Verkehrssicherheit: Eine Sekunde verändert alles!

Wolfgang Pichl

„Nicht schon wieder“, werden Sie vielleicht denken, wenn Sie diese Überschrift lesen. Aber wenn man als Angehöriger oder Kollege eines schwer oder gar tödlich verletzten Unfallopfers damit konfrontiert wird, verändert sich die Sichtweise auf dieses Thema schnell. Wir in der Spartenprävention Rohstoffe – Baustoffe haben diese Erfahrung gerade durchlebt. Vor einigen Wochen ist ein geschätzter Kollege bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Dann werden Fragen gestellt, die mit „wie“, „weshalb“, „warum“ beginnen. Dabei geht es nur vordergründig um die Unfallursache, vielmehr bringen die Fragestellungen die Fassungs- und Ratlosigkeit zum Ausdruck.

So plötzlich also kann das Thema Verkehrssicherheit präsent sein, auch in Unternehmen. Längst ist das Risiko, durch einen Verkehrsunfall zu verunglücken, in einigen Branchen deutlich höher als am Arbeitsplatz im Unternehmen. Das gilt für den Arbeitsweg ebenso wie bei beruflich bedingten Fahrten. Kein Wunder: Schauen wir uns die derzeitige Situation an: Zum 1. Januar 2019 waren in Deutschland über 57 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Für die PKW allein ergeben sich 561 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner. Auf deutschen Straßen wird es immer enger und der Verkehrsfluss durch eine große Anzahl von Baustellen gestört. Von freier Fahrt für freie Bürger kann schon lange keine Rede mehr sein; die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h wird kaum mehr erreicht. Dort allerdings, wo es kein Tempolimit gibt, wird buchstäblich auf Teufel-komm-raus gerast. Dazu kommt die Ablenkung der Fahrer durch Smartphones und in den Fahrzeugen verbauten Kommunikations- und Navigationseinrichtungen. Überlagert wird das alles durch gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahre: Rücksichtslosigkeit und Aggressivität nehmen zu. Alles in allem eine für die weitere Tendenz der Unfallzahlen im Straßenverkehr nicht sehr erfreuliche Gemengelage.

Noch mehr Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen, weniger starke Motoren, breitere Straßen, eine bessere Verkehrslenkung: All das wird die Probleme im Straßenverkehr nur zum Teil lösen. Die, die einen wirkungsvollen Beitrag zu einer Reduzierung der Straßenverkehrsunfälle leisten können – das sind wir alle, tagtäglich Teilnehmer im Straßenverkehr. Bis wir alle autonom fahren, werden noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, vergehen.

Eine Sekunde kann alles verändern. Mit allen Konsequenzen für sich selbst oder für Angehörige oder Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß: Ein Satz, der leicht dahergesagt ist. Aber ein bisschen mehr Gelassenheit, Geduld und Rücksicht von uns allen würde schon viel bringen.

Übrigens: In unseren allseits geschätzten und stark nachgefragten Forum-protecT-Veranstaltungen werden wir das Thema „Verkehrssicherheit“ speziell hinsichtlich Technik, Organisation und persönliches Verhalten beleuchten. Und das alles vor dem Hintergrund unserer Präventionsstrategie und dem damit verbundenen Motto: „VISION ZERO – Das Leben ist nicht verhandelbar!“. Die Termine sollten Sie sich schon einmal vormerken: 5./6. November 2019 in Bamberg und 11./12. Februar 2020 in Potsdam. Kommen Sie sicher dorthin!

Herzlichst Ihr
Wolfgang Pichl