Bei der Ortsbegehung analysieren Experten den Arbeitsablauf an einem Arbeitsplatz. Dabei werden zum Beispiel statische Körperhaltungen, Kräfte, die auf den ganzen Körper, den Oberkörper oder die Finger wirken, erfasst. Ein Risikopunktwert kennzeichnet die Notwendigkeit für ergonomische Verbesserungen.

„Bei der Beschreibung von Abläufen hilft uns das Bausteinsystem MTM-HWD. HWD steht dabei für Human Work Design“, erklärt Dr. Thomas Finsterbusch, Leiter der MTM-Akademie. „Mit Hilfe von Piktogrammen werden beispielsweise Bewegungen der Hände und der Arme sowie der Augen beschrieben. Dadurch lassen sich Prozesse hinsichtlich der ergonomischen Belastung bewerten – zum Beispiel, wenn ein Arbeiter seine Gelenke stark verdrehen muss.“ Am Messestand der MTM-Akademie auf der A+A 2019 wird nicht nur diese Technologie präsentiert. Ein Thema ist zudem die digitale Erfassung von Bewegungen (3D-Simulation und Motion Capture). Bei der Motion Capture liefern Sensoren an den einzelnen Extremitäten und im Bereich des Rumpfes eine Vielzahl von Daten. Mitarbeiter sehen anhand der ausgewerteten Informationen, welche Bewegungen den Risikowert erhöhen oder senken. Auf diese Weise werden sie direkt in den Prozess der Gestaltung gesünderer Arbeit einbezogen.

Offene Bürolandschaften – neue Anforderungen

Das 08/15-Büro gibt es heute nicht mehr. Das Deutsche Netzwerk Büro, das als Verein eingebunden ist in die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesarbeitsministeriums, widmet sich auf dem A+A-Kongress dem Thema „Offene Bürolandschaften“. Diese sind zum Beispiel im Startup-Bereich oder in der Kreativwirtschaft beliebt. „Die Beschäftigten haben eine Auswahl an Arbeitsorten für unterschiedliche Aufgaben, die entweder hohe Konzentration oder den persönlichen Austausch erfordern. Daher arbeiten sie nur zeitweise am gleichen Arbeitsplatz. Das erfordert eine an die Bedürfnisse angepasste Gestaltung“, sagt David Wiechmann, Vorsitzender des Deutschen Netzwerk Büro. So sollten Tische, die sich beim sogenannten „Desksharing“ mehrere Mitarbeiter teilen, möglichst elektrisch höhenverstellbar sein und ein Display zur genauen Höheneinstellung besitzen. Stühle haben im Optimalfall eine automatische Gewichtserkennung. Alles sollte möglichst intuitiv einstellbar sein.

Gabriele Brähler
Freie Fachjournalistin, Berlin

Mann sitzt am Schreibtisch
Ergonomische Bürostühle – hier Modelle von Dauphin – unterstützen Bewegungen und die aufrechte Haltung des Körpers. // Foto: (© Dauphin)
 
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